Gemeinsam gegen Apple MySpace sucht Schulterschluss mit Musikindustrie

MySpace gilt inzwischen als das spezialisierteste der Social Networks: Das große Thema dort ist Musik. Das soll künftig auch Geld bringen. MySpace verhandelt mit den großen Labels über ein Joint Venture, mit dem der News-Corp.-Ableger Apples iTunes Konkurrenz machen will.


Der Musikshop der Zukunft, das zeichnet sich immer deutlicher ab, setzt auf eine Mischkalkulation: Musik wird es dort künftig ganz legal kostenfrei im Stream geben, refinanziert durch Werbung - und wer will, kann dann auch Downloads kaufen oder Musik im Abo pachten. So ähnlich sah das Geschäftsmodell von Qtrax aus, mit dem der Anbieter auf der Musikmesse Midem ein wenig zu keck vorpreschte. Über genau so ein Modell verhandelt MySpace Presseberichten zufolge gerade mit allen großen Labels.

Profilseite der Sängerin Alicia Keys bei MySpace: längst die größte Musikpromotionsplattform der Welt

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Damit würde MySpace sich weiter in seiner Nische einmauern: Schon jetzt gilt die Seite vor allem als Social Network für Musikfans und -macher. Facebook hat den einstigen Platzhirschen unter den Social Networks derweil in der Gunst des jungen Publikums überholt. Auch darum könnte MySpace-Besitzer Rupert Murdoch versuchen wollen, MySpace zur ersten Adresse im Web zu machen, wenn es um digitales Entertainment geht: Ein solches Standing würde das Social Network unempfindlicher machen gegen die Launen und Moden der Jugendkultur.

Verhandelt wird, berichtet die Nachrichtenagentur AP, derzeit mit EMI, Sony BMG, Warner und Universal. Die großen Labels suchen seit einigen Monaten aggressiv nach Wegen, das Quasimonopol von Apples iTunes im digitalen Musikmarkt aufzubrechen. So gewährten die großen Labels kürzlich Amazon USA Lizenzen für den Vertrieb kopierschutzfreier Musik.

Gerüchten zufolge könnte nun auch Amazon mit an Bord sein und einen auf den MySpace-Service zugeschnittenen Shop zuliefern. Das Gerücht klingt logisch: gemeinsam hätten Amazon und MySpace Apple eine Menge entgegenzusetzen.

Doch ein Shop ist offenbar nicht alles, was Murdoch für MySpace vorschwebt. Ähnlich wie bei Napster ist auch bei MySpace Music ein Abo-Modell im Gespräch. Vor allem aber ein Stream-Client, über den man zumindest am Rechner jederzeit Zugriff auf Musik haben würde - eingebettet in Werbung.

Solche Modelle gibt es bereits: Imeem und LastFM (letzteres ist auch Teil des Angebotes von SPIEGEL ONLINE) ermöglichen die Suche nach Künstlern und Titeln, die man am Rechner kostenfrei und legal hören kann. Zahlreiche andere Angebote wie Seeqpod oder Songza gelten als rechtlich umstritten. So oder so setzt sich bei den jüngeren Zielgruppen der rechnerbasierte Musikkonsum längst durch: In vielen Jugendzimmern hat der PC die Stereoanlage völlig verdrängt.

Kommentieren will die Gerüchte bisher keines der Unternehmen.

pat/AP



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