Gamers Corner Hier spielt die Musik

Schon seit einiger Zeit haben einige PC-Spieleproduzenten eine jahrzehntealte Erkenntnis aus der Filmbranche übernommen: Spiele gewinnen deutlich durch gute Musik. Leider gehört die noch lange nicht zum Standard.

Von Martin Schnelle


Was wäre "Titanic" ohne Celine Dions Schmachtfetzen "My Heeart Will Go On" und der Filmmusik von James Horner? Oder wie gewaltig die Schlachten des "Gladiator" ohne den imposanten Soundtrack aus der Feder von Hans Zimmer? Und die Lieblings-TV-Serien erkennt man auch immer sofort an der Titelmelodie.

Einige Spielehersteller machen sich diesen Effekt zunutze, um ihre Produkte kräftig aufzuwerten. Da wäre als aktuelles Beispiel etwa das deutsche Rollenspiel "Gothic" von Egmont Interactive. Für dessen melodiöse Vertonung zeichnet der Musiker Kai Rosenkranz, 20, verantwortlich. Besonderes Merkmal: Der Soundtrack stimmt sich mit der Spielsituation ab und unterlegt so den - anders als im Film - freien Ablauf der Handlung immer passend.

Deutsches Rollenspiel "Gothic": Die Musik passt sich dem Spielgeschehen an

Deutsches Rollenspiel "Gothic": Die Musik passt sich dem Spielgeschehen an

"Ich benutze ein Programm namens DirectMusic Producer. Ich komponiere Musikfragmente von rund zehn Sekunden Länge, die dann immer wieder neu zusammengestellt werden", erklärt Rosenkranz. Pro Örtlichkeit (von denen es Dutzende gibt) sind dies sechs Grundstimmungen, welche klanglich dargestellt werde: das eigentliche Thema, Bedrohung und Kampf, beides für jeweils Tages- und Nachtzeit. So ergeben sich sechs Kombinationsmöglichkeiten, und jede einzelne gibt der Komponist durch zehn bis zwanzig Fragmente wieder. Alle Schnipsel müssen harmonisch zusammenpassen - hört sich das denn nicht monoton an? "Ich arbeite zusätzlich mit dem Transponieren der einzelnen Stücke", sagt Rosenkranz. "Dadurch dauert es schon mehrere Minuten, bis sich die Musik wiederholt."

Solchen Aufwand treiben allerdings nur wenige Firmen. Einzelne Spiele, etwa Infogrames "Outcast", fallen durch ihren orchestralen und aufwendigen Soundtrack auf. Meistens beschränkt sich der akustische Hintergrund jedoch auf das Wiederholen bestimmter Stücke - wobei dies nicht grundsätzlich schlecht sein muss. Die Online-Ballerei "Tribes 2" von Havas Interactive oder Westwoods "Command & Conquer"-Reihe unterlegen die Schlachten mit harten Industrial-Klängen, das schon sechs Jahre alte und mäßige Adventure "Lost Eden" gefiel durch den Ethno-Pop, den Hersteller Cryo spendiert hatte.

Eine kleine musikalische Zeitreise

Martin Schnelle ist leitender Redakteur bei "PC Player"
PC Player

Martin Schnelle ist leitender Redakteur bei "PC Player"

Die technische Qualität ging mit der Entwicklung der Grafik Hand in Hand, und so gab es in der Frühzeit der PC-Spiele nur Gekrächze aus dem eingebauten Piepser. Die ersten Soundblaster-Karten von Creative Labs erlaubten dann programmierte Midi-Musik, die sich ebenfalls schon der Spielsituation anpassen konnte - nur wenige Produkte wie etwa die "Wing Commander"-Reihe machten davon Gebrauch.

Professionelle Midi-Karten etwa des Synthesizer-Herstellers Roland erhoben zum Beispiel das "Star Wars"-Spiel "TIE-Fighter" von Lucas Arts zum akustischen Genuss. Sie wichen aber bald mit dem Aufkommen der CD-Rom-Laufwerke auf CD abgelegten Audiotracks. So hatte etwa der Nachfolger "X-Wing vs. TIE-Fighter" Original-"Star Wars"-Musik aus den Filmen, wobei diese natürlich nicht dem Spielgeschehen dynamisch folgen konnte.

Zudem belegen derart gespeicherte Audio-Daten sehr viel Speicherplatz auf den CDs, weswegen "X-Wing vs. TIE-Fighter" dann auch auf zwei Silberlingen ausgeliefert wurde. Heutzutage benutzen daher viele Firmen mp3-Dateien, die sich auf die Festplatte kopieren lassen und viel kleiner sind.

Welches Verfahren taugt nun am besten? "Mit dem DirectMusic Producer erziele ich die besten Ergebnisse", sagt Rosenkranz, "auch wenn die Anzahl der Kanäle durch die Soundkarte begrenzt sind". An zweiter Stelle bevorzugt er fertige Musikstücke von CD oder als mp3, denn da gibt es keine "Performance-Probleme". Und wie sieht es mit Midi-Dateien aus? "Die Midi-Qualität ist nicht mehr State-of-the-art."

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