Google Sky Per Doppelklick durch die Galaxis

Erst die Russen, dann die Amis, jetzt Google und dann wir alle: Mit der Google-Earth-Erweiterung Sky fliegen Nutzer ab sofort zu den Sternen empor. Natürlich nur virtuell. Im Hamburger Planetarium wurde das Tool vorgestellt. SPIEGEL ONLINE war vor Ort.

Von Alexander Zeuner und


Rund 22 Millionen Dollar zahlte der US-Millionär Dennis Tito für seinen Urlaub. Als erster Weltraumtourist verbrachte der damals 60-Jährige acht Tage im All. Bislang haben es ihm vier weitere Wohlhabende nachgemacht: Charles Simonyi, Mark Shuttleworth, Gregory Olsen und Anousheh Ansari. Google will nun auch weniger Betuchten den Blick ins All ermöglichen.

Zwar steigt der Internetkonzern nicht ins Reisegeschäft ein; aber die neue Funktion Sky im Online-Atlas Google Earth eröffnet den Nutzern einen Blick ins Universum. Während man bei Google Earth über die Erde schwebt, reisen die Nutzer via Zusatzfunktion Sky durch die Galaxis: durch Asteroidenfelder, Planetensysteme, Sternenhaufen - vom Orion-Nebel zum Sternenkopfnebel und wieder zurück zur Erde. Pop-up-Fenster liefern dabei Informationen zu den jeweiligen Stationen.

Durch insgesamt hundert Millionen Sterne kann man sich bewegen. Nicht zu allen gibt es nähere Informationen, dafür ist die Darstellung stets perspektivisch korrekt. "Der Blick ins All wird vom jeweiligen Standpunkt aus berechnet, auch die Planetenlaufbahnen werden korrekt angegeben", erläutert Google-Ingenieur Samuel Wiedmann im Hamburger Planetarium. Eine Mond- und Planetenphasen-Anzeige ermöglicht es dem Nutzer, durch die Zeit zu reisen, Planetenbahnen bis zu zwei Monate in die Zukunft zu verfolgen.

Spektakuläre Bilder liefert der Menüpunkt HST: Die Nasa beziehungsweise die Esa stellte 129 Bilder zur Verfügung, aufgenommen von dem Hubble Space Telescope (HST). Weitere Funktionen sind ein Online-Atlas für Hobby-Astronomen, ein Tool für touristische Rundflüge durch die Tiefe des virtuellen Raums und eine Art Sendung-mit-der-Maus-Trip, in dem der Lebenszyklus eines Sterns erklärt wird.

Um die Weltallkarte zu erstellen, wurden Bilder mehrerer wissenschaftlicher Institutionen und Projekte miteinander verknüpft. Mit dabei: das Space Telescope Science Institute (STScI), der Sloan Digital Sky Survey (SDSS), das Digital Sky Survey Consortium (DSSC), das CalTech's Palomar Observatory, das United Kingdom Astronomy Technology Centre (UK ATC) und das Anglo-Australian Observatory (AAO).

Der Zugriff auf die neue Funktion Sky erfolgt im Programm Google Earth: Über das Menü "Ansicht" kommt man durch einen Klick auf die Schaltfläche "Zu Sky wechseln". Benutzeroberfläche und Navigation ähneln der üblichen Steuerung von Google Earth und beinhalten die bekannten Befehle "Verschieben", "Zoomen", "Suchen", "Meine Orte" sowie die Ebenenauswahl. Um auf Sky zugreifen zu können, ist die Installation der neusten Google-Earth-Version erforderlich.

Virtuelle Weltraum-Pioniere schon lange online

Im übrigen ist Google Sky bei weitem nicht die erste Software, die virtuelle Rundflüge durchs All ermöglicht: Die Open-Source-Software Celestia ermöglicht dies schon seit langem - mit spektakulären Bildern. Das Kartenmaterial der Basis-Software umfasst den gesamten Hipparcos-Katalog, insgesamt rund 120.000 Sterne.

Installiert man die rund zehn Gigabyte schweren Erweiterungen, kommen weitere Objekte und Funktionen hinzu - darunter auch von Nutzern generierte Touren durch unser Sonnensystem, Dokumentationen über die Geburt und den Tod von Sternen oder eine Simulation des fiktiven "Star Wars"-Universums inklusive Todesstern. Über eine integrierte Videofunktion kann sich der Nutzer beim Gleitflug durchs All sogar filmen, in einer maximalen Auflösung von bis zu 720 mal 576 Pixeln.

Auch World Wind, der Satellitenbild-Atlas der Nasa, bietet gestochen scharfe 3D-Aufnahmen der Satelliten und Space-Shuttles. Wer dem Programm zwei Gigabyte Festplattenplatz einräumt, schwingt sich ins Weltall auf und umrundet den Mars.

Mit der ebenfalls kostenlosen Software Stellarium kann man sich den Sternenhimmel so anzeigen lassen, wie man diesen zu einer gegebenen Zeit an einem gegebenen Ort in einem gegebenen Raumwinkel sehen könnte.

Stephen Hawkings Frage, ob das Weltall einen Rand hat, werden diese virtuellen Programme nicht klären können. Auch nicht die Frage nach Leben, dem Universum und allem. Aber die hat Douglas Adams ja auch schon hinreichend beantwortet.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.