Einstieg ins Mobilfunk-Geschäft Google präsentiert eigene Telefon-Flatrate

Unmittelbarer Wechsel zwischen WLAN und Mobilnetz: Mit einem neuen Telefonservice will Google den Mobilfunkmarkt in den USA aufmischen. Bisher funktioniert Project Fi jedoch nur mit einem Gerät.

Werbebild für Project Fi: Das Nexus 6 pickt sich angeblich immer die beste Verbindung heraus

Werbebild für Project Fi: Das Nexus 6 pickt sich angeblich immer die beste Verbindung heraus


Google verkauft in den USA künftig Telefon-Flatrates für 20 Dollar im Monat. Das kündigte der Konzern am Mittwoch an. Die Nutzer des sogenannten Project Fi sollen mit dem Vertrag so lange telefonieren und so viele Textnachrichten senden können, wie sie wollen. In mehr als 120 Ländern sollen auch die Roaming-Gebühren bei Auslandsgesprächen entfallen. Für mobile Daten zahlen die Nutzer allerdings extra.

Voraussetzung für eine Teilnahme an Project Fi ist, dass die Kunden eine Einladung zur Testphase erhalten haben - und mit einem Nexus 6 telefonieren. Denn nur dieses Smartphone ist mit der Technik fürs Project Fi ausgestattet, die einen reibungslosen Netzwechsel verspricht.

Laut Google sucht sich das Telefon immer die beste Verbindung und springt sogar während Gesprächen und Datenverbindungen zwischen WLAN-Routern und Mobilfunkmasten hin und her. Die Nutzer sollen von den Netz-Wechseln nichts mitbekommen.

In einem Blogbeitrag schreibt Nick Fox, der Vizepräsident der Google-Produktkommunikation: "Wenn ihr einen WLAN-Bereich verlasst, dann wird euer Anruf unterbrechungsfrei von WLAN auf Mobilfunk umgestellt, damit euer Gespräch nicht aus dem Takt gerät." Es sei wichtig, dass drahtlose Verbindungen und Gespräche überall verfügbar und für jeden zugänglich seien.

Gespräche werden verschlüsselt übertragen

Google hat Verträge mit Sprint und T-Mobile abgeschlossen, damit Project-Fi-Kunden die Netze der beiden Mobilfunkanbieter nutzen können. Außerdem hat der Online-Konzern mehr als eine Million WLAN-Hotspots, die sich als schnell und zuverlässig bewährt haben, für das Projekt zugelassen.

Auch wenn es sich dabei um öffentliche Hotspots handelt, müsse man sich um die Sicherheit der Gespräche keine Sorgen machen, heißt es bei Google. Nach eigenen Angaben verschlüsselt der Suchmaschinenkonzern jede Verbindung, die über öffentliche Hotspots aufgebaut wird.

Während die Gespräche mit den Kosten für die Flatrate gedeckt sind, fallen für den Datenverkehr außerhalb von WLAN-Zonen zusätzliche Kosten an. Für jedes Gigabyte an mobilen Daten, das der Kunde monatlich aus dem Netz zieht, verlangt Google 10 Dollar. Wer nicht alles verbraucht, bekommt das Geld für die nicht abgerufene Datenmenge zurück.

Die Handynummer soll bei Project Fi nicht an ein Smartphone gebunden sein, sondern über die Google-Cloud mit mehreren Geräten verknüpft werden. Nutzer können demnach auch Telefongespräche mit ihren Tablets und Laptops führen, allerdings bisher nicht mit der Netzwechsel-Option.

jbr/AFP



insgesamt 5 Beiträge
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SpitzensteuersatzZahler 23.04.2015
1.
Find ich klasse, dass hier wieder ein wichtiger Schritt getan wird - nicht so toll finde ich, dass die Datenkrake Google das macht und man sich so komplett gläsern macht...
soisses007 23.04.2015
2. Netzrevolution
Der Wechsel zwischen allen Netzen (UMTS, LTE, WLAN) lässt harte Zeiten für Netzbetreiber erwarten. Das interessante daran ist die Verschlüsselung (End to End) mittels VPN. Der Transportweg (Netz) ist egal, solange die Daten ausreichend verschlüsselt werden. Wann werden die Netzbetreiber wie Telekom, Vodafone, O², KabelBW... selbst solche Geräte und Funktionalitäten anbieten? Google ist schließlich nicht bei jedem Kunden erste Wahl.
meta_matze 23.04.2015
3. Richtig
Gute Sache! Find ich gut. Ich glaube das hatte sich Apple vorgestellt, als es das iPhone herausbrachte - ein kleines mobiles Gerät was überall ein Netz zur Kommunikation findet. Kosten für Daten ist natürlich der Knackpunkt, weil für 20€ telefonieren kann ich auch mit anderen Anbietern.
wanderer777 23.04.2015
4.
Verschlüsselt oder nicht, ist das schnelle Wechseln zwischen Hotspots nun ein Plus oder ein Manko, was die Sicherheit der Daten und Gespräche angeht?
FBFB 23.04.2015
5. Freiwillig nie!
Zitat von soisses007Der Wechsel zwischen allen Netzen (UMTS, LTE, WLAN) lässt harte Zeiten für Netzbetreiber erwarten. Das interessante daran ist die Verschlüsselung (End to End) mittels VPN. Der Transportweg (Netz) ist egal, solange die Daten ausreichend verschlüsselt werden. Wann werden die Netzbetreiber wie Telekom, Vodafone, O², KabelBW... selbst solche Geräte und Funktionalitäten anbieten? Google ist schließlich nicht bei jedem Kunden erste Wahl.
Wieso sollten sie auch? Es lässt sich doch momentan wesentlich besser abzocken. Nur wenn ein mächtiger Gegenspieler wie Google hier anrückt, dann kommen die Herren in Zugzwang und müssen notgedrungen mal nachdenken. Oh sorry, ich hatte ja ganz vergessen dass Google die Bösen sind.
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