Netzneutralität Google, Microsoft und Facebook zahlen für US-Bandbreite

Was die Telekom in Deutschland seit Jahren fordert, ist in den USA längst üblich: Google, Facebook und Microsoft zahlen dafür, dass ihre Daten schnell durchgeschleust werden. Kritiker sehen die Netzneutralität in Gefahr.

Beschriftete Netzkwerkkabel (Symbolbild): Netzriesen zahlen für Bandbreite
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Beschriftete Netzkwerkkabel (Symbolbild): Netzriesen zahlen für Bandbreite


Der Datenverkehr im Netz nimmt täglich zu. Und damit auch die Schlacht um die Bandbreite im Internet. Worum Telefonanbieter wie die Telekom in Deutschland seit Jahren kämpfen, ist in den USA längst üblich: Die großen Internetkonzerne wie Google, Microsoft und Facebook überweisen Geld an Netzbetreiber, damit ihre Daten schneller durchgeschleust werden. Das berichtet das "Wall Street Journal". Damit wollen die Unternehmen verhindern, dass die eigenen Kunden mit langen Ladezeiten verärgert werden.

Vor allem Videoportale wie die Google-Plattform YouTube sind davon abhängig, dass die Daten möglichst zügig beim Zuschauer ankommen. Nur so werden die Videos flott geladen und ruckelfrei abgespielt. Dennoch wehren sich einige Portale gegen die Abgabe. Das Videostreaming-Portal Netflix will sich keine Spezialbehandlung bei Telefonanbietern erkaufen. Dem Bericht zufolge will Netflix keinen Präzedenzfall schaffen. Obwohl mehrere Kabelnetzbetreiber und Telefonkonzerne dem Konzern wohl ein Angebot gemacht haben sollen.

Die Beträge an die Provider sind offenbar aber noch recht niedrig. Der Kabelnetzbetreiber Comcast verdient demnach etwa 25 bis 30 Millionen Dollar im Jahr an den Abgaben, die Internetkonzerne für eine schnellere Übertragung zahlen. Das sind weniger als 0,1 Prozent des Umsatzes. Bei Time Warner Cable seien es mehrere zehn Millionen Dollar im Jahr. Beide Unternehmen schätzen die Abgaben nicht als großes Geschäftsmodell ein.

In Deutschland fordert die Telekom seit Jahren, dass sich die großen Internetunternehmen an den Kosten für Netzaufbau und Infrastruktur beteiligen. Doch Kritiker befürchten, dass die Netzneutralität unter diesem Modell leidet - und nicht mehr alle Daten unabhängig vom Absender gleich schnell ans Ziel gebracht werden. Netzaktivisten kritisieren, dass darunter vor allem die weniger zahlungskräftigen Unternehmen leiden würden, sollten manche Dienste bevorzugt werden.

Derzeit erntet die Telekom neben den Drosselplänen beim Endverbraucher vor allem Kritik für die Pläne zum Zwei-Klassen-Internet. Denn über einen Umweg will die Telekom die Internetanbieter zum Zahlen bringen. Der Telekom-Dienst Entertain wird dem Datenvolumen nicht angerechnet. Anbieter von Internetdiensten sollen sich in das als sogenannter Managed Service auf die gleiche Weise einkaufen können. Für einen gewissen Betrag ist so garantiert, dass der Dienst auch am Monatsende noch bei den Nutzern verfügbar ist.


jbr



insgesamt 6 Beiträge
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derdingens 21.06.2013
1. doppelte Zahlung
Das entspricht einer doppelten beazhlung einer Leistung, ist also nicht gerechtfertigt. Erst zahlt der Endkunde mit seiner Flatrate dafür Daten ziehen zu könne, dann der Anbieter noch einmal um die selben Daten zustellen zu dürfen ...
Thoddy 21.06.2013
2.
Zitat von derdingensDas entspricht einer doppelten beazhlung einer Leistung, ist also nicht gerechtfertigt. Erst zahlt der Endkunde mit seiner Flatrate dafür Daten ziehen zu könne, dann der Anbieter noch einmal um die selben Daten zustellen zu dürfen ...
Wenn man sich die Welt so einfach macht... ja dann wäre das wohl doppelt. Was aber, wenn jeder nur den seinen Anteil zahlt? Ich kann das nicht belegen, Sie das Gegenteil aber auch nicht. Außerdem gehört in der Regel auch der Anschluss und andere Dienstleistungen dazu, Flatrate pur gibt es kaum. Ein wenig genauer muss man das wohl doch anschauen, bevor man so einfache Behauptungen wie "doppelt bezahlt" raushaut.
susuki 21.06.2013
3. na...
Mal schauen ob Bürgernetze aufgespannt werden müssen oder Politiker rechtzeitig reagieren.
knowit 21.06.2013
4. Wie schon oft von verschiedenen Foristen geschrieben,
ist der Ausdruck "Bandbreite" in diesem Zusmmanehang völlig falsch. Bandbreite bezeichnet einen übertragbaren Frequenzbereich. Worüber im Artikel geschrieben wird, wird als Übertragungs- oder Transferrate bezeichnet.
backslash0 21.06.2013
5. Damit ist die Netzneutralität nicht nur gefährdet,
sondern teilweise schon außer Kraft gesetzt. In den USA ist nur die letzte Meile geschützt. Wenn unsere Politiker nicht endlich aufwachen werden kleinere Unternehmen, Start-Ups und vor allem die Verbraucher dafür bezahlen - das Internet wie es noch heute ist wird es dann nicht mehr geben.
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