Australien Gericht verurteilt Google wegen irreführender Werbung

Ein Gericht in Australien hat gegen Google geurteilt. Künftig, so die Richter, darf neben Googles Suchergebnissen nur für Dinge geworben werden, die von den Anwendern auch gesucht wurden. In Europa ist das anders.

Google-Suchseite: Richter verbieten Werbung zu fremden Markennamen
AFP

Google-Suchseite: Richter verbieten Werbung zu fremden Markennamen


Das australische Bundesgericht hat den Internetriesen Google wegen irreführender Werbung verurteilt. Die Richter gaben am Dienstag einer Klage der australischen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde ACCC (Australian Competition and Consumer Commission) statt. Diese hatte dem Internetkonzern vorgeworfen, Verbraucher mit Werbeanzeigen in die Irre zu führen, die über den Ergebnissen der Google-Suche präsentiert werden.

Googles Anzeigenkunden können bei der Buchung ihrer Werbung angeben, bei welchen Suchworten ihre Anzeigen auf Googles Ergebnisseiten eingeblendet werden sollen. Häufig nutzen dafür Firmen auch Markennamen ihrer Wettbewerber, um neue Kunden auf ihre Websites zu locken. Im konkreten Fall buchte beispielsweise das Online-Reisebüro STA Travel Werbeplätze auf Ergebnisseiten, die erschienen, wenn Google-Nutzer nach dem konkurrierenden Reisebüro Harvey World Travel suchten.

Die Richter befanden es in vier konkreten Fällen nun als irreführend, wenn Websites anderer Firmen als der gesuchten präsentiert wurden. Google zeigte sich über das Urteil enttäuscht: Der Konzern stelle nur eine Plattform für die Anzeigen zur Verfügung. Verantwortlich für den Inhalt sollten die werbenden Firmen sein.

Für die Europäische Union hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg bereits 2010 entschieden, dass Firmen für ihre Werbung fremde Markennamen als Schlüsselwörter verwenden dürfen. Die Hauptverantwortung für die Einhaltung der Markenrechte liege demnach nicht bei Google, sondern bei den Anzeigenkunden, die ihre Anzeigen gestalten (Aktenzeichen C-236/08).

Nach dem Luxemburger Urteil ist es keine Markenrechtsverletzung, wenn Google auch Markennamen als Adwords-Stichwörter zulässt. Entsprechend dürfen Wettbewerber fremde Markennamen als Stichwort für Anzeigen nutzen. Ihre Anzeige müssen sie dann aber so gestalten, dass unmissverständlich klar wird, dass es sich um ein Angebot einer anderen Firma handelt. Andernfalls werde der Zweck einer Marke verletzt, die Verbraucher eindeutig über die Herkunft eines Produkts zu informieren, urteilten die Richter. Dagegen könne Google nicht zur Verantwortung gezogen werden, wenn es seinen Dienst als rein technisches und automatisches Angebot verkauft.

Wie man diese Möglichkeit geschickt nutzen kann, um sich in Krisenzeiten möglichst positiv darzustellen demonstrierte 2010 der Ölkonzern BP. Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko stockte der Konzern sein Budget für Anzeigenwerbung in den Google-Suchergebnissen, das sogenannte Adwords-Advertising, kräftig auf. Im Fall von BP sollten die gebuchten Adwords dafür sorgen, dass Web-Nutzern, die nach Informationen zur Ölkatastrophe suchten, als erstes die Werbung von BP ins Auge fällt und sie, idealerweise, auf den entsprechenden Link klicken, der sie zur BP-Webseite führt.

mak/AFP



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herr_kowalski 03.04.2012
1. zur Hörigkeit europäischer Politik gegenüber
Zitat von sysopAFPEin Gericht in Australien hat gegen Google geurteilt. Künftig, so die Richter, darf neben Googles Suchergebnissen nur für Dinge geworben werden, die von den Anwendern auch gesucht wurden. In Europa ist das anders. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,825401,00.html
den USA gehört selbstverständlich auch die lasche Haltung gegenüber diversen Datenkraken. Das ist alternativlos.
Verun 03.04.2012
2. Werbung im Internet
Zitat von sysopAFPEin Gericht in Australien hat gegen Google geurteilt. Künftig, so die Richter, darf neben Googles Suchergebnissen nur für Dinge geworben werden, die von den Anwendern auch gesucht wurden. In Europa ist das anders. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,825401,00.html
Es gibt Werbung im Internet? Sehe ich seit ich den Firefox vor 5-6 Jahren zuerst benutzt habe nicht mehr...
Arno Nühm 04.04.2012
3.
Zitat von VerunEs gibt Werbung im Internet? Sehe ich seit ich den Firefox vor 5-6 Jahren zuerst benutzt habe nicht mehr...
Ich konnte mich auch gar nicht mehr erinnern, dass da über den Suchergebnissen Werbung plaziert war. Hatte irgendwie im Gedächtnis, die wäre rechts daneben gewesen. Hach ja, lang ist's her...
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