Soziales Netzwerk Google+ gibt Klarnamenzwang auf

Wenige Klicks reichen ab sofort, um den Nutzernamen auf Google+ zu ändern: Was einfach klingt, ist das Ergebnis eines jahrelangen Kampfes. Ursprünglich wollte der Konzern Pseudonyme abschaffen und Mitglieder nur unter Klarnamen zulassen.

Google+-Logo: Klarnamenzwang aufgehoben
REUTERS

Google+-Logo: Klarnamenzwang aufgehoben


Google verzichtet auf den umstrittenen Klarnamenzwang auf Google+. Drei Jahre nachdem der Suchmaschinen- und Werberiese sein eigenes soziales Netzwerk gestartet hat, verabschieden sich die Verantwortlichen von der viel kritisierten Regelung.

Von nun an können Nutzer auf Google+ unter einem Pseudonym auftreten. In der Vergangenheit führte dies, wenn es von Google erkannt wurde, zum Rauswurf aus dem Netzwerk. Das Unternehmen teilte die Änderung am Dienstag mit. Dabei rechtfertigte Google die Restriktionen zum Start von Google+. So sei eine große Gemeinschaft "echter" Menschen entstanden.

Für einige Nutzer, die sich lieber unter einem Pseudonym angemeldet hätten, habe die Vorschrift zu "unnötig schwierigen Situationen" geführt, heißt es weiter. Dafür entschuldige man sich. Tatsächlich hatte der Zwang zu echten Namen einige Nutzer in arge Bedrängnis gebracht. Kurz nach dem Start des Netzwerks wurden echte Namen durchgesetzt und Accounts stillgelegt.

"Namensdienst für Menschen"

Die Säuberungsaktion und der Protest dagegen gingen als "Nymwars" in die Internetgeschichte ein. Schließlich erlaubte Google die Nutzung von Spitznamen, die aber immer noch eine Registrierung mit echten Namen voraussetzte. 2013 dann wurde die Nutzung von Google+ obligatorisch für alle, die bei YouTube einen Kommentar hinterlassen wollen. Hunderttausende protestierten gegen diesen Schritt.

Dass Pseudonyme für Aktivisten und die freie Meinungsäußerung in autoritären Regimen unerlässlich sein können, ficht den Konzern nicht an. Google-Manager Eric Schmidt erklärte nur, niemand sei gezwungen, die Dienste zu nutzen. Der einzige Weg, Gefahren im Netz zu begegnen, sei "echte Transparenz und keine Anonymität". Man brauche einen "Namensdienst für Menschen", Regierungen würden dies verlangen.

Im Januar 2014 kam es dann zum Debakel: Bei der Zusammenführung von SMS in den Google-Dienst Hangout auf Android-Handys wurden Nutzer von Google+ geoutet. Zu Pseudonymen gab es eine Verbindung zu den echten Namen - vor allem für Transgender, die ihre Identität vor bestimmten Menschen schützen wollten, ein großes Problem. "Unnötig schwierige Situation" ist noch eine Untertreibung.

meu/ore



insgesamt 7 Beiträge
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indy555 16.07.2014
1. Dann hab ich ja Glück gehabt
nie entdeckt zu werden. Ich verwende außer bei papierhaften Formularen für Bank und Staat NIE meinen Klarnamen.
fresigo 16.07.2014
2. lachhaft
Google braucht die Klarnamen nicht. Sie kriegen es durch Profilalgorythmen, Trackingscripte und andere Tricks eh raus, wer sich hinter welchem Pseudonym versteckt. Auch auf dieser SPON-Seite laufen 2 Google-Scripte im Hintergrund (neben Facebook, twitter u.a. Scripten)
charlie030 16.07.2014
3. G+ URL jedoch nicht änderbar. Na klasse!
Echt toll, dass Google die Klarnamenpflicht aufhebt. Nur was soll das bringen, wenn man die URL (in der ja noch der Klarname steht) nicht ändern kann. Von Google hätte ich erwartet, dass sie nicht nur halbe Sachen machen. Fazit: Die Änderung des Klarnamens ist für den Ar... Es bringt auch nichts sein G+ Account zu löschen und einen neuen anzulegen, da der Klarname unveränderbar mit der Mail-Adresse verknüpft ist.
neuronensalat 16.07.2014
4. Empfehlung: NoScript
Zitat von fresigoGoogle braucht die Klarnamen nicht. Sie kriegen es durch Profilalgorythmen, Trackingscripte und andere Tricks eh raus, wer sich hinter welchem Pseudonym versteckt. Auch auf dieser SPON-Seite laufen 2 Google-Scripte im Hintergrund (neben Facebook, twitter u.a. Scripten)
Deswegen nutze ich Spiegelonline nie ohne das Firefox-Addon "NoScript". Da sieht man erst einmal, von welchen (teils dubiosen) Domänen noch Skripte nachgeladen werden sollen. Außerdem erlaube ich generell keine Drittanbieter-Cookies und Cookies der Originalseite nur bei Nachfrage.
Benko 16.07.2014
5. Neue Mailadresse?
Zitat von charlie030Echt toll, dass Google die Klarnamenpflicht aufhebt. Nur was soll das bringen, wenn man die URL (in der ja noch der Klarname steht) nicht ändern kann. Von Google hätte ich erwartet, dass sie nicht nur halbe Sachen machen. Fazit: Die Änderung des Klarnamens ist für den Ar... Es bringt auch nichts sein G+ Account zu löschen und einen neuen anzulegen, da der Klarname unveränderbar mit der Mail-Adresse verknüpft ist.
Was halten Sie von dieser unglaublichen Idee?
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