Internes Schreiben Google-Mitarbeiterinnen sehen sich nach Protesten abgestraft

Weltweit haben Google-Mitarbeiter gegen sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz demonstriert. Zwei Organisatorinnen der Proteste geben nun an, vom Unternehmen dafür bestraft zu werden. Google dementiert die Vorwürfe.

Google-Mitarbeiter beim Streik am 1. November in San Francisco
AP

Google-Mitarbeiter beim Streik am 1. November in San Francisco


Die Google-Mitarbeiterinnen Meredith Whittaker und Claire Stapleton haben im November dabei geholfen, Proteste gegen sexuelle Belästigung innerhalb des Google-Konzerns zu organisieren. In einer internen E-Mail an ihre Kollegen beklagen sie nun, dafür vom Unternehmen abgestraft worden zu sein. Das berichten unter anderem der britische "Guardian" und die US-amerikanische "Wired" übereinstimmend.

Zahlreiche Google-Mitarbeiter hatten am 1. November vorübergehend ihren Arbeitsplatz verlassen, um gegen sexuelle Übergriffe im Job und Googles Umgang mit derartigen Fällen zu protestieren. Zuvor war bekannt geworden, dass Google 48 Mitarbeiter wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung entlassen hat, darunter 13 Manager.

Für besonderes Aufsehen sorgte damals der Fall des Android-Erfinders Andy Rubin, dem trotz eines entsprechenden Vorwurfs gegen ihn angeblich 90 Millionen Dollar Abfindung zugesagt wurden. Nach der Protestaktion der Mitarbeiter versprach Google-Chef Sundar Pichai Maßnahmen gegen sexuelle Übergriffe, er habe die Wut und den Frust in der Firma erkannt.

In dem aktuellen internen Schreiben, das die "Wired" komplett veröffentlicht hat, heißt es nun jedoch, Google räche sich an den Organisatoren der Proteste, unter anderem an Whittaker und Stapleton. Whittakers Aufgabe im Haus solle sich demnach entscheidend verändern, nachdem Google seinen KI-Ethikrat wieder aufgelöst habe. Sie müsse ihre bisherige Arbeit rund um das Thema Künstliche Intelligenz und Ethik aufgeben.

Stapleton schreibt, sie sei degradiert und von bestimmten Arbeiten entbunden worden. Zudem sei ihr nahegelegt worden, sich aus gesundheitlichen Gründen freistellen zu lassen, "obwohl ich nicht krank bin".

Es gebe in der Firma eine Kultur der Vergeltung - die nicht immer offensichtlich sein müsse, heißt es weiter in dem Schreiben. Deshalb bitten die beiden ihre Kollegen darum, mögliche weitere Fälle zu nennen und laden die Mitarbeiter zu einer Versammlung am Freitag ein.

Google selbst sagte gegenüber der "Wired", die Firma verbiete jegliche Vergeltungsaktionen am Arbeitsplatz und untersuche alle entsprechenden Vorwürfe. Mitarbeiter bekämen allerdings regelmäßig neue Aufgaben oder würden anders eingesetzt. "Hier lag keine Vergeltung vor", so ein Unternehmenssprecher.

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Europa! 23.04.2019
1. Don't be evil
Google ist eine der größten Errungenschaften der Menschheit. Und das gilt auch für Android. Dass 48 Manager entlassen wurden, zeigt mehr als deutlich, dass man dort auch die Interessen der Mitarbeiterinnen sehr ernst nimmt. Aber Querulant*innen gibt es halt überall. Im Bereich der Sexualität sind sie besonders schädlich.
Nonvaio01 23.04.2019
2. US Firmen sind alle gleich
ich habe schon fuer verschiedene Firmen gearbeitet, und die sind alle gleich. Man hat einen Code of Ethik, der aber nur dazu da ist um die Firma zu schuetzten, nicht den Mitarbeiter. Das HR (human recourse) der name sagt schon alles, ist auch nur dazu da um die Firma zu schuetzten, nicht den angestellten. Die Firmen Handbuecher mit den process und procedures, ist nur dazu da um die Firma zu schuetzten, nicht die angestellten. Wer sich auf dieses beruft um gegen die Firma vorzugehen oder um missstaende anzuklagen, hat ein schweres leben in der Firma. Da speche ich aus erfahrung.
mark.muc 23.04.2019
3. @1
Google eine größten Errungenschaften der Menscheit? Goggle ist ein gigantischer kommerzieller Erfolg. Das stimmt. Ansonsten fällt es mir schwer darin viel positives zu sehen. Der Suchalgorirhmus enthält keine bahnbrechende Mathematik. Die Server verbrauchen Unmengen Energie. Die Nutzer verlassen Ihre Verdummungsblase nicht.
dummzeuch 23.04.2019
4. @marc.muc
> Google eine größten Errungenschaften der Menscheit? [...] Der Suchalgorirhmus enthält keine bahnbrechende Mathematik. Die Server verbrauchen Unmengen Energie. Die Nutzer verlassen Ihre Verdummungsblase nicht. < Und Sie benutzen beim Surfen im Internet keine Suchmaschine? Wie finden Sie denn dann Inhalte, die sie interessieren? Vermutlich sind Sie zu jung, um sich an die Zeit vor Google zu erinnern. Ich erinnere mich daran, um wieviel besser Google war als alles, was es vorher gab. Selbst heute ist der Unterschied zu anderen Suchmaschinen noch deutlich zu sehen, wenn auch Google leider immer häufiger versucht zu erraten, was man sucht, statt einfach nach den Stichworten zu suchen, die man angibt.
g2000 23.04.2019
5. war google nicht das Unternehmen
das einen Mitarbeiter entlassen hat, weil er google Manifest geschrieben hat? Er hatte fundiert, unterlegt mit Studien, seine Meinung geäußert.
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