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12. Juli 2019, 16:13 Uhr

Streamripper-Seiten

Google blockiert Zugriff auf YouTube-Tonspuren

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Sogenannte Streamripper ziehen sich die Tonspuren aus YouTube-Videos und erstellen daraus MP3-Dateien. Doch Google kappt jetzt offenbar mehreren Anbietern den Zugang zur Videoplattform.

MP3-Dateien aus Musikvideos saugen, Kochclips auf das Tablet herunterladen und TV-Dokus auf dem Rechner speichern: Wer sich nicht damit zufrieden gibt, YouTube-Videos nur online anzuschauen, kann die Clips mit Hilfe von Sound- und Videokonvertern auch offline speichern. Doch Google schiebt den Anbietern offenbar verstärkt einen Riegel vor. Mehrere der Umwandlungsdienste haben keinen Zugriff mehr auf die Videoplattform.

Zu den gesperrten Diensten gehören unter anderem "YouTube MP3 Converter" und "OnlineVideoConverter". Video- und Tonspuren von YouTube-Clips können auf diesen Seiten über den Browser unter anderem in MP3- und MP4-Dateien umgewandelt und auf der Festplatte abgelegt werden. Während das mit Videos von Facebook und Vimeo in der Regel noch immer klappt, erscheint eine Fehlermeldung, wenn man es mit einem YouTube-Video versucht.

Unter anderem berichtete das Tech-Blog "Torrentfreak" über die Klagen mehrerer Streamripping-Anbieter, deren Verbindung zu YouTube in den vergangenen Tagen unterbrochen wurde.

"Wir wollen keinen Streit mit Google"

Auch die Plattform "DLNow Video Download" war zumindest über mehrere Stunden nicht erreichbar, nachdem der Zugang zu YouTube gekappt wurde. "DLNow Video Download" bietet Nutzern an, sowohl über ein Onlineformular als auch über eine kostenpflichtige Windows-Software die Tonspuren aus YouTube-Videos auszulesen.

Auf SPIEGEL-Anfrage teilte der Betreiber mit, dass Google ohne Vorwarnung den Zugang abgeschaltet habe. "Wir haben keine Benachrichtigung von YouTube erhalten, aber es scheint so, als hätten sie eine ganze Reihe von IP-Adressen gesperrt, wovon unsere Server und die einiger Mitbewerber betroffen sind."

Um die Sperre zu umgehen, habe man andere Server aktiviert, die nicht von der Blockade betroffen sind - daher der vorübergehende Ausfall. Wenn Google weiterhin die Zugänge abschalten sollte, will der Portalbetreiber aufgeben: "Wir wollen keinen Streit mit Google anzetteln und wir werden dieses Angebot einstellen, wenn sie weiterhin unsere Server blockieren."

Ein Google-Sprecher teilte dem SPIEGEL am Freitag mit, es sei nicht erlaubt, YouTube-Videos ohne ausdrückliche Zustimmung des Rechteinhabers herunterzuladen: "Sobald wir über ein rechtsverletzendes Tool oder einen Dienst informiert werden, der gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt, ergreifen wir Maßnahmen."

Die Musikindustrie macht Druck

Die Musikindustrie stört sich seit Jahren an den Streamrippern. Zwar waren "gerippte" MP3-Dateien schon zu CD-Zeiten im Umlauf. Doch nun müssen die Nutzer nicht einmal mehr einen Tonträger besitzen. Die Musik gibt es auf YouTube, Spotify und vielen anderen Portalen.

Bereits 2017 musste ein Streamripper-Portal den Betrieb nach einem Gerichtsverfahren einstellen. Und vor einigen Wochen traf es auf Druck der Musikindustrie die deutsche Seite "Convert2MP3", die jährlich knapp 700 Millionen Besucher zählte.

Doch auch wenn solche Download-Dienste immer wieder aus dem Netz verschwinden, an anderer Stelle tauchen neue auf. Rechtlich bewegen sich Nutzer mit den Downloads mindestens in einer Grauzone. Zwar gibt es im Urheberrechtsgesetz das Recht auf Privatkopie, doch das gilt nicht, wenn zur Vervielfältigung eines geschützten Werks "eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage" verwendet wird. Das kann auf YouTube durchaus der Fall sein.

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