Internetzugang aus der Luft Google-Mutter Alphabet gibt Ballonprojekt Loon auf

Wie lassen sich dünn besiedelte Regionen ans Netz anbinden? Googles Zukunftslabor setzte auf Ballons. Nach acht Jahren ist das Projekt zurück auf dem Boden der Tatsachen.
Loon-Ballon auf einer Google-Entwicklerkonferenz: Das Projekt wurde 2013 vorgestellt

Loon-Ballon auf einer Google-Entwicklerkonferenz: Das Projekt wurde 2013 vorgestellt

Foto: Stephen Lam / REUTERS

Der Google-Mutterkonzern Alphabet beendet seinen Versuch, entlegene Regionen mithilfe von Ballons mit schnellem Internet zu versorgen. Die dafür gegründete Tochterfirma Loon wird geschlossen. »Wir haben keinen Weg gefunden, die Kosten so weit zu senken, dass ein langfristig nachhaltiges Geschäft möglich wird«, schrieb Loon-Chef Alastair Westgarth am Freitag in einem Blogeintrag .

Google hatte die großen Ballons, die wochenlang in der Luft bleiben können, im Jahr 2013 vorgestellt. Die Idee war, dass entlegene und dünn besiedelte Gegenden sich auf diese Weise günstiger mit Internet versorgen lassen könnten als mit herkömmlicher Telekommunikations-Infrastruktur. Zwischenzeitlich experimentieren Google und Facebook zu diesem Zweck auch mit Drohnen, beide gaben diese Pläne aber relativ schnell auf.

Bei den Ballons sah Google dagegen Geschäftspotenzial. Unter dem Dach der später geschaffenen Konzernmutter Alphabet wurde das Projekt 2018 in die eigenständige Firma Loon eingebracht. Erst im vergangenen Jahr startete Loon in Kooperation mit einem lokalen Netzbetreiber die Versorgung einer Region in Kenia.

Ein eingestelltes, aber erfolgreiches Experiment?

Loon musste enorme technische Herausforderungen überwinden: Die Ballons schweben umher und übermitteln Daten untereinander. Doch am Ende war es offenbar noch schwieriger, ein Geschäftsmodell aufzubauen. Internetzugänge wurden in den vergangenen Jahren in immer mehr Regionen verfügbar – und in den verbliebenen sind sie für viele Einwohner zu teuer oder uninteressant.

Er sei zu dem Schluss gekommen, dass Loon nie einen Beitrag zu den Gewinnen des Konzerns leisten werde, sagte der Chef des Alphabet-Innovationslabors X, Astro Teller, dem Magazin »Wired« . Loon sieht er trotzdem als »erfolgreiches Experiment«: »Wahres Versagen ist, wenn dir Daten zeigen, dass du nicht das Richtige machst – und du trotzdem weitermachst.«

Alphabet lässt sich Zukunftswetten wie Loon Jahr für Jahr Milliarden kosten, während das Google-Kerngeschäft mit Onlinewerbung nach wie vor das Geld dafür liefert. Zugleich verspricht der Konzern den Anlegern immer wieder Disziplin bei den Ausgaben. Das bisher bekannteste Innovationsprojekt ist die Roboterwagen-Firma Waymo, die als ein führender Player beim autonomen Fahren gilt und auch externe Investoren anlockte.

Mehrere Dutzend Loon-Ballons befinden sich derzeit noch in der Luft. Sie werden voraussichtlich im Laufe der kommenden neun Monate zur Erde sinken und sollen dann eingesammelt werden.

mbö/dpa
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