Google Earth Schatzsuche vom Schreibtischstuhl aus

Google Earth hat den Angehörigen zweier Vermisster endlich Gewissheit gegeben: Mit Hilfe einer Technik, die auf dem Weltatlas basiert, wurde nach zweieinhalb Jahren das Wrack ihres abgestürzten Flugzeuges gefunden. SPIEGEL ONLINE zeigt dieses und weitere Fundstücke aus Google Earth.
Von Carolin Neumann

Im September 2006 bestieg Marcy Randolph in Phoenix eine einmotorige Cessna für einen Sightseeing-Flug, von dem weder sie noch der Pilot William Westover zurückkehrten. Fotos aus der Luft wollte die damals 43-jährige Amerikanerin schießen, und es hat eine gewisse Ironie, dass jetzt Aufnahmen aus der Vogelperspektive dafür sorgten, dass das Flugzeugwrack nach zweieinhalb Jahren endlich gefunden wurde.

Ein Helfer, der auch an der Suchaktion nach dem abgestürzten Milliardär Steve Fossett im letzten Jahr teilgenommen hatte, fand das Bild eines Waldbrandes in der Gegend, wo das Flugzeug von Randolph vom Radar verschwunden war. Mit Hilfe von Google Earth konnten die Angehörigen der Vermissten schließlich die Stelle auf dem Foto genau lokalisieren.

Am letzten Samstag wanderten Randolphs Vater und eine Freundin der Familie von William Westover zu der Stelle und fanden das Wrack. Mittlerweile wurden die menschlichen Überreste der beiden Vermissten identifiziert. Obwohl es alles andere als ein Happy End für die Familien ist, betont Marcy Randolphs Vater seither in zahlreichen Medienberichten, er könne auf diese Weise zumindest mit der Sache abschließen.

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Suchaktion hatte ein auf Google Earth basierendes Suchsystem namens MARSI (Mapped Archive of Rescue & Search Information), das Randolphs Angehörige im Verlauf ihrer zweieinhalbjährigen Suche entwickelt und perfektioniert haben. Auf einer in diesem Zeitraum aufgesetzten Website  ist zu lesen, wie dank der Hinweise von Suchtrupps, aber vor allem mit Hilfe des Programms das Flugzeugwrack gefunden werden konnte. Laut Techcrunch  will das MAST (The Missing Aircraft Search Team), das auch an der Suche nach Fossetts Flugzeug beteiligt war, die von den Randolphs entwickelte Technik in Zukunft selbst für Suchen und Expeditionen nutzen.

Fundstücke von verlorenen Schätzen bis Atlantis

Der Fund der abgestürzten Cessna ist nicht die erste erstaunliche Entdeckung bei Google Earth. Es ist noch nicht lange her, da verkündete die britische Boulevardzeitung "The Sun" sogar, bei Google die versunkene Stadt Atlantis gefunden zu haben. Freilich wusste Google die Gerüchte um diese vermeintliche Mega-Entdeckung schnell zu zerstreuen.

Wie vielseitig die Entdeckungen von Hobby-Schatzsuchern oder Google-Earth-Fans beim willkürlichen Browsen durch den Online-Atlas sind, zeigt die Sammlung von SPIEGEL ONLINE.

Die kroatische Insel der Verliebten

Eine kleine unbewohnte Insel vor der kroatischen Küste gelangte pünktlich zum Valentinstag in diesem Jahr zu Berühmtheit. Per Google Earth war entdeckt worden, dass Galešnjak zwischen Zadar und der Insel Pasman beinahe eine perfekte Herzform hat. Seither wird das 130.000 Quadratmeter große Eiland auch Lovers' Island genannt, und die Eigentümer profitieren von dem plötzlichen Hype, indem sie Verliebten Bootstouren rund um die Insel anbieten.

Meteoritenkrater in West-Australien

Der reine Zufall war es, der Arthur Hickman zu einem Entdecker und Namensgeber machte: 2007 stieß er beim Browsen durch Google Earth auf einen Meteoritenkrater im westaustralischen Nirgendwo. Forscher bestätigten später den Fund des rund 260 Meter messenden Hickman Kraters, der vermutlich zwischen 10.000 und 100.000 Jahren alt ist.

Versunkener Schatz in Texas

Ein gesunkenes Schiff mit einem mächtigen Schatz an Bord will Nathan Smith aus Los Angeles per Google Earth ausfindig gemacht haben. In der Nähe der texanischen Hafenstadt Corpus Christi vermutet er das Wrack des spanischen Handelsschiffes Barquentine, das Gold im Wert von drei Milliarden US-Dollar geladen haben soll.

Kurzerhand machte sich der Musiker auf den Weg nach Texas - nur um festzustellen, dass sein mutmaßlicher Schatz auf dem Grundstück eines anderen liegt. Jetzt muss das Gericht entscheiden, wer einen Anspruch auf den Fund hat - und das, obwohl noch nicht einmal klar ist, ob es überhaupt einen Schatz zu bergen gibt.

Altertümliche Villa in Italien

Luca Mori schaute sich nichts ahnend seine italienische Heimatstadt Sorbolo von oben an. Von seinem Schreibtisch aus entdeckte er so dank Google Maps unterirdische Rückstände eines altertümlichen Flusses und per Google Earth etwas, das er als rechteckige Schatten beschrieb. Als Mori nach längeren eigenen Analysen schließlich professionelle Archäologen zu Rate zog, stellte sich heraus, dass es sich um Überreste einer romanischen Villa handelt.

Hanfplantage in der Schweiz

Hanfplantage im Libanon: Ein ähnlicher Fund gelang Schweizer Polizisten dank Google Earth

Hanfplantage im Libanon: Ein ähnlicher Fund gelang Schweizer Polizisten dank Google Earth

Foto: REUTERS

Spätestens aus Fernsehserien weiß man: Ohne ausreichende Verdachtsmomente gibt es keinen Durchsuchungsbefehl und ohne Durchsuchungsbefehl darf die Polizei sich keinen Zutritt verschaffen. Wie gut, dass es Google Earth gibt. Im Januar entdeckten Beamte der Schweizer Polizei dank der Satellitenbilder eine rund 7500 Quadratmeter große Hanfplantage inmitten eines Maisfeldes.  Die verantwortlichen Landwirte im Kanton Thurgau waren verdächtigt worden, in Drogengeschäfte verwickelt zu sein. Googles Weltatlas lieferte die notwendigen Hinweise für eine Durchsuchung.

Geheime chinesische U-Boot-Basis

Selbst Staatsgeheimnisse sind vor Google Earth nicht sicher. So zeigen die Satellitenaufnahmen der chinesischen Hafenstadt Dalian eine geheime U-Boot-Basis, die 2007 durch Google Earth zum ersten Mal entdeckt wurden. Auf dem Bild ist ein neues atomares U-Boot der Jin-Klasse zu sehen.

Unentdeckte Wälder in Mosambik

Es ist noch nicht allzu lange her, da war der Mount Mabu in Mosambik einer der letzten unerforschten Flecken auf dieser Erde. Dann wurden Forscher der Londoner Kew Gardens bei einer Google-Earth-Suche zufällig auf die bewaldeten Hänge aufmerksam und organisierten eine Expedition, auf der sie eine unglaubliche Vielzahl bislang unbekannter Tier- und Pflanzenarten entdeckten - alles dank der Satellitenbilder via Google.

Tausend Jahre alte Fischreuse in Wales

Von einem Flugzeug aus wurde eine eigenartige Unterwasser-Form am Ufer des walisischen Flusses Teifi gesichtet. Eine kurze Suche bei Google Earth und einen Tauchgang von Experten später war klar: Das 260 Meter lange Fundstück ist eine rund tausend Jahre alte Konstruktion aus Steinen für den Fischfang. 

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