Moto X Neues Google-Smartphone belauscht seine Umgebung

Dieses Telefon hört aufs Wort: In einem kurzzeitig veröffentlichten Werbeclip ist ein Google-Handy von Motorola zu sehen, das sich mit Sprachbefehlen aufwecken und steuern lässt. Das Moto X hört dazu einfach alles mit.
Motorola-Präsentation (Archivbild): Neues Google-Telefon reagiert auf Sprache

Motorola-Präsentation (Archivbild): Neues Google-Telefon reagiert auf Sprache

Foto: Julie Jacobson/ AP

Google greift enorm tief in die Tasche, um ein neues Smartphone zu verkaufen: Bis zu 500 Millionen Dollar will der amerikanische Konzern angeblich für das Marketing des "Moto X"  ausgeben, einem iPhone-Konkurrenten mit Android-Betriebssystem. Doch ein im Netz aufgetauchtes Werbevideo spaltet nun die Tech-Journalisten: Ist es naiv oder tollpatschig, inmitten des Prism-Überwachungsskandals ein Smartphone damit zu bewerben, dass dessen Mikrofon ständig angeschaltet ist?

Das geleakte Moto-X-Video gehört zum Werbearsenal des kanadischen Mobilfunkanbieters Rogers.  Es zeigt, wie eine Nutzerin nur über ihre Stimme das Handy aufweckt und eine Wettervorhersage anfordert: "OK, Google Now, wie wird heute das Wetter?" Das ist nur möglich, wenn das Moto X ständig mithört und auf das Stichwort "OK, Google Now" achtet. Im Video heißt es: "Ihr Moto X hört zu und kann reagieren. Sprechen Sie mit ihm und es lernt ihre Stimme kennen. Dank Google Now kann es Ihnen sagen, was Sie wissen wollen, selbst wenn sie den Bildschirm nicht berühren."

Google Now ist eine Software, die versucht dem Smartphone-Anwender automatisch für ihn relevante Informationen, etwa den Wetterbericht oder eine im Kalender eingetragene Flugbuchung, bereitzustellen. Die Software ist selbstlernend und soll beispielsweise erkennen, wenn man täglich zur selben Zeit zur Arbeit fährt. So soll sie in der Lage sein, bereits beim Frühstück auf einen Stau auf dem Weg zur Arbeit hinzuweisen und Alternativrouten anzubieten. Die Software ist bereits seit einiger Zeit auf Android-Smartphones vorinstalliert und kann seit einigen Wochen auch über Googles iPhone-App genutzt werden.

Neu an der Google-Now-Version im Moto X ist, dass sie dem Nutzer (gemäß einem neuen Interaktionsmodell ) die Wünsche quasi von den Lippen ablesen können soll - wozu dieser allerdings ständig vom Handy überwacht werden muss.

Technisch ist das alles andere als trivial; zumal, wenn die Akkulaufzeit ein Thema ist. Dass Googles neues Handy tatsächlich als Massen-Überwachungswerkzeug dienen könnte, wie das nun in einigen  Programmiererforen vermutet  wird, ist also eher unwahrscheinlich.

Trotzdem beunruhigt es viele Menschen, die sich an der zunehmenden Durchdringung des Alltags mit Überwachungstechnik stören. Immerhin ist das neue Interaktionsmodell ja Zeitgeist: Erst kürzlich patentierte Microsoft die Wohnzimmer-Überwachung mit der Xbox - die Datenschützer Schaar daraufhin als "Überwachungsgerät" brandmarkte. Jedes Handy taugt zum Überwachungssensor, der in den Aufenthaltsorten der Nutzern Gewohnheiten zu erkennen versucht, aus denen es Vorhersagen  für deren künftigen Wünsche ableitet. So wie Google Now, wenn es morgens rät: "Stehe heute eine halbe Stunde früher auf, es ist mal wieder Stau auf dem Arbeitsweg."

fkn
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.