Google Translate "Kanzler rühmt jetzt sich stratospheric Zustimmung"

Google schickt einen spektakulären Web-Übersetzungsdienst ins Rennen - fast ein Jahrzehnt nachdem Monica Lewinsky dank automatischer Babelfish-Übersetzung "Mundgeschlecht auf Bill Clinton aufführte". Google Translate ist so nützlich wie spaßig.

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Die so oft beschworene digitale Kluft hat nicht nur monetäre oder Altersgründe. Die Tatsache, dass viele Menschen nach wie vor wenig Spaß am Internet entwickeln, ist oft genug auch durch Sprachprobleme begründet: Während wir Ureinwohner von Cyberia und Einwanderer in Digitalien munter auf Englisch parlieren und das für völlig selbstverständlich halten, sind auch in Deutschland dem Gros der Bevölkerung Angebote in dieser Sprache weitgehend verbaut.

Aufgebohrt: Der Übersetzungsdienst von Google kommt jetzt als Suchmaschine daher, die das ganze Web übersetzt

Aufgebohrt: Der Übersetzungsdienst von Google kommt jetzt als Suchmaschine daher, die das ganze Web übersetzt

Denn anders als das Web kennt die Welt keine echte Lingua Franca, die jeder beherrschte.

Auch wenn die meisten Menschen in Europa heute irgendwann zumindest Grundzüge einer Fremdsprache lernen, bleiben Kommunikation und Konsum von Information darin doch noch immer einer Info-Elite vorbehalten, die ihre Kenntnisse auch nach der Schulzeit pflegt und ausbaut. Zum Glück gibt es kreative Tech-Unternehmen, die für uns die Sprachbarrieren niederreißen wollen.

Vorreiter dieser Wohltäter war der einst weltweit führende Suchdienst Altavista: das Google der Neunziger - mittlerweile von Yahoo geschluckt. Sein bereits 1997 eingeführter, auf einer Software von Systran basierender Web-Übersetzungsdienst Babelfish wurde zu einem weltweiten Erfolg: Kreuz und quer durch zahlreiche Sprachen übersetzte der Dienst Texte oft mehr schlecht als recht, aber äußerst unterhaltsam.

Was ist eine Zerstampfung?

In Deutschland wurde Babelfish 1998 durch die geniale maschinelle Übersetzung des Starr-Reports im Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton bekannt. Dort lernte man, dass die arme Monica ihre "weiße Hausbeschäftigung als Internierter" im "ovalen Büro" begann, wo sie dann irgendwann "Mundgeschlecht auf ihm (Clinton) aufführte". Selbst vor intimsten Details schreckte die Übersetzung nicht zurück: "Der Präsident war innerhalb alleine, und er winkte ihr zu, um hereinzukommen. Sie erklärte ihm, daß sie eine Zerstampfung auf ihm hatte."

Das klang erst einmal erschreckend, schreckte aber niemanden ab. Gerade die Schrägheit der Übersetzungen, bei denen man mit Glück ahnte, worum es wirklich ging, wurde schnell zum Kult. Zumal Babelfish ja gut genug war, zumindest tendentiell klar zu machen, worum es ging: "Im Verlauf des Flirtings mit ihm, hob sie ihre Jacke in der Rückseite an und zeigte ihm die Brücken ihrer Zapfenunterwäsche, die über ihr Hosen ausdehnten."

Was sich auch ausdehnte, war die Popularität solcher Übersetzungsdienste. Seit langem leisten sich auch andere Dienstleister wie Google solche Übersetzungsmasken. Bisher aber war das alles ziemlich mühselig: Man musste den fremdsprachigen Text ausschneiden, in ein Übersetzungsfenster einfügen, Ausgangs- und Zielsprache wählen und konnte dann nur noch die Daumen drücken. Allzu oft erwiesen sich die maschinellen Übersetzer dabei schlicht als dämlich und mit einem Vokabular ausgestattet, dass über die Alltagssprache eines angelernten Besenfesthalters nicht hinausgeht - arm im Vergleich zu einem guten Wörterbuch. Viel zu viele Worte schicken die Dienste der Suchmaschinen unübersetzt zurück.

Das große "Hä?": Viele Worte machen noch keinen Satz

Das aber - siehe oben - ist das geringste Problem der automatischen Web-Übersetzer. Ihre größte Schwäche ist von jeher die Semantik: Sie erkennen den Sinn komplexer Sätze, Absätze oder Texte nicht. Oder hat sich da was getan in den letzten zehn Jahren?

Durchaus, und Google will uns allen zeigen, wie weit die Entwickler inzwischen sind. Google hat für seinen neuen, aufgebohrten Translate-Dienst, der in dieser Woche in die Beta-Erprobungsphase ging, vor allem am Interface geschraubt. Translate präsentiert sich nun zunächst als fast normale Suchmaske, bei der man nur die eigene Sprache festlegen muss, sowie in welcher Sprache die durchsuchten Dokumente abgefasst sind.



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