Google+-Auftritt Chinesen fluten Obamas Internet-Pinnwand

Ihre Regierung verwehrt ihnen den Zugang zu vielen Internetforen, doch Barack Obamas Pinnwand bei Google+ ist offensichtlich nicht gesperrt: Hunderte Chinesen hinterlassen dort Nachrichten an den amerikanischen Präsidenten - humorvolle, kritische, aber auch verzweifelte.


Hamburg - Barack Obama rührt die Trommel für seine Wiederwahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Anfang vergangener Woche ließ er sich bei Google+ eine Seite einrichten. In China, wo das Internet zensiert wird, Seiten nicht erreichbar sind und Suchergebnisse frisiert werden, gibt es keinen Zugang zu Social-Media-Diensten wie Facebook oder Twitter - zu Obamas Google+-Seite allerdings schon. Bislang ist der Zugang zu dieser Seite nicht von der chinesischen Regierung blockiert worden. So laufen tagtäglich Nachrichten aus China für Präsident Obama ein, berichtet die BBC.

Die meisten klingen belanglos, manche fragen nach einem Aufkleber, mit dem Obama zu seiner Wiederwahl auffordert. Viele haben jedoch auch eine politische Botschaft: Einige User fordern die USA auf, China zu befreien, oder träumen von einem Leben in Amerika und fragen nach einer Greencard.

"Wir beneiden das amerikanische Volk für seine Demokratie und Freiheit", lautet ein Eintrag. Viele Leute hätten keine Ahnung, warum sich auf Obamas Google+-Seite so viele Chinesen zu Wort meldeten. "Wir sind keine barbarischen Leute, wir werden unterdrückt", schreibt ein User, andere fordern Obama direkt auf: "Komm und befreie uns!"

Die Nachrichten sind in chinesischen Schriftzeichen verfasst. Viele fordern die Freilassung von Dissidenten. Sie schreiben über den inhaftierten Menschenrechtler Liu Xiaobo, der wegen "Anstachelung zur Untergrabung der Staatsgewalt" verurteilt wurde, elf Jahre lang in Haft saß und für seinen "langen gewaltlosen Kampf" 2010 den Friedensnobelpreis bekam - trotz politischen Drucks aus Peking.

Die User schreiben auch von Chen Guangcheng, der derzeit unter Hausarrest, steht und rund um die Uhr bewacht wird. Einer rief den US-Präsidenten jedoch auch dazu auf, der Kommunistischen Partei Chinas beizutreten.

jjc



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