Globales Bilderalbum Die beliebtesten Urlaubsfotomotive

Im Urlaub nur noch zu den wichtigsten Plätzen reisen - ein Ranking von US-Forschern macht's möglich. Sie haben 33 Millionen Fotos im Bilderportal Flickr sortiert und ausgewertet. In ihre Reihe der populärsten Denkmäler, Häuser und Plätze schaffte es auch ein Computerladen.


Urlaubsbilder sind nicht nur eine schöne Erinnerung, sie werden zur Belastung, wenn es ans Sortieren geht. Die Ordnungsarbeit überfordert manchen Hobbyfotografen schon, wenn es um gut hundert Aufnahmen geht. Die Bilder fristen oft ein unbeachtetes Dasein in einer Pappschachtel oder auf ihrem digitalen Nachfolger, dem Speicherchip.

Wie würde es dem Durchschnittsurlauber erst ergehen, wenn er Millionen von Bildern zu sortieren hätte? David Crandall und seine Kollegen von der Cornell University im US-Bundesstaat New York stellten sich dieser Herausforderung, sichteten 60 Millionen Fotos - von rund 490.000 Reisenden, Fotobegeisterten und Hobbykünstlern im Bilderportal Flickr abgelegt. Mit 33,3 Millionen ausgewählten Aufnahmen starteten sie ihre Mammut-Sortiererei.

Als Ergebnis identifizierten sie einen Kanon der beliebtesten Sehenswürdigkeitenmotive. Ganz oben in ihrer Liste steht der Eiffelturm in Paris, gefolgt vom Londoner Trafalgar Square mit der Nelson-Säule. Die populärste Stadt ist hingegen keine europäische, sondern New York. Berlin schafft es in dem Ranking immerhin auf Platz 14.

Zwei Terabyte bedeutende Orte

Vor diesem Resultat standen für Crandall und seine Kollegen sechs Monate Arbeit mit Dateien, die zwei Terabyte Speicher füllen. Ein schnelles Zusammenschreiben von Suchtreffern hätte ihnen nicht genügt. Mancher Fotograf lädt 20 oder mehr Aufnahmen hoch, die sich nur durch geringfügig verschobene Wolkenformationen unterscheiden. Er erspart sich das Sortieren, würde aber auch das Ergebnis verzerren. Andere vertippen sich bei den Schlagworten oder lassen sie gleich ganz weg - lästige Ordnungsarbeit eben.

Die US-Wissenschaftler wollten nicht bloß den Flickr-Datenwust mit einigen großen Zahlen und markigen Stichworten beschreiben. Aus ihrer Sicht zeigt ein Fotograf, der auf den Auslöser drückt, was ihm wichtig ist. Aus 33,3 Millionen derartiger Bewertungen lasse sich dann ableiten, welche Plätze welche Städte, Gebäude, Plätze am bedeutendsten sind.

Apple-Store vor Freiheitsstatue

Das Ergebnis ist eine Liste der wichtigsten Orte, gewonnen aus dem fotografischen Handeln der Massen. Und die liefert zuweilen erstaunliche Resultate: Im Städteranking steht Madrid vor Venedig, London vor Paris, Berlin vor Las Vegas. Und in der Sehenswürdigkeitenliste erreicht der Apple-Computer-Store in Manhattan mehr Bedeutung als die Freiheitsstatue.

Völlig auf die Sortierarbeit der Masse konnten die US-Wissenschaftler nicht verzichten. Sie berücksichtigten nur Fotos, die mit Geotags - Längen- und Breitenangaben zum Aufnahmeort - versehen waren. Die führten sie zu räumlichen Clustern zusammen und analysierten dann die am häufigsten vergebenen Text-Tags.

Wer fortan nur noch zu den als am bedeutsamsten angesehenen Plätzen der Welt reisen will, dem ist das Foto-Ranking eine wichtige Planungshilfe. Die Forscherarbeit kann aber noch mehr Tipps liefern. Aus der Kombination von Metadaten über Fotografen, Orte und Zeitpunkte der Aufnahmen lässt sich ermitteln, welche Route beim Sightseeing in einer Stadt am populärsten ist.

Und noch einen praktischen Nutzen hat das Ergebnis von Crandall und Co.: Mit gesammelten Geodaten, Schlagworten und weiteren Informationen zu Bildern lässt sich ein Tool programmieren, dass beim Hochladen neuer Bilder bei Flickr passende Geotags vorschlägt. Schließlich war das Foto-Projekt eine Arbeit von Informatikern, und denen geht es selten bloß ums Sortieren von Bildern.

tko

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