Google Maps Online-Kampf um Syriens Straßennamen

Unter syrischen Internetnutzern ist ein kurioser Kampf um Straßen- und Ortsnamen auf Online-Kartendiensten entbrannt: Eine Kampagne des syrischen Widerstands versucht, die Namen des Assad-Regimes mit Zeichen der Revolution zu überschreiben.
Google-Tool Map Maper: Online-Protest gegen Assad

Google-Tool Map Maper: Online-Protest gegen Assad

Anhänger der syrischen Widerstandsbewegung gegen Machthaber Baschar al-Assad versuchen seit Wochen, Google Maps und Konsorten Namensänderungen unterzujubeln, berichtet das "Ogle Earth"-Blog . Damit wollen die Widerstandskämpfer vom Assad-Regime vorgenommenen Namensänderungen rückgängig machen.

Die Umbenennungen gelingen, weil Google und andere Kartendienste zum Teil automatisiert die Hinweise von Nutzern einpflegen. Die können den Anbietern etwa beim Erfassen neuer Straßen und Gebäude helfen, erklärt "Ogle Earth" und dokumentiert das Hin-und-Her bei Namensvorschlägen vom Google-Maps-Werkzeug Map Maker . Mit Map Maker können Google-Nutzer Kartenvorschläge einreichen, die Google-Mitarbeiter sichten und gegebenenfalls in die öffentlichen Karten übernehmen.

Nur zwei von vielen Beispielen für eine erfolgreiche Veränderung: So wurde in der syrischen Stadt Latakia aus der "Straße des 8. März", die einem Militärputsch der syrischen Baath-Regierung 1963 gedenkt, bei Google Earth die "Straße des 15. März", dem Tag, an dem die Proteste gegen al-Assad entbrannten. In Damaskus hieß eine Brücke, die zuvor nach dem ehemaligen Präsident Hafiz Assad benannt war, plötzlich Ibrahim-Kaschusch-Brücke. Kaschusch war die ermordete "Stimme des syrischen Widerstands" .

Weil Konterrevolutionäre die Änderungen überschreiben, herrscht ein "edit war", ein Wettrennen um Änderungen für oder wider die Widerstandsbewegung. Wer das in Gang gesetzt hat, ist bislang nicht zu erfahren. Der "Washington Post" sagte der im Exil lebende Oppositionelle Rami Nakhle , das Ganze habe "vor ein paar Monaten" bei Facebook begonnen und dann auch schnell die Aufmerksamkeit der syrischen Regierung auf sich gezogen.

Die versuchte, den Onlineprotest zu beenden - und verstieg sich in Verschwörungstheorien. Google, beschwerte sich sogar Syriens Uno-Botschafter Baschar Dschaafari, mische sich in die syrische Innenpolitik ein. Die Umbenennung von Straßen- und Ortsnamen sei eine "ungeheuerliche Verletzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen und des Beschlusses der Arabischen Liga betreffend der Standardisierung der geografischen Bezeichnungen". Ein syrischer Google-Mitarbeiter - so Gerüchte - habe die Änderungen durchgewunken .

Google wollte gegenüber der "Washington Post" zu dem Vorgang im Detail keine Stellung nehmen, verwies aber darauf, dass für die Karten "verbindlicher Quellen" angezapft würden: "öffentliche und staatliche Datenanbieter, Nutzerhinweise und Bildreferenzen".

Zumindest für die Bildreferenzen könnte Google demnächst in Syrien tatsächlich Hinweise für die revolutionären Straßennamensgebung finden: Der syrische Widerstand überklebt und überschreibt längst Straßenschilder mit ihren Vorschlägen. Vielleicht fotografieren Googles Street-View-Autos sie ja dereinst ab.

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