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Android: So funktioniert Google Pay

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Bezahldienst Google Pay startet zaghaft in Deutschland

Kontaktloses Bezahlen mit Google Pay ist simpel und laut Google auch datenschutzfreundlich. Von sofort an können auch deutsche Android-Nutzer das ausprobieren - wenn sie ein Konto bei bestimmten Banken haben.

Google wollte einfach nicht noch länger warten. Seit dem heutigen Dienstag kann man die App Google Pay auch aus dem deutschen Play Store herunterladen. In 18 anderen Ländern geht das schon länger.

Die App ermöglicht in Geschäften, auf Websites und in Apps sowie in Google-Produkten das kontaktlose Bezahlen per Android-Smartphone oder Smartwatch. Es ist ein simpler, zeit- und nervensparender Vorgang. Jedenfalls sofern einige Voraussetzungen erfüllt sind. Man könnte auch sagen: Wenn erst einmal einige Hindernisse überwunden sind.

Nutzer, die in Geschäften mit Google Pay bezahlen wollen, brauchen nämlich

  • ein Android-Smartphone mit der Betriebssystemversion 5.0 (alias Lollipop) oder neuer,
  • eine Kredit- oder Debitkarte,
  • ein Konto bei einer von zunächst nur vier Banken - der Commerzbank, comdirect, N26 oder Wirecard,
  • und einen Händler, der Google Pay akzeptiert.

Die Android-Version dürfte keine hohe Hürde darstellen. Lollipop ist mittlerweile dreieinhalb Jahre alt. Noch ältere Versionen sind kaum noch in Gebrauch . Eine Kreditkarte zu bekommen, ist heutzutage auch kein großes Problem mehr.

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Android: So funktioniert Google Pay

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Die Akzeptanz auf Händlerseite ist ausbaufähig. Zu den ersten, die Google Pay unterstützen, gehören Aldi Süd, Lidl, Kaufland, Hornbach, MediaMarkt und Saturn sowie McDonald's. Erkennbar sind die entsprechenden Geschäfte an einem NFC-Symbol an ihren Kartenscannern.

Auch in den Apps von Deliveroo, Flixbus, Ryanair, Adidas und bald auch der App der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) funktioniert Google Pay. Diverse Kaffeeketten, Restaurants, Bars, Nahverkehrsanbieter, Supermärkte und andere Händler fehlen aber noch. Wer mal versucht hat, in Berlin ohne Bargeld essen und trinken zu gehen, weiß, dass elektronisches Bezahlen hierzulande alles andere als selbstverständlich ist.

Das für den Moment größte Problem dürfte aber die Zahl der teilnehmenden Banken sein. Zwar sollen mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und Revolut demnächst zwei weitere hinzukommen. Aber ohne die Sparkassen und die anderen großen Banken kann Google sein Bezahlsystem vielen deutschen Nutzern schlicht nicht anbieten.

Google Pay wird Teil des Google-Kontos

Das Unternehmen lädt zwar alle Banken und Sparkassen ein, Teil des Google-Pay-Ökosystems zu werden. Die müssen dafür auch keine Gebühren an Google zahlen. Dennoch sträuben sich viele Geldhäuser seit Jahren, die Systeme von Google und Apple in Deutschland zu unterstützen. Lieber bieten sie eigene Lösungen an, die bislang aber als weitgehend gescheitert angesehen werden müssen.

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Smartphone-Bezahlsysteme haben nur eine Chance, wenn eine verbindende Plattform dahintersteht. Eine einzelne Bank und selbst ein Telekommunikationsanbieter wie die Deutsche Telekom ist dafür zu klein. Ein Betriebssystem wie Android mit einem Marktanteil von - je nach Erhebung - 65 bis gut 80 Prozent, wäre groß genug. Zumal viele Google-Konten, in die Google Pay integriert wird, ohnehin schon mit Kreditkartendaten verknüpft sind, etwa für Zahlungen im Play Store. Aber selbst eine so große Plattform braucht möglichst viele Banken.

Bei Onlinekäufen entfällt die höchste Hürde

Für Google sind offenbar trotzdem die Voraussetzungen erfüllt, um es jetzt in Deutschland zu versuchen: Die technische Infrastruktur in Form von NFC-fähigen Kassenterminals ist ausreichend weit verbreitet, die App ist in Sekundenschnelle eingerichtet und der Bezahlvorgang denkbar einfach.

Nutzer müssen das Smartphone bei Zahlungen unter 25 Euro nicht einmal entsperren, sondern nur ans Terminal halten, bis ein Häkchen auf dem Display signalisiert, dass die Zahlung erfolgt ist. Bei Zahlungen über 25 Euro muss man das Gerät entsperren und die App öffnen, um zu zeigen, dass man der rechtmäßige Nutzer ist. Die Quittung mit vielen Angaben einschließlich des Standorts ist in der App zu sehen.

Außerdem funktioniert Google Pay auch online - im Chrome-Browser auf vielen Websites, im Play Store, in YouTube Premium sowie im Google Assistant. Entscheidender Vorteil gegenüber dem stationären Handel: Es wird die mit dem Google-Konto verknüpfte Kreditkarte belastet, egal, von welcher Bank sie ausgestellt wurde.

Deutschland ist Bargeldland

Was Google aber neben der Unterstützung durch die Banken braucht, ist eine wachsende Bereitschaft der Deutschen zum bargeldlosen Bezahlen. Eine "Verhaltensänderung" sei nötig, wie es ein Bankenvertreter auf Googles Pressekonferenz zum Pay-Start in Deutschland ausdrückte.

Googles Argumente für eine solche Verhaltensänderung: Google Pay ist leicht zu bedienen, sicher und datenschutzfreundlich. Jede Transaktion wird mit einem sogenannten Token sowie einem einmaligen Sicherheitscode durchgeführt. Der Token ist gerätespezifisch und ersetzt die Kreditkartendaten, die deshalb weder im Smartphone gespeichert, noch an den Händler übertragen wird. Kommt das Smartphone abhanden, lässt es sich über die Funktion "Mein Gerät finden" aus der Ferne sperren, mit einem neuen Passwort absichern oder löschen.

Google-Manager Spencer Spinnell sagte zudem, das Unternehmen verwende die Zahlungsdaten ausschließlich, um die Quittungen zu erstellen. Demnach wird die Kaufhistorie nicht für Werbezwecke analysiert. Google behält auch keinen Anteil an den Zahlungen. Pay habe nur einen Zweck: Android zu stärken. Vor allem gegenüber der anderen großen Mobilplattform, der von Apple.

Update vom 27.6.: Die Sparkassen haben auf Twitter  erklärt, eine Kooperation mit Google bei Google Pay sei für sie "keine Option". An Apple Pay wiederum sei man "grundsätzlich interessiert".

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