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08. Oktober 2015, 10:29 Uhr

Multimedia-Inhalte

Googles Turboplan fürs mobile Netz

Jetzt auch Google: Der Konzern bietet Medien eine neue Plattform, mit der Multimedia-Inhalte in Millisekunden laden sollen - und verspricht einen anderen Ansatz als Facebook und Apple.

Webseiten laden auf dem Smartphone zu langsam - darüber stöhnen Besitzer von Smartphones ebenso wie Firmen, die die Inhalte liefern. Besonders in den USA sind mobile Webseiten oft mit Werbung und Tracking-Software überladen. In Deutschland ist die mobile Werbeflut bislang weit weniger ausgeprägt und datenintensiv. Google will Medienunternehmen jetzt eine technische Plattform für die bessere Anzeige von Multimedia-Content auf mobilen Geräten bieten.

Der Internetkonzern stellte am Mittwochabend ein Projekt vor, mit dem zum Beispiel Bildergalerien, Videos oder Grafiken schneller geladen werden sollen. Google setzt dabei auf eine offene Plattform. Der Software-Code für die "Accelerated Mobile Pages" (beschleunigte mobile Seiten) wird frei verfügbar sein. Die Ladezeiten sollen von zwei bis drei Sekunden auf wenige Millisekunden schrumpfen.

Das Projekt erinnert an Facebooks "Instant Articles", ein Programm, an dem auch SPIEGEL ONLINE teilnimmt. Ebenso bringt Apple in diesen Wochen "Apple News" an den Start. Die Techgiganten möchten Medieninhalte gerne in ihre eigenen Plattformen einbinden.

Google will sich durch den offenen Ansatz unterscheiden: Jeder kann teilnehmen, auf Twitter ist dafür an Bord. Die Inhalte sollen weiterhin bei den Medienanbietern lagern, aber über eine effiziente Zwischenspeicher-Technologie flüssiger auf den Endgeräten der Nutzer angezeigt werden.

"Googles Plan, um das Netz zu retten"

Bei Facebooks "Instant Articles", das im Frühjahr gestartet ist, läuft der Prozess so ab: Die Inhalte werden direkt bei Facebook gespeichert und müssen nicht wie bisher über einen Link von der Medien-Website geladen werden. So sollen auch hier die Ladezeiten auf mobilen Geräten verringert werden.

Unter Googles Medienpartnern sind laut der Website des Projekts unter anderem die BBC, das "Wall Street Journal", "Buzzfeed" sowie die "Washington Post" und die "New York Times", aus Deutschland sind "Zeit Online" und die Website der "FAZ" dabei. "Buzzfeed" verstieg sich sogleich zur Schlagzeile "Googles Plan, um das Netz zu retten".

Teilnehmer des Projekts bekommen keinen Vorteil in der Anzeige von Suchergebnissen, heißt es. Allerdings könnten kürzere Ladezeiten sich sehr wohl in der Einstufung durch den Suchalgorithmus niederschlagen.

Die Frage der Werbung

Google streitet unter anderem in Deutschland mit Verlagen über die Vergütung für die Anzeige von Inhalten nach Einführung des sogenannten Leistungsschutzrechts. Gleichzeitig betont der Konzern immer wieder, dass er sich für die Förderung des Journalismus einsetzen wolle, und finanziert auch entsprechende Projekte.

Bei Werbung will Google verschiedene Formate, Anzeigen-Netzwerke und Technologien unterstützen. Auch Abomodelle und Bezahlschranken sollen eingebunden werden können. Das Geschäftsmodell hinter dem Angebot solle noch entwickelt werden, Google wolle im Rahmen des Projekts aber keinen Anteil an Werbeeinnahmen, hieß es. Facebook und Apple nehmen 30 Prozent - sofern sie die Werbeplätze in den Artikeln selbst vermarkten. Wenn die Verlage selbst Anzeigen einwerben, bekommen sie derzeit 100 Prozent der Einnahmen. Auch der Fotodienst Snapchat versucht, eine Plattform für die Inhalte von Medienfirmen zu werden.

fab/dpa

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