Debatte um Festnahme in den USA Google wird angeblich nur bei Kinderpornografie aktiv

Ist es in Ordnung, dass Google E-Mails seiner Kunden auf Kinderpornografie hin untersucht - und etwaige Funde meldet? Nachdem ein Gmail-Nutzer festgenommen wurde, hat das Unternehmen jetzt sein Vorgehen gerechtfertigt.
Google-Schriftzug: Stellungnahme zur Festnahme in den USA

Google-Schriftzug: Stellungnahme zur Festnahme in den USA

Foto: Corbis

Wer Googles E-Mail-Angebot Gmail nutzt, muss damit rechnen, dass seine Daten mit einer Kinderpornografie-Datenbank abgeglichen werden. Diese Interpretation legt eine aktuelle Stellungnahme des Internetkonzerns nahe. Google hat sich am Dienstag zu einem Fall aus den USA geäußert, der seit dem Wochenende durch die Medien geht. In Houston war ein Restaurantangestellter festgenommen worden, nachdem Google drei kinderpornografische Bilder in dessen Gmail-Postfach aufgefallen waren. Das Unternehmen hatte daraufhin das amerikanische Zentrum für vermisste und missbrauchte Kinder (NCMEC) informiert, das wiederum die Polizei alarmierte.

Ein Google-Sprecher sagte am Dienstag, dass Google ein technisches System einsetze, um bei Gmail nach Bildern zu suchen, die Kindesmissbrauch zeigen. Nach Hinweisen auf andere Verbrechen - wie zum Beispiel nach der Verabredung zu einem Einbruch - suche Google dagegen nicht, betont der Sprecher.

"Leider müssen sich alle Internetunternehmen mit Kinderpornografie beschäftigen", heißt es in der Stellungnahme. Dies sei der Grund, warum Google illegale Bilder aus Diensten wie Gmail oder den Ergebnissen der Suchmaschine entferne und die Funde dem NCMEC melde.

Technisch ist noch viel mehr möglich

Bevor der Fall aus Houston Schlagzeilen machte, war lediglich bekannt, dass Google Bilder auf Webseiten, die im eigenen Suchindex auftauchen, mit bereits kursierenden Kinderpornografie-Aufnahmen abgleicht. Dafür bildet der Konzern eine Art digitalen Fingerabdruck, genannt Hash, für jedes bekannte Bild. Diese Hash-Werte werden mit neu entdeckten Fotos verglichen. Wird ein Bild wiedererkannt, wird es aus den Ergebnislisten der Google-Suche entfernt. Auf diesem Weg soll die Verbreitung der Bilder eingedämmt werden. Das NCMEC, das in den USA als Schnittstelle zwischen Strafverfolgungsbehörden, Telekommunikationsanbietern und privaten Initiativen fungiert, gibt täglich aktualisierte Listen mit Hash-Werten heraus, die neben Google auch andere Firmen nutzen.

Technisch ließe sich ein automatischer Abgleich von Hash-Werten, wie Google ihn bei Kinderpornografie durchführt, problemlos auch in anderen Zusammenhängen nutzen, etwa bei der Suche nach illegalen Filmkopien. Es gab bereits Meldungen, dass Cloud-Anbieter in den USA auf diese Weise auf Urheberrechtsverstöße aufmerksam wurden.

E-Mails werden auf Schlagworte hin analysiert

Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt hatte sich im November 2013 zum Thema Kinderpornografie geäußert. "Wir entfernen Bilder von sexuellem Missbrauch von Kindern aktiv von unseren Diensten und melden Missbrauch an die Behörden", schrieb er damals in der "Daily Mail" . In dem Zeitungsbeitrag ging es vor allem um Googles Suche, doch wie sich jetzt zeigt, scheint das Wort Dienste auch andere Firmenangebote umfasst zu haben.

Dass sich Google grundsätzlich das Recht nimmt, E-Mails zu scannen, ist nicht neu. So werden E-Mails schon seit langem auf Schlagworte hin analysiert, um Gmail-Nutzern daran angepasst Werbung anzuzeigen. Außerdem filtert Google Spam-Nachrichten und löscht E-Mails mit Viren und anderen Schadprogrammen im Anhang.

mbö/AFP/dpa