Multimedia-Inhalte Googles Turboplan fürs mobile Netz

Jetzt auch Google: Der Konzern bietet Medien eine neue Plattform, mit der Multimedia-Inhalte in Millisekunden laden sollen - und verspricht einen anderen Ansatz als Facebook und Apple.

Google-Zentrale in Mountain View: Projekt für beschleunigtes Laden
AFP

Google-Zentrale in Mountain View: Projekt für beschleunigtes Laden


Webseiten laden auf dem Smartphone zu langsam - darüber stöhnen Besitzer von Smartphones ebenso wie Firmen, die die Inhalte liefern. Besonders in den USA sind mobile Webseiten oft mit Werbung und Tracking-Software überladen. In Deutschland ist die mobile Werbeflut bislang weit weniger ausgeprägt und datenintensiv. Google will Medienunternehmen jetzt eine technische Plattform für die bessere Anzeige von Multimedia-Content auf mobilen Geräten bieten.

Der Internetkonzern stellte am Mittwochabend ein Projekt vor, mit dem zum Beispiel Bildergalerien, Videos oder Grafiken schneller geladen werden sollen. Google setzt dabei auf eine offene Plattform. Der Software-Code für die "Accelerated Mobile Pages" (beschleunigte mobile Seiten) wird frei verfügbar sein. Die Ladezeiten sollen von zwei bis drei Sekunden auf wenige Millisekunden schrumpfen.

Das Projekt erinnert an Facebooks "Instant Articles", ein Programm, an dem auch SPIEGEL ONLINE teilnimmt. Ebenso bringt Apple in diesen Wochen "Apple News" an den Start. Die Techgiganten möchten Medieninhalte gerne in ihre eigenen Plattformen einbinden.

Google will sich durch den offenen Ansatz unterscheiden: Jeder kann teilnehmen, auf Twitter ist dafür an Bord. Die Inhalte sollen weiterhin bei den Medienanbietern lagern, aber über eine effiziente Zwischenspeicher-Technologie flüssiger auf den Endgeräten der Nutzer angezeigt werden.

"Googles Plan, um das Netz zu retten"

Bei Facebooks "Instant Articles", das im Frühjahr gestartet ist, läuft der Prozess so ab: Die Inhalte werden direkt bei Facebook gespeichert und müssen nicht wie bisher über einen Link von der Medien-Website geladen werden. So sollen auch hier die Ladezeiten auf mobilen Geräten verringert werden.

Unter Googles Medienpartnern sind laut der Website des Projekts unter anderem die BBC, das "Wall Street Journal", "Buzzfeed" sowie die "Washington Post" und die "New York Times", aus Deutschland sind "Zeit Online" und die Website der "FAZ" dabei. "Buzzfeed" verstieg sich sogleich zur Schlagzeile "Googles Plan, um das Netz zu retten".

Teilnehmer des Projekts bekommen keinen Vorteil in der Anzeige von Suchergebnissen, heißt es. Allerdings könnten kürzere Ladezeiten sich sehr wohl in der Einstufung durch den Suchalgorithmus niederschlagen.

Die Frage der Werbung

Google streitet unter anderem in Deutschland mit Verlagen über die Vergütung für die Anzeige von Inhalten nach Einführung des sogenannten Leistungsschutzrechts. Gleichzeitig betont der Konzern immer wieder, dass er sich für die Förderung des Journalismus einsetzen wolle, und finanziert auch entsprechende Projekte.

Bei Werbung will Google verschiedene Formate, Anzeigen-Netzwerke und Technologien unterstützen. Auch Abomodelle und Bezahlschranken sollen eingebunden werden können. Das Geschäftsmodell hinter dem Angebot solle noch entwickelt werden, Google wolle im Rahmen des Projekts aber keinen Anteil an Werbeeinnahmen, hieß es. Facebook und Apple nehmen 30 Prozent - sofern sie die Werbeplätze in den Artikeln selbst vermarkten. Wenn die Verlage selbst Anzeigen einwerben, bekommen sie derzeit 100 Prozent der Einnahmen. Auch der Fotodienst Snapchat versucht, eine Plattform für die Inhalte von Medienfirmen zu werden.

fab/dpa



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
phielo 08.10.2015
1. Alles aus dem Netz
Das Problem ist doch, dass einmal abgerufene Medien, Artikel, etc. nicht auf dem smartphone gespeichert werden sondern bei erneuter Anwahl wieder geladen werden. Grundsätzlich sollte alles geladene in einem Cache verbleiben, bis die Speicherkarte voll ist und das dürfte in Zeiten von 32, 64 und demnächst noch mehr GB lange dauern.
ArgumentBot 0.9 08.10.2015
2. Z.b. Spon
Wie alle Online-Magazine enthält natürlich auch SPON ruckelnde Werbung, jede Menge Bilder, Empfehlungen, alles mögliche, was nicht mit dem Artikel selbst zusammen hängt. Vielleicht muss man sich auch einfach mal vom Konzept der Werbefinanzierung verabschieden. Ich bin inzwischen so weit, dass ich lieber ein paar Euro pro Monat bezahlen würde für ein komplett Werbefreies SPON, mit Artikelseiten, die wirklich nur die Geschichte, die dazugehörigen Bilder und sonst nichts enthalten. Nebenbei würde ein Premium-SPON sicher auch die Anzahl der Forenbeiträge und ihre Qualität sehr positiv beeinflussen. Den Print-Spiegel kaufe ich mir lieber, ich mag Print. Ein SPON-Premium-Abo mit werbefreiem und sehr schnell ladendem Content fehlt.
Untertan 2.0 08.10.2015
3. Nicht ganz
Zitat von phieloDas Problem ist doch, dass einmal abgerufene Medien, Artikel, etc. nicht auf dem smartphone gespeichert werden sondern bei erneuter Anwahl wieder geladen werden. Grundsätzlich sollte alles geladene in einem Cache verbleiben, bis die Speicherkarte voll ist und das dürfte in Zeiten von 32, 64 und demnächst noch mehr GB lange dauern.
Grundsätzlich sollte alles Geladene im Cache verbleiben, bis das vom Nutzer eingestellte Limit erreicht ist, bzw. bis der Cache nach einem vom Nutzer festgelegten Zeitplan geleert wird.
die-physiker 08.10.2015
4. @phielo
Apple Produkte speichern nichts zwischen Beim Aufrufen des Browsers wird die Seite immer wieder neu geladen Android Geräte hingegen speichern unglaublich viel zwischen Ich kann mir Videos, welche ich mit der YouTube App geladen habe, auch später immer noch ansehen. Auch wenn ich in der Zwischenzeit 10 andere Videos angeschaut habe. Das Zwischenspeichern von allem sehe ich hingegen als nicht sinnvoll an. Die meisten Sachen, welche man einmal aufgerufen hat schaut man auch nicht häufiger an. Und auch mein 128 GB Speicher ist bald an seiner Belastungsgrenze. Ein paar Filme, ein bisschen Musik und ein paar Fotos und das Ding ist voll. So üppig ist das jetzt auch nicht.
roughneckgermany 08.10.2015
5.
Es ist an der Zeit, dass die Mobilfunkanbieter die Volumensperre aufheben. Es gibt zwar inzwischen zB etwas mehr Datenvolumen gratis ABER die "Drosselung" wurde auf 64 KB runter geschraubt. Das ist nicht zeitgemäß! Kulturelle Teilhabe (ein Grundrecht) wird so sehr erschwert. YouTube brauch ich gar nicht aufzurufen. Maximale Geschwindigkeit trotz LTE usw. meist 8kb ....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.