Gelinkt Jeder Klick kostet die Konkurrenz Bares

Die teuerste und effektivste Form der Onlinewerbung ist der gesponserte Link bei einer Suchmaschine. Manche Geschäftleute entdecken, wozu die Links noch gut sind: Um die Konkurrenz nach Kräften zu schädigen - einfach per Mausklick.


Klickbetrug ist einfach, hinterlässt aber auch den "Fingerabdruck" des Täters. Mit Eingabegeräten wie dieser Siemens-Maus ließe sich mancher Betrug verhindern

Klickbetrug ist einfach, hinterlässt aber auch den "Fingerabdruck" des Täters. Mit Eingabegeräten wie dieser Siemens-Maus ließe sich mancher Betrug verhindern

Das Werbegeschäft von Google, Yahoo und anderen Suchmaschinen wird von Betrügern gefährdet, die nur deswegen auf bezahlte Einträge klicken, weil dies den Auftraggebern Kosten verursacht. Wird das gesetzte Kostenlimit überschritten, wird der Eintrag nicht länger auf der ersten Seite der Suchergebnisse angezeigt.

Als Opfer eines solchen "Klick-Betrugs" sieht sich Tammy Harrison, die Computer-Software für Ärzte vertreibt. Zuerst freute sie sich über die steigende Zahl von Besuchern auf ihrer Web-Site - auch wenn sie für jeden Mausklick auf ihren bezahlten Eintrag 20 Dollar (15,50 Euro) an Google zu zahlen hatte. Bald war das vereinbarte Limit erreicht, und Harrison tauchte bei der Eingabe ihrer "AdWords" nicht mehr auf der ersten Seite der Google-Treffer auf. Sie schätzt, dass ihr dadurch Umsätze von 100.000 Dollar (77.790 Euro) entgangen sind.

Als Täter verdächtigt Harrison einen ehemaligen Mitarbeiter, der inzwischen eine Konkurrenzfirma gegründet hat und ihr auf diese Weise schaden will. "Der Klick-Betrug ist außer Kontrolle geraten", sagt sie, nachdem sie die Klicks auf ihre Einträge sorgfältig dokumentiert hatte. "Damit wird mir bares Geld aus der Tasche gestohlen." Die Suchmaschinen haben zwar die Möglichkeit eingerichtet, eine Entschädigung für betrügerische Klicks zu erhalten. Diese Zahlungen seien aber kein Ausgleich für entgangene Umsätze nach dem Verschwinden ihres bezahlten Eintrags, sagt Harrison.

Wie groß ist das Problem wirklich?

Das Ausmaß der Manipulation wird unterschiedlich eingeschätzt. "Klick-Betrug existiert, aber da gibt es auch eine große Paranoia", sagt der Leiter der Firma Fathom Online, Chris Churchill, der die Ausgaben bei Suchmaschinen-Anzeigen untersucht hat. Andere schätzen, dass 10 bis 20 Prozent aller Klicks auf bezahlte Einträge ohne tatsächliches Interesse an dem beworbenen Angebot erfolgen.

"Klick-Betrug ist wie ein großer Elefant im Wohnzimmer", sagt Lisa Wehr, die sich mit ihrer Firma Oneupweb auf die Beratung bei der Schaltung von Suchmaschinenanzeigen spezialisiert hat. "Jeder sieht ihn und weiß, dass er da ist, aber niemand weiß so richtig, was mit ihm zu tun ist."

Google-Manager Schmidt: Besorgnis erregendes, aber überschätztes Problem
REUTERS

Google-Manager Schmidt: Besorgnis erregendes, aber überschätztes Problem

Google und Yahoo setzen auf verbesserte interne Kontrollen und die Wachsamkeit der Kunden. "Wir sind deswegen immer besorgt, aber bisher ist das noch keine Sache von wesentlicher Bedeutung", sagt Google-Vorstandschef Eric Schmidt. Auch Yahoo habe seine Schutzvorkehrungen verstärkt, sagt Patrick Giordiani von der für das Werbegeschäft zuständigen Tochterfirma Overture.

Mit dem Erfolg der Suchmaschinenwerbung sind auch die Preise dafür deutlich gestiegen. Mitte 1999 kostete ein Mausklick auf einen bezahlten Suchmaschineneintrag bei Overture noch im Schnitt 0,11 Dollar (0,09 Euro). Ende vergangenen Jahres lag der Branchendurchschnitt bei 1,70 Dollar (1,32 Euro). Für besonders begehrte Suchbegriffe sind die Kosten aber weit höher und erreichen teilweise mehr als 50 Dollar je Klick.

Damit sind auch Schäden gestiegen, die ein Klick-Betrüger verursachen kann. Einige haben bereits Aufträge an Personen im Ausland vergeben, die den ganzen Tag vor dem Computer sitzen und auf bestimmte Links klicken. Andere haben eine spezielle Software entwickelt, die diese Arbeit erfüllt und obendrein den Urheber der Mausklicks verbirgt.

Auf der anderen Seite gibt es auch schon Projekte zur Entwicklung technischer Gegenmittel. Zu ihnen gehört die Firma Clicklab in Miami, deren Geschäftsführer Dmitri Eroshenko von einem Katz- und Mausspiel spricht, aber auch hinzufügt: "Die Werbewirtschaft wird ein gewisses Maß an Klick-Betrug als Teil ihrer Geschäftskosten akzeptieren müssen."

Michael Liedtke, AP



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