Online-Anzeigen Wie Postbank-Werbung auf eine Islamisten-Seite kam

Google hat erneut Ärger mit schlecht platzierter Onlinewerbung. Nach Recherchen eines Politikmagazins landeten Banner von Unternehmen wie Postbank, Fielmann und Deichmann auf Websites mit extremistischem Inhalt.
"Bayern, deine Zukunft": Beispiel für eine der problematischen Werbeplatzierungen

"Bayern, deine Zukunft": Beispiel für eine der problematischen Werbeplatzierungen

Foto: Report München

Der Brillenhersteller Fielmann, der Schuhhändler Deichmann und weitere deutsche Firmen werben auf Websites, die unter anderem dazu auffordern, "in den Dschihad zu ziehen" sowie "Ungläubige und Juden" zu vernichten. Das geht aus Recherchen des ARD-Politmagazins "report München" hervor. Betroffen ist demnach auch die Bayerische Staatsregierung, die online für ihr "Bürgergutachten 2030" wirbt.

Auf einer Seite, die Sicherheitsexperten dem indonesischen Terrornetzwerk Jemaah Islamiyah zuordnen, fanden die Reporter zum Beispiel Anzeigen der Postbank sowie der Reise-Portale Trivago und Booking.com.

Die mehr als 20 betroffenen Unternehmen und Institutionen hätten in allen recherchierten Fällen das Schalten ihrer Anzeigen in Publikationen mit extremistischen Inhalten vertraglich ausgeschlossen, heißt es. Ein Sprecher der Postbank sagte "report München", die Bannerschaltung sei "selbstverständlich nicht von der Postbank initiiert worden". Die Bayerische Staatskanzlei teilte auf Anfrage mit, es sei "absolut inakzeptabel, dass Anzeigen auf derartigen Seiten veröffentlicht werden".

Google kommentiert keine Einzelfälle

In den meisten Fällen war laut "report München" die Google-Tochter Google AdSense für die Platzierung der Webebanner verantwortlich. Sie verteilt weitgehend automatisiert und im Auftrag von Unternehmen Werbung an Millionen von Webseiten. Werden die Webseiten oder Banner angeklickt, fließt Geld - in der Regel an seriöse Webseiten-Betreiber, zum Teil offenbar aber auch an höchst dubiose.

Google teilte auf Anfrage von "report München" allgemein mit, man lasse "die Monetarisierung von gefährlichem oder abwertendem Content nicht zu". Konfrontiert mit dem Vorwurf, dass extremistische Websites Werbeanzeigen von Google erhalten, erklärte das Unternehmen: "Wir kommentieren keine einzelnen Webseiten, sondern setzen die Richtlinien mit Nachdruck durch und überprüfen regelmäßig Webseiten, um die Einhaltung der Richtlinien sicherzustellen."

Nicht der erste Ärger

Google hatte in der Vergangenheit schon öfter Probleme mit unpassend platzierten Anzeigen. Im Oktober 2015 zum Beispiel bemerkte SPIEGEL ONLINE, dass Spots unter anderem von Edeka, Henkel und der Aktion Mensch vor YouTube-Videos geschaltet wurden, in denen gegen Flüchtlinge gehetzt wurde. Auch damals zeigten sich die betroffenen Firmen von der Positionierung ihrer Clips überrascht, alle angefragten Unternehmen distanzierten sich von den Inhalten der Hetzvideos.

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YouTube: Werbung vor Hetze

Foto: YouTube

Gerade auf YouTube passierte es Google schon häufiger, dass das Unternehmen mit seltsamen Werbeplatzierungen Anzeigenkunden verärgerte. Zeitweise zogen zahlreiche große Anzeigenkunden ihre Anzeigen zurück, weil ihre Clips zum Beispiel auch vor terrorverherrlichenden Videos ausgespielt wurden. YouTube gelobte daraufhin Besserung, helfen soll unter anderem eine Anpassung der Monetarisierungsregeln der Plattform.

Werbekunden sollen auf YouTube künftig besser nachvollziehen können, was mit ihren Anzeigen passiert, kündigte Google Anfang 2018 an: "In den kommenden Monaten werden wir ein dreistufiges Kontrollsystem einführen, das Werbetreibenden erlaubt, die Anforderungen einer geeigneten Platzierung ihrer Marke widerzuspiegeln und die entsprechend mögliche Reichweite mitzubestimmen." Solche Nachbesserungen am System könnten nun auch jene Firmen fordern, die nicht auf der Videoplattform, sondern ganz klassisch im Web Anzeigenplätze gebucht hatten.

syd/mbö
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