Nach Wirbel um Sprachassistent Google Duplex gibt sich jetzt zu erkennen

"Hi, ich bin Googles automatischer Buchungsdienst": Die Software Duplex klingt wie ein Mensch und erledigt Reservierungen am Telefon. Beim Test mit Reportern zeigte Google nun eine wichtige Neuerung.
Google-Managerin Valerie Nygaard demonstriert ein Gespräch mit Google Duplex in Mountain View.

Google-Managerin Valerie Nygaard demonstriert ein Gespräch mit Google Duplex in Mountain View.

Foto: Marcio Jose Sanchez/ AP

Google Software Duplex war der große Knaller auf der Entwicklerkonferenz I/O im Mai. Das Unternehmen demonstrierte, wie Duplex telefonisch einen Frisörtermin buchte und in einem Restaurant einen Tisch bestellte - ohne, dass die Menschen am anderen Ende der Leitung zu bemerken schienen, dass sie mit einem Computer sprachen. Solche Demonstrationen verschwinden bei vielen Unternehmen nach der öffentlichkeitswirksamen Erstaufführung schnell wieder in der Schublade. Bei Google ist das anders.

In New York City und im kalifornischen Mountain View lud Google diese Woche mehrere US-Journalisten zum Ausprobieren von Duplex ein. Nebenbei wollte das Unternehmen klarstellen, dass es auf die Kritik nach der I/O reagiert hat.

Denn so beeindruckend Duplex damals aus technischer Sicht war, so fragwürdig erschien die Vorführung aus ethischer Sicht. Zu keinem Zeitpunkt hatte Duplex seinen Gesprächspartnern signalisiert, dass es ein Computerprogramm ist und das Gespräch für seinen Nutzer aufzeichnet.

Fragwürdiges Täuschungsmanöver

Im Gegenteil, mit dem einen oder anderen eingestreuten "hm" und "äh" sollte Duplex sogar besonders menschlich klingen. Google, so wirkte es auf Beobachter, hatte für den Applaus des Publikums riskiert, mit einem Täuschungsmanöver das Misstrauen von Menschen in technische Neuerungen zu vergrößern. Wenn Duplex sich in den Gesprächen zu erkennen gegeben haben sollte, hatte Google das für die I/O herausgeschnitten.

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Bei den neuen Tests in New York und Mountain View lief es anders. Jedes Gespräch der Reporter, die in die Rolle von Restaurantmitarbeitern schlüpften und Anrufe entgegen nahmen, begann Duplex mit den Sätzen "Hi, ich möchte einen Tisch reservieren. Ich bin Googles automatischer Buchungsdienst, ich nehme das Gespräch also auf."

So testeten die Reporter Duplex

Über die weiteren Verläufe der Gespräche waren die Journalisten unterschiedlicher Meinung. Ron Amadeo von "Ars Technica"  zeigte sich tief beeindruckt von Duplex. Die Software habe sich höflich ausgedrückt, Rückfragen verstanden, widersprüchliche Angaben bemerkt und eine Uhrzeit mit ihm ausgehandelt, nachdem er sagte, zur ursprünglich gewünschten Zeit sei kein Tisch mehr frei.

Die verschiedenen Stimmen der Software - männlich, weiblich, jung, näselnd - seien sehr überzeugend gewesen, obwohl sie noch nicht einmal alles beinhalteten, was Google tatsächlich könne. Die Technik wäre eigentlich auch in der Lage, zum Beispiel Atemgeräusche zu machen und damit noch natürlicher zu klingen. Nur wenn Duplex einen Namen buchstabierte oder eine Telefonnummer aufsagte, habe es roboterhaft geklungen. Und einige Stimmen hätten eher wie ein Teenager geklungen, der eine Pizza bestellt wie ein professioneller Assistent.

Auch Richard Nieva von "Cnet" fand die "Flexibilität der Software beeindruckend ". Nur einige Pausen seien vielleicht eine Millisekunde zu lang gewesen. Auf seine Versuche, neben der Reservierung auch ein Gespräch über Sport anzufangen, habe Duplex immer nur mit der Wiederholung seiner eigentlichen Aufgabe reagiert.

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Sonderwünsche bringen Duplex aus dem Konzept

Kurt Wagner von "Recode" war nicht ganz so begeistert . Er ließ Duplex wissen, es gebe für den gewünschten Tag keine freien Tische mehr, und nach einer Rückfrage leitete die Software ihn zu einem menschlichen Assistenten von Google weiter, um das Gespräch fortzusetzen.

Lauren Goode von "Wired" versuchte als Restaurantmitarbeiterin erfolgreich, Duplex aus dem Konzept zu bringen , mit Fragen nach Allergien und einem Stuhl für Kleinkinder zum Beispiel. Ein Mitarbeiter aus dem Google-Callcenter musste einspringen und das Gespräch zu Ende führen. Allerdings glaubte Goode zunächst, auch dabei mit einem Computer zu sprechen. Duplex hatte es also geschafft, auch sie selbst zu verwirren - die Reporterin konnte eine menschliche von einer synthetischen Stimme nicht mehr unterscheiden.

Nick Fox von Google und die Erkennungsfloskel von Duplex

Nick Fox von Google und die Erkennungsfloskel von Duplex

Foto: Marcio Jose Sanchez/ AP

Google-Manager Nick Fox sagte bei dem Termin in New York: "Wir sind noch ziemlich weit davon entfernt, Duplex als Produkt einzuführen." Die Software befinde sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. "Wir reden darüber viel früher, als wir normalerweise über ein Produkt reden."

Die nächste Stufe wird ein Test mit ausgewählten Google-Nutzern und Restaurants und Frisörsalons, irgendwann "in den kommenden Wochen". Was sich vorerst also nicht ändert, ist die Beschränkung auf diese zwei Szenarien. Eine künstliche Intelligenz von Google, die am Telefon lange, komplexe Gespräche über alle möglichen Themen führen kann, wird es in absehbarer Zeit nicht geben.

pbe