Browser-Erweiterungen Google verbannt Torrent-Apps aus Chrome Web Store

Mit der Begründung, sie würden Online-Piraterie begünstigen, hat Google Anwendungen aus einem Onlineshop entfernt, die Nutzer die Suche nach Dateien in Download-Angeboten erleichterten. Ein betroffener Entwickler hält dem Konzern Scheinheiligkeit vor.

Chrome Web Store: Sperrgebiet für Torrent-Suchhilfen

Chrome Web Store: Sperrgebiet für Torrent-Suchhilfen


Google hat eine Reihe von Apps aus seinen Chrome Web Store entfernt. Über den Onlineshop werden Mini-Programme für den Google-Browser Chrome vertrieben. Den nun aus dem Angebot gelöschten Apps ist gemein, dass sie den Nutzern des Browsers die gezielte Suche nach bestimmten Inhalten in diversen Torrent-Verzeichnissen ermöglichten. Wie das Torrent-Blog "TorrentFreak" meldet, durchsuchten die kleinen Helferlein die Such-Indizes bekannter Angebote wie The Pirate Bay.

Die jeweiligen Entwickler der entfernten Programme seien von Google informiert worden, ihre Apps würden Urheberrechtsverletzungen "fördern, erleichtern oder ermöglichen", schreibt "TorrentFreak". Der Konzern erlaube keine Produkte, mit denen Nutzungsbedingungen Dritter verletzt würden oder die den Zugriff auf geschütztes Material ermöglichen.

Sowohl die RIAA, der Verband der US-Musikindustrie, als auch der Filmindustrieverband MPAA werfen dem Internetkonzern vor, der Online-Piraterie Vorschub zu leisten. Dies sei auch nach Änderungen der Such-Algorithmen weiter der Fall, hatte sich die RIAA zuletzt im Februar beschwert.

"TorrentFreak" bewertet Googles Rauswurfaktion kritisch. Die Entfernung der Apps sei ein merkwürdiger Schritt, da sie dem Datenklau nicht mehr Vorschub leisten würden als die Google-Suche selbst.

Der Entwickler der Chrome-App Torlock zeigte sich gegenüber dem Szene-Blog von Googles Aktion überrascht: "Ich habe keine Ahnung, wie Google darauf kommt, unsere Chrome-Erweiterung würde Nutzungsbedingungen verletzen, denn Beweise dafür wurden nicht vorgelegt. Nur der übliche Juristenjargon. Das ist ein trauriger Tag für die Netzfreiheit."

meu



insgesamt 3 Beiträge
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fragel 12.12.2013
1. ich brauche beides nicht
Weder Chrome, noch Torrent-Apps. Ersterer spioniert zu sehr und der Zweite sorgt für Probleme mit dem Gericht. Also bei Beiden besser Finger besser davon lassen.
Birs 13.12.2013
2. Chrome
Gott sei Dank, dass Chrome nicht der Browser der Wahl ist. Torrents als reine Piraterie-Technologie anzusehen ist schlichtweg Blödsinn. Warum schaffen wir nicht gleich den Download an sich ab? Immerhin dürfte die Mehrzahl der illegalen Downloads längst nicht mehr über Torrents sondern eher über Filesharung Dienste ablaufen. Ich möchte ja fast wetten, dass in ein paar Wochen/Monaten von Google selbst eine entsprechende App angeboten wird.
jahandy 13.12.2013
3. Google lässt den Monopolisten raushängen
Es mehren sich die Zeichen, dass Google nun endlich offen Gesicht zeigt und sich zu seinem ur-konservativen Konzern-Werten bekennt. Diese Aktion ist totale Zensur und nicht hinnehmbar aber auch nur durchführbar weil die Masse mittlerweile abhängig von Google-Produkten ist. Schade um die schöne Idee "don't be evil", die wohl ein Marketing Gag war. Aber vielleicht tu ich hier Google unrecht und es ließe sich anders kein aufreibender, kostenintensiver Gerichtsstreit mit den Anti-Piraterie-Treibern vermeiden. Diesen Streit könnte Google aber ruhig der Sache willen führen; dazu nötige Ressourcen hat die Firma.
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