Impfgegner in Kanada Christliche Fundraising-Plattform GiveSendGo offenbar gehackt

Unterstützer der Truckerproteste in Ottawa haben über die Seite »GiveSendGo« viel Geld gespendet. Nun wurden offenbar ihre Daten gestohlen und an eine Leakplattform weitergegeben.
Ein Lkw-Fahrer mit seinen Einkäufen während der Blockade in der Innenstadt in Ottawa Mitte Februar

Ein Lkw-Fahrer mit seinen Einkäufen während der Blockade in der Innenstadt in Ottawa Mitte Februar

Foto: ANDRE PICHETTE / EPA

Hacker haben offenbar die Spendenplattform GiveSendGo lahmgelegt und dabei möglicherweise auch private Daten erbeutet. In den vergangenen Wochen hatten Unterstützer der Truckerproteste in Ottawa über die Plattform Geld gesammelt.

GiveSendGo bezeichnet sich selbst als christliche Fundraising-Plattform und als Dienst zur »Finanzierung von Freiheit.« In der Nacht von Sonntag auf Montag haben offenbar Hacker die Seite attackiert. Auf der Startseite standen nicht mehr wie sonst unterschiedliche Spendenkampagnen, sondern ein Clip aus dem Disneyfilm »Frozen«. Das berichtete unter anderem ein Journalist des Magazins »DailyDot« auf Twitter.  Am Montagmittag war die Seite dann offline und zeigte lediglich den Hinweis, die Seite werde nach Wartungsarbeiten bald zurück sein. Erledigt hat sich das Thema damit aber offenbar noch nicht.

Bisher stand auf der Spendenseite prominent die sogenannte »Adopt-A-Trucker«-Kampagne. Bis Sonntagabend hatte sie nach Angaben der Plattform rund 700.000 Dollar zur Unterstützung der Lastwagenfahrer gesammelt, die in Kanada seit Wochen gegen Coronaauflagen, Impf- und Quarantänevorschriften demonstrieren.

30 Megabyte private Daten

Das Aktivistenkollektiv »Distributed Denial of Secrets« gab am Sonntag auf seiner Website an , man sei im Besitz von 30 Megabyte an Spenderdaten von GiveSendGo. Dazu zählen demnach Namen, E-Mail-Adressen, Postleitzahlen und IP-Adressen von Spenderinnen und Spendern. Die Gruppe hatte in der Vergangenheit bereits Daten von Nutzenden der bei Rechtsextremen beliebten Plattform »Gab« zugespielt bekommen.

Die Aktivisten gaben an, die privaten Daten nicht veröffentlichen zu wollen, sondern nur Forschenden und Journalisten zur Verfügung stellen zu wollen. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Echtheit der Daten zunächst nicht überprüfen, allerdings ist Distributed Denial of Secrets (DDoS) schon seit Längerem dafür bekannt, tatsächlich entsprechende geleakte Datensätze zu besitzen. Die Gruppe bezeichnet sich selbst als gemeinnützige Organisation, die sich für die freie Übermittlung von Daten im öffentlichen Interesse einsetzt.

Die bekanntere Fundraising-Plattform GoFundMe hatte vergangene Woche eine Spendenkampagne wegen »Gewalt und anderen illegalen Aktivitäten« bei den Protesten gelöscht. Die Proteste legten zeitweise die Innenstadt von Ottawa lahm, auch einen wichtigen Grenzübergang in die USA blockierten sie mehrere Tage. Experten kritisieren, dass die Organisatoren Teil der rechtsextremen Szene seien. (Lesen Sie hier mehr über die Proteste.)

Wie die kanadische Grenzschutzbehörde mitteilte, wurde die Ambassador-Brücke zwischen Kanada und der US-Metropole Detroit am späten Sonntagabend wieder für den Verkehr freigegeben. Zuvor hatte die Polizei die Blockade der wichtigen Verkehrsverbindung geräumt.

hpp/reuters
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