30 Jahre Gif Es wackelt, es zappelt, es blinkt

Wut, Euphorie, Ekel, Überraschung: Egal welches Gefühl, es gibt immer ein passendes Gif. Die kleinen bunten Videoschnipsel sind das Internet in konzentrierter Form - und feiern nun ihren 30. Geburtstag.
Foto: giphy

Die Chefin hat Geburtstag? Ein Gif mit schlecht animierten Katzen im Disco-Licht an Turntables, bitte sehr. Ein Nutzer sondert auf Twitter mal wieder eigenartige Chauvi-Sprüche ab? Nein danke, lässt Beyoncé in Dauerschleife wissen . Vorfreude auf die Grillparty? Das animierte Wackel-Katzen-Arrangement bringt meine Gefühle auf den Punkt.

Am Donnerstag wird das Format, das auf alle meine Online-Lebenslagen eine Antwort - oder zumindest eine Reaktion hat - nun 30 Jahre alt. Damit ist das Gif in etwa so alt wie ich - und viele andere seiner eifrigsten Nutzer.

Happy birthday, Millenial!

Ein Gif, die Abkürzung steht für Graphics Interchange Format, ist ein meist extrem kurzes Video. Es zeigt in Dauerschleife nur einige wenige Bilder, häufig ohne Ton. Es ist "nicht ganz Bild, nicht ganz Video", schreibt der US-Internetforscher Ryan M. Milner in seinem Buch "The World Made Meme".

Das naturgemäß beliebte Genre der Tier-Gifs (weil: Internet) wird ergänzt durch Gifs aus verkürzten Filmszenen und Videosequenzen mit Promis oder anonymen Internet-Berühmtheiten, die das Gif-Format erst dazu gemacht hat. Vereinfacht gesagt, taugt nahezu jeder Moment zum Gif, wenn man denn nur den richtigen Kontext findet. Wenn er Schadenfreude hervorruft, ist er besonders gut geeignet.

In der Verdichtung, so hat die jüngere Netzgeschichte gezeigt, schlummert das Potenzial für die Gif-Genialität. Gifs machen das Netz zu einem bunteren, oft auch emotionaleren und lustigeren Ort. Ihre Kraft ziehen viele Gifs gerade aus ihrer Kürze, aus den schnellen Schnitten. Ein Beispiel: dieses Bienen-Gif, in dem das Szenario durchgespielt wird, was eigentlich passieren würde, wenn US-Moderatorin Oprah Winfrey Bienen auf ihr Publikum loslassen würde, statt Autos zu verschenken (fragen Sie nicht).

Die animierten Kurzclips sind heute überall im Netz. Sie können auf Twitter verwendet werden, im Facebook Messenger und auf Snapchat. Eine Suche hilft Nutzern dabei, das passende GIF zu finden und längst kann sich jeder selbst Gifs basteln. Auch die 2015 auf Instagram eingeführte Boomerang-Videofunktion  ahmt die Gif-Optik nach.

Anlässlich des 30. Geburtstags des Gifs schaltete Facebook am Donnerstag zudem die Funktion frei , auch in den Kommentaren mit Gifs zu arbeiten. Denn die Bilder sind bei den Nutzern überaus beliebt: Insgesamt 13 Milliarden Mal haben die Nutzer im vergangenen Jahr Gifs über den Facebook Messenger verschickt, 400 Millionen waren es allein an Neujahr.

Trotz bis heute letztlich ungeklärter Aussprache (hartes oder weiches "G"?) wird wild gesampelt, gebastelt, kopiert, entstellt und neu zusammengefügt. Gifs sind Kunst  und haben ihre eigenen Suchmaschinen. Mit Giphy, der wohl bekanntesten Gif-Suche, wurden laut Unternehmensangaben  2016 mehr als eine Milliarde Gifs pro Tag an Gif-Suchende auf der ganzen Welt ausgeliefert.

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Dem Erfinder ging es nicht um die Animation

Erfunden hat das Gif der Programmierer Steve Wilhite im Jahr 1987, am 15. Juni veröffentlichte seine Firma Compuserve die Spezifikation für das neue Format. Ursprünglich war das Gif vor allem als Farbbildformat gedacht, das Schwarz-Weiß-Bilder ablösen sollte. Dass sich in Gifs auch mehrere Bilder zu einer Animation verbinden lassen, war damals erst mal nachrangig.

Der Erfolg des Gifs ist umso erstaunlicher, weil das Format eigentlich gar nicht so gut ins moderne Netz passt. Die Qualität ist oft lausig, die kurzen Clips sind pixelig und matt. "Gifs mögen scheinbar zu klein und zu begrenzt sein für das hochauflösende Digitalzeitalter", schreibt auch Internetforscher Milner. Irgendwie haben die Gifs es aber trotzdem geschafft. Eine Underdog-Geschichte, wie das Netz sie liebt.

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