Gameboy zu teuer EU leitet Kartellverfahren gegen Nintendo ein

Nintendo soll die Preise für den Gameboy und die dazugehörigen Spiele künstlich hoch gehalten haben. Sagt die EU-Kommission und eröffnet ein Kartellverfahren.


Brüssel - "Europäische Familien geben jedes Jahr Millionen für Videospiele aus, und wir wollen sicherstellen, dass sie nicht übers Ohr gehauen werden," begründete EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti das Vorgehen gegen Nintendo und sieben Vertriebsfirmen am Freitag.

Gameboy von Nintendo
REUTERS

Gameboy von Nintendo

Die acht Unternehmen Nintendo, Linea, Itochu, Concentra, Bergsala, Nortec, CD-Contact Data und John Menzies hätten sich den europäischen Markt in einer kartellähnlichen Absprache untereinander aufgeteilt, sagte er.

Parallel-Exporte von einem Land zum anderen seien durch Ausfuhrverbote und Kontrollen der Groß- und Einzelhändler unterbunden worden. Dabei lagen die Preisdifferenzen für Konsolen und Spiele zwischen den Ländern teilweise bei hundert Prozent. Die Verbraucher seien systematisch daran gehindert worden, von diesen Preisunterschieden zu profitieren.

Nintendo hat zwei Monate Zeit, auf die Vorwürfe zu antworten, und kann auch eine mündliche Anhörung fordern. Anschließend kann die EU-Kommission eine Strafe verhängen, wenn sie ihre Vorwürfe bestätigt sieht. Die Ermittlungen laufen bereits seit 1995.

Nintendo hat mit seinen Konsolen, mobilen Gameboys und Computerspielen 1998 einen Umsatz von 7,6 Milliarden Mark erzielt - den Löwenanteil davon im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), zu dem die 15 EU-Staaten, Norwegen und Liechtenstein gehören.

1997 verkaufte die japanische Firma 55 Millionen Gameboy-Konsolen und 235 Millionen dazu passender Spiele weltweit. Statische Konsolen fanden 46 Millionen Mal den Weg über den Ladentisch, dazu passende Spielcassetten 359 Millionen Mal.



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