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19. Mai 2017, 12:52 Uhr

Virtual-Reality-Gadget

Googles nächste Brille wird kein Schnäppchen

Aus Mountain View berichtet

Google arbeitet weiter daran, Virtual Reality zum Massenmedium zu machen. Eine neue Brille, ohne Kabel und ohne eingesetztes Smartphone, soll es möglich machen. Günstig wird sie aber nicht.

Als Google am Mittwochabend eine eigenständig lauffähige Virtual-Reality-Brille (VR) ankündigte, war die Begeisterung groß. Immerhin hat der Konzern den Zugang zu VR-Apps mit seinem Project Cardboard für fast jedermann erschwinglich gemacht. Das Nebenbei-Projekt einiger Google-Ingenieure setzt darauf, ein Smartphone als Computer und Bildschirm zu benutzen. Das Gehäuse wird samt Linsen als Bausatz aus Pappe geliefert. Kosten: ab einem Euro.

Vergangenes Jahr stellte Google dann die Weiterentwicklung vor, Daydream View. Ein besseres Brillengehäuse mit besseren Linsen soll dabei zusammen mit High-End-Smartphones für ein besseres Erlebnis sorgen als bei der Pappversion. Verglichen mit den leistungsstärkeren PC-Brillen wie der Oculus Rift und HTC Vive ist der Preis von rund 95 Euro immer noch günstig. Allerdings braucht man ein High-End-Smartphone, damit Daydream View funktioniert.

Die jetzige Ankündigung einer autonomen VR-Brille ließ Fans der Technologie deshalb frohlocken - erst recht, weil der Konzern Wunderdinge für sein Konzept verspricht. Im Gegensatz zu Vive und Rift soll sich Googles Brille ganz ohne im Raum installierte Hilfsgeräte wie Sensoren orientieren können. Anders als die Konkurrenzgeräte könnte man sie daher mitnehmen, sich irgendwo hinstellen und VR-Spiele spielen - und sei es in einem Campingzelt.

Begrenzte Freiheit

Möglich wird das, erklärt Googles VR-Chef Clay Bavor, vor allem durch zwei an der Brille angebrachte Kameras. Die erfassen den Raum und setzen dessen Daten in die virtuelle Realität um. Weitere Sensoren, die etwa Geschwindigkeit und Beschleunigung messen, helfen dabei. World Sense nennt Google diese Technologie. Da die Brille zudem kabellos arbeitet, kann man sich frei bewegen.

Grenzenlos werden die meisten VR-Apps trotzdem nicht sein. Vielmehr werden die App-Entwickler bestimmte Grenzen für ihre VR-Welt definieren. Kommt man denen nahe, wird das durch ein Verblassen der Umgebung angezeigt.

Die kabellose Technik hat aber einen Nachteil: Die Zeit, die man in der virtuellen Welt verbringen kann, wird durch die Akkulaufzeit begrenzt. Noch sei es aber zu früh, zu spekulieren, wie lange die sein wird, sagt Clay Bavor.

Kein Schnäppchen

Ohnehin entwickelt Google nur ein Referenzmodell, also eine Art Blaupause, die andere Firmen als Vorlage für eigene Modelle verwenden können. Lenovo und HTC arbeiten bereits an solchen Geräten. Die müssen allerdings teure Hardware enthalten, um Googles Vorgaben zu entsprechen. Unter anderem gehören ein sehr schneller Smartphone-Prozessor und ein für VR geeignetes, hochauflösendes Display dazu.

Eben wegen dieser hohen Ansprüche werden die Hoffnungen auf eine billige VR-Brille durch das neue Google-System sicher nicht erfüllt. Der Preis der Geräte werde "etwa im Bereich gängiger PC-Brillen" liegen, erklärt Clay Bavor, also zwischen 500 und 900 Euro. Damit wäre die Google-Brille nicht gerade ein Schnäppchen.

Bildqualität, fast wie im Kino

Allerdings soll sie einige Vorteile bieten, wenn sie in einigen Monaten fertig ist. Gegenüber Smartphone-Brillen etwa eine günstigere Gewichtsverteilung. Das Smartphone übt bei VR-Brillen wie der Daydream View Druck auf Nase und Gesicht aus, das lässt ein Ungleichgewicht entstehen. Autonome Brillen könnten besser ausbalanciert sein, sagt Bavor. Dadurch würden sie subjektiv leichter erscheinen.

Vor allem aber verspricht Google eine extrem gute grafische Qualität. Unter dem Projektnamen "Seurat" arbeitet der Konzern an einer Technik, die den Aufwand für die Berechnung hochauflösender Grafik extrem reduzieren soll. Als Beispiel wird auf der Google I/O auf einem Prototyp der neuen Brille eine Szene aus dem Kinofilm "Rogue One" gezeigt, in der man sich frei bewegen kann.

Wenn all das klappt, was Google sich für seinen neuen VR-Technik vorgenommen hat, wird es interessant. Billig werden die dann von Lenovo und HTC hergestellten Brillen nicht sein, pragmatisch gerechnet aber wohl doch günstiger als die aktuellen PC-basierten Systeme. Denn einen leistungsfähigen - und deshalb teuren - PC, kann man sich dabei sparen. Das könnte die Einstiegshürde für viele VR-Interessenten senken, die bei den aktuellen Angeboten noch zögern, weil man für ein hochwertiges VR-System samt Brille eben doch schnell 2000 Euro ausgibt.

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