Gesichtserkennung im Internet Google und Facebook mahnen Bildersuchmaschine PimEyes ab

Anhand biometrischer Daten durchforstet die Bildersuchmaschine PimEyes das Netz nach Gesichtern. Die Plattform hat offenbar auch YouTube und Instagram abgegrast - und wird dafür nun abgemahnt.
Collage aus Facebook-Profilbildern

Collage aus Facebook-Profilbildern

Foto: Rainier Ehrhardt/ AFP

Ein Schnappschuss vom Fahrgast in der U-Bahn oder das Profilfoto des Tinder-Dates: Wer wissen will, wer sich hinter einem Gesicht verbirgt, der kann ein Bild bei der polnischen Suchmaschine PimEyes hochladen und das Netz nach Websites durchforsten, auf denen die Person zu sehen ist. Datenschützer hatten diese Methode in den vergangenen Monaten immer wieder kritisiert - auch mit Verweis auf die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). 

Doch nun gerät die Plattform vor allem unter Druck der großen Onlineunternehmen. Laut einem Bericht von Netzpolitik.org  gehen große US-Konzerne wie Google und Facebook rechtlich gegen die Suchmaschine vor, die nach eigenen Angaben die biometrischen Daten von rund 900 Millionen Gesichtern in einer Datenbank abgespeichert hat. Der Vorwurf: PimEyes bediene sich unerlaubt an Inhalten der Videoplattform YouTube und der Fotoplattform Instagram. Dem Bericht zufolge ist auch TikTok betroffen; das Unternehmen plane, rechtliche Schritte einzuleiten. 

Die US-Konzerne bestätigten die juristischen Maßnahmen auf Anfrage des SPIEGEL. Google weist darauf hin, dass es ausdrücklich verboten sei, Daten bei YouTube zu sammeln, die ermöglichen, eine Person zu identifizieren. "Dementsprechend werden wir eine schriftliche Abmahnung an PimEyes senden, in der wir die Verletzungen der Nutzungsbedingungen genau auflisten", teilt ein Google-Sprecher mit. 

Eine Facebook-Sprecherin erklärt, dass das soziale Netzwerk eine Unterlassungserklärung an PimEyes geschickt und die Profile der Plattformgründer sowie alle anderen Konten mit Bezug zur Suchmaschine bei Facebook und Instagram gesperrt habe. 

PimEyes wehrt sich gegen die Vorwürfe 

Die Betreiber der Gesichtersuchmaschine bestreiten die Vorwürfe. Ein Sprecher von PimEyes teilt dem SPIEGEL mit, dass man die Daten lediglich aus öffentlich zugänglichen Quellen beziehe. Es werden demnach nur dann Bilder heruntergeladen, wenn die Website das in der "robots.txt"-Datei erlaube, in der die Zugriffsrechte für Bots geregelt sind. "Wir bedienen uns nicht bei Social-Media-Websites", sagt der Sprecher. 

Laut Netzpolitik.org ist das PimEyes-Konzept ein "umfassender Angriff auf die Anonymität und möglicherweise rechtswidrig". Das Problem sei, dass anhand der biometrischen Gesichtsdaten etwa Homosexuelle ungewollt geoutet, sogenannte Rachepornos einer Person zugeordnet und einzelne Teilnehmer bei Demos identifiziert werden könnten. Britische Datenschützer von "Big Brother Watch" bezeichneten  die Seite vor einigen Wochen als Werkzeug, das "staatliche Überwachung, kommerzielle Kontrolle und sogar Stalking in einem bisher unvorstellbaren Ausmaß ermöglicht". 

Laut PimEyes ist genau das Gegenteil der Fall. Dort heißt es, erst mithilfe der Gesichtersuche könnten illegal veröffentlichte Aufnahmen aufgespürt und gelöscht werden. Die Seite helfe dabei, etwa Fake-Profile im Internet zu finden. Außerdem pocht das Unternehmen darauf, dass man lediglich Bilder von sich selbst hochladen dürfe. Diese Regel ist laut Netzpolitik.org allerdings erst nachträglich eingeführt worden. Zuvor soll PimEyes die Nutzer sogar ermuntert haben, Fotos von Bekannten und Promis hochzuladen. 

Methoden erinnern an Skandal bei Clearview AI

Im Test von Netzpolitik.org mit knapp hundert Politikerfotos findet die Plattform fast alle Personen auf verschiedenen Websites. Mit Privatpersonen sind die Ergebnislisten aber in der Regel nicht so ergiebig: Wer keine eigene Internetseite betreibt oder im Teambereich einer Firma mit Foto aufgelistet ist, kann mit PimEyes nur schwer aufgespürt werden. Ohne Fotos aus sozialen Netzwerken lassen sich Gesichter kaum einem Namen zuordnen. 

Die PimEyes-Methode erinnert an den Skandal rund um das umstrittene US-Unternehmen Clearview AI. Die App-Entwickler hatten rund drei Milliarden Bilder unter anderem bei Facebook abgegrast, daraus eine Gesichterdatenbank erstellt und Suchabfragen an Strafverfolgungsbehörden verkauft. 

Laut Netzpolitik.org setzt auch PimEyes wohl auf kommerziellen Erfolg, da es derzeit gerade einmal 350 Nutzer mit einem Premium-Abo für rund 20 Euro im Monat gebe. Daher wollen die Betreiber eher automatisierte Millionenabfragen verkaufen. Dafür arbeiteten die Entwickler schon jetzt mit dem schwedischen Sicherheitsunternehmen Safer Society Group zusammen und haben offenbar mit Faceware AI parallel zu PimEyes ein Gesichtserkennungs-Start-up gegründet, um Geschäftskunden zu gewinnen.