Gestohlene Datensätze Boomgeschäft Identitätsklau

In den USA wächst die Sorge über Kriminelle, die sich in großem Stil persönliche Daten von Privatpersonen verschaffen, mit denen nach US-Recht einiges anzustellen ist. Eben erst wurden Daten von über 26 Millionen Armeeveteranen gestohlen.


Offenbar hatte ein Angestellter des für ehemalige Militärangehörige zuständigen Department of Veterans Affairs die Datensätze unberechtigterweise mit nach Hause genommen. Von dort wurden die 26,5 Millionen Sätze persönlicher Informationen dann den bisherigen Erkenntnissen zufolge entwendet - ein Einbrecher war in die Wohnung des Mannes eingedrungen. "Informationen, die mit Ihnen verknüpft werden können, sind so möglicherweise anderen zugänglich", schrieb ein Vertreter der Behörde warnend an die betroffenen Veteranen. Eine Hotline wurde eingerichtet, um Betroffene beraten zu können.

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Zu den Datensätzen gehören Namen, Geburtsdaten und Sozialversicherungsnummern - in den USA reichen diese Informationen, um sich mancherorts als der Betreffende auszugeben. Mit solchem "Identitätsdiebstahl" könnten beispielsweise betrügerische Verträge abgeschlossen oder Bankbetrug begangen werden. Da in den USA keine offiziellen Identifikationsdokumente ausgegeben werden - außer einem Reisepass, der für Auslandsreisen meist eigens beantragt wird - sind derartige Betrügereien mit Hilfe der Sozialversicherungsnummer leichter durchzuführen als beispielsweise in Deutschland.

Entsprechend groß ist die Beunruhigung, die der Diebstahl hervorgerufen hat. Obwohl der Dieb vermutlich von dem wahren Inhalt seiner Beute nichts ahnte - laut CNN gab es in derselben Gegend eine Reihe von ähnlichen Einbruchdiebstählen - wurden die betroffenen Veteranen zur Wachsamkeit ermahnt. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat John Kerry, Senator in Massachusetts, sagte der "New York Times": "Es muss jemand gefeuert werden, die Täter müssen geschnappt werden und das Sicherheitssystem der Behörde muss massiv generalüberholt werden."

Der Diebstahl solcher Daten ist in den USA beunruhigend verbreitet. Erst vor einigen Tagen wurde bekannt, dass Eindringlinge im Rechnernetz der Ohio University gewildert und dort ebenfalls persönliche Daten an sich gebracht hatten. Ein bestimmter Server, der unter anderem die Sozialversicherungsnummern von 137.000 Menschen enthielt, war nach Informationen von "Cnet" sogar ein Jahr lang oder noch länger unter der Kontrolle einer internationalen Hackergruppe.

Noch mehr Datensätze als beim Department of Veterans Affairs kamen verganenen Juni der Firma CardSystem Solutions abhanden, die auf die Verarbeitung von Kreditkarten-Transaktionen spezialisiert war. Die Kreditkartenkonten von 40 Millionen Kunden waren damals betroffen. Wie die "New York Times" schreibt, konnte dieser Verlust allerdings durch schlichtes Löschen der entsprechenden Konten ungefährlich gemacht werden - bei Sozialversicherungsnummern ist das nicht möglich.

Schon im Februar 2005 hatten Diebe das Unternehmen ChoicePoint, das private Konsumentendaten sammelt, mit einem Trick zur Herausgabe von Daten über 150.000 Einzelpersonen gebracht. Seitdem tobt in den USA eine Debatte über die Frage, wie man die stetig wachsenden Informationsmengen über Privatleute zuverlässig sichern kann. Ohne viel Erfolg: Laut der "New York Times" wurden seitdem weitere 55 Millionen Datensätze auf unterschiedlichem Wege gestohlen - die jetzt abhanden gekommenen nicht mitgerechnet.

cis



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