Protest-Projekt Neue Software blockt W-Lan für Google-Brille

Ein Berliner Entwickler übt Kritik an Googles Datenbrille. Damit deren Träger nicht überall unbemerkt Bilder machen und sie gleich ins Netz stellen können, hat er ein Programm geschrieben. Das wirft Google-Brillen in der Nähe einfach aus dem Netz.
Google Glass: Ein kleines Programm wirft die Brillen aus dem W-Lan

Google Glass: Ein kleines Programm wirft die Brillen aus dem W-Lan

Foto: Seth Wenig/ AP/dpa

Googles Datenbrille Glass entwickelt sich für den Konzern zunehmend zu einem PR-Desaster. Die Glass-Träger werden nicht als coole Nerds betrachtet, sondern jetzt sogar als "Glassholes", ein Wortspiel aus Produktname und Schimpfwort. Schon im März haben die ersten Kneipen selbst im Silicon Valley die Brille verboten. Der Entwickler Julian Oliver hat nun ein kleines Computerprogramm namens "Don't be a Glasshole" geschrieben, das nur eine einzige Funktion beherrscht - es soll Google-Glass-Brillen aus dem W-Lan werfen.

Dazu überprüft das Linux-Skript alle 30 Sekunden, ob sich im Netzwerk ein entsprechendes Gerät angemeldet hat. Entdeckt das Skript eines dieser über ihre Mac-Adressen zu identifizierenden Geräte, wird der Fund mit einem Piepton angezeigt - und fliegt aus dem Netzwerk .

Das Progrämmchen läuft auf Kleinstcomputern wie BeagleBone oder Raspberry Pi. Über USB an den Rechner gehängt, verwandeln sie sich in Google-Glass-Sniffer. Gegenüber "Wired" berichtete Oliver, die Idee zu seiner Entwicklung sei ihm gekommen, nachdem ein befreundeter Künstler erzählt habe, wie sich Ausstellungsgäste durch Besucher mit Glass-Brillen gestört gefühlt hätten. Am meisten habe irritiert, dass von außen nicht zu erkennen gewesen sei, ob die Besucher mit Datenbrillen die Arbeit des Künstlers gerade fotografieren, filmen oder live-streamen würden.

Datenschutzfragen würden erst zu spät gestellt

"Es ist kein Problem, im Restaurant oder auf einer Party zu sagen 'Ich möchte nicht gefilmt werden '", so Oliver. "Aber was machen Sie, wenn Sie gar keine Ahnung haben, dass irgendwo ein Aufnahmegerät läuft?"

"Don't be a Glasshole" hat nicht den Anspruch eines vollständig funktionierenden Sicherheitsprogramms, es scheint eher zur Demonstration eines Problems zu dienen. "Heise" hat sich das Skript näher angesehen, in einem Kurztest habe es nur bei Glass-Brillen der ersten Generation funktioniert. Bei den seit Oktober 2013 verkauften Geräten der zweiten Baureihe, die eine geringfügig veränderte MAC-Adresse besitzen, versage es seinen Dienst. Die erforderliche Anpassung des Skripts sei aber ohne Schwierigkeiten zu bewerkstelligen .

Für den in Berlin ansässigen Neuseeländer Oliver zeichnet sich in Sachen Google Glass eine ähnliche Entwicklung ab, wie sie in Deutschland bei Googles Panoramafotodienst Street View beobachtet werden konnte. Hier wie dort verletze der Konzern alle Regeln des Datenschutzes und stelle sich entsprechende Fragen erst später.

meu