Blamage bei Onlineverhandlung »Sie heißen nicht Buttfucker 3000«

Wegen der Coronakrise finden in den USA viele Gerichtstermine online statt. Ein Fall aus Michigan zeigt: Wer sich bei Zoom für einen solchen Termin einwählt, sollte vorher lieber seinen Namen prüfen.
Szene aus dem Onlineverfahren: Es spricht »Buttfucker 3000«

Szene aus dem Onlineverfahren: Es spricht »Buttfucker 3000«

Foto: Zoom

Auf YouTube ist der US-Richter Jeffrey Middleton seit Kurzem Klickmillionär, mit mehr als einer Million Videoabrufe. Middleton ist seit April auf der Plattform präsent, bereits über 100 seiner per Zoom geführten Onlineverhandlungen ließen sich über seinen Kanal  live mitverfolgen oder im Nachhinein anschauen.

Obwohl die meisten Prozesse für Menschen jenseits des St. Joseph County in Michigan, wo Middleton am Bezirksrichter ist, wenig spannend sind, gab es schon mehrere Livestream-Momente, die landesweit Aufsehen erregten.

Schlagzeilen machte beispielsweise ein Fall, bei dem ein Angeklagter, der ohne Versicherung und ohne gültigen Führerschein Auto gefahren war, in Middletons Videoübertragung zu sehen war – vom Fahrersitz eines Autos aus . Und auch Ausschnitte einer zweiten Verhandlung Middletons machten im Netz die Runde, weil der stellvertretenden Staatsanwältin während des Videocalls aufgefallen war, dass sich ein wegen einer Gewalttat Angeklagter im Haus des Opfers aufhielt: während des Prozesses und trotz eines Kontaktverbots .

12.800 Abonnentinnen und Abonnenten hat Middletons YouTube-Kanal mittlerweile, und am Dienstag konnten diese nun eine neue ungewöhnliche Szene vor Gericht erleben: den erzwungenen Wechsel eines Zoom-Namens.

»Was für ein Idiot loggt sich so vor Gericht ein?«

Jener Moment beginnt gut 17 Minuten nach Stream-Start damit, dass Richter Middleton mit den Worten »Dann holen wir diesen Kasper mal rein« einen weiteren Nutzer in den Zoom-Call lässt: Er begrüßt ihn und fragt ihn nach seinem Namen. Der Mann nennt daraufhin seinen bürgerlichen Namen, was den Richter sofort nach dem Pseudonym fragen lässt, das der Mann für jeden sichtbar als Zoom-Namen verwendet: »Sie heißen also nicht Buttfucker 3000.«

Dann legt der Richter noch einmal nach: »Was für ein Idiot loggt sich so vor Gericht ein?«

»Ich glaube nicht, dass ich so etwas eingetippt habe«, entgegnet der verunsicherte Mann und wiederholt seinen Realnamen. »Nun ja, das steht da«, antwortete darauf Richter Middleton, während der Mann seine Zoom-Panne zu realisieren scheint: »Ich entschuldige mich, das sollte dort nicht stehen.«

Richter Middleton schickt den Mann schließlich in den virtuellen Warteraum – mit dem Appell, er könne dort eine Zeit lang darüber nachdenken, wie er sich online nennt.

Knapp 14.000 Nutzerinnen und Nutzer von YouTube haben das insgesamt über zweieinhalb Stunden lange Originalvideo des Prozesses vom Dienstag schon angeklickt. Es macht im Netz zudem in Form kurzer Ausschnitte die Runde, mit teils sechsstelligen Abrufzahlen. Unter jenen Clips finden sich zahlreiche Kommentare amüsierter Nutzerinnen und Nutzer, wie »Hoffentlich kommt er mit dem Namen B*F*K*R 3001 zurück«.

Einen Gruß an die Schwester

Der Mann, den man im Internet nun als »Buttfucker 3000« kennt, kommt im Video übrigens nach wenigen Minuten mit seinem echten Namen in die Onlineverhandlung zurück. Dort erklärt er, dass seine Schwester den Zoom-Account aufgesetzt habe und dass der zuvor angezeigte Spitzname auf einen Insiderwitz zurückgehe: »Es ist mein iPhone-Pairing-Name für meinen Bluetooth-Lautsprecher, Sir.«

Einen weiteren Ansatz, den Namen zu erklären, bricht er schließlich ab: »Es ist nicht, was Sie glauben... Es ist mir peinlich, es tut mir leid.« Danach ist im Video zu sehen, wie sich der Mann beschämt die Hände vor das Gesicht hält.

Später fragt der Richter den Mann, der sich wegen des Besitzes von Utensilien für den Drogenkonsum verantworten muss, noch, ob seine Schwester da sei. »Nein, leider ist sie nicht da«, antwortet der Mann, woraufhin Richter Middleton ihr noch einen Gruß ausrichten lässt: »Sagen Sie ihr, dass sie Sie fast wegen Missachtung des Gerichts ins Gefängnis gebracht hätte.«

mbö
Mehr lesen über