Imagepflege im Netz So verkleinern Sie Ihren Daten-Fußabdruck bei Google und YouTube

Wer Informationen über eine ­Person sucht, googelt sie. Google betreibt zudem weitere wichtige Dienste wie YouTube, Docs und Drive. Zeit also zu prüfen, was die Angebote anderen alles preisgeben.
Von "c't"-Redakteur Jo Bager
Google betreibt neben seiner Suchmaschine auch das Videoportal YouTube

Google betreibt neben seiner Suchmaschine auch das Videoportal YouTube

Foto: c't

Haben Sie in letzter Zeit mal ego-gegoogelt? Also: Ihren Namen in die Google-Suchmaske getippt? Das sollten Sie ab und zu tun - insbesondere, wenn Sie einen ausgefallenen Namen tragen. Aber auch zu Menschen mit Allerweltsnamen spuckt Google Treffer aus, wenn man ein wenig mehr zusätzliche Information in die Abfrage packt - zum Beispiel den Wohnort oder den Namen des Sportvereins.

Google ist oft der erste Anlaufpunkt, bei dem ein Mensch Informationen zu einem anderen sucht. Die Suchmaschine trägt also wesentlich zum Image der gesuchten Person bei. Es ist daher gut zu wissen, was Google über einen findet, auch wenn man mit gut gepflegten Social-Media-Profilen und einer eigenen Homepage glaubt, den eigenen Namen im Netz hinreichend ins rechte Licht gerückt zu haben.

Google findet eventuell auch versteckte Postings in sozialen Medien oder Kommentarspalten, die Sie unter einem Nickname veröffentlicht haben. Und es ist oft nicht schwer, den Bezug zwischen einem Realnamen und einem Nickname herzustellen. Fahnden Sie daher auch nach Ihren Pseudonymen. Bei Ihrer Ego-Recherche sollten Sie auch die Bildersuche bemühen. Vielleicht hat ja jemand ein unvorteilhaftes Bild im Kontext Ihres Namens veröffentlicht.

Es gibt auch Spezialsuchmaschinen für Menschen, zum Beispiel Yasni und Webmii. Wichtiger, weil bekannter, ist aber Google. Es ist sinnvoll mitzukriegen, wenn dort neue Informationen über einen auftauchen. Google stellt dafür ein Werkzeug bereit: Google Alerts . Dort können Sie automatisierte Dauersuchen einrichten. Wann immer Google Alerts zu einer der dort hinterlegten Suchphrasen einen neuen Treffer findet, informiert es Sie per E-Mail.

Alles ist sozial

Google ist aber nicht nur wegen seiner Suchmaschine für die Social-Media-Hygiene relevant. Das Unternehmen betreibt noch ein paar Dutzend andere Dienste - und viele davon haben soziale Funktionen, mit denen man zum Beispiel Inhalte teilen oder Dokumente gemeinsam bearbeiten kann.

Das ist kein Alleinstellungsmerkmal von Google-Angeboten, sondern fast schon der Normalfall für aktuelle Webdienste und Apps. Google Fotos Docs  und Drive  sind aber extrem beliebt und weit verbreitet. Daher sei hier an ihrem Beispiel beschrieben, wie sich die sozialen Features auswirken können und wie Sie zu laxe Freigaben wieder los werden.

Google Fotos zum Beispiel ist schon wegen seiner engen Verknüpfung zu Android ein häufig verwendeter Bilderspeicher. Fotos und Bilderalben lassen sich mit wenigen Klicks für Freunde freigeben. Dabei generiert Google einen Link mit einer nicht erratbaren Adresse und sendet ihn an die Freunde. Zeitlich beschränken lässt sich der Zugriff nur bei Google-Konten für Unternehmen und Bildungs­einrichtungen.

Jeder, der einen Link hat, kann auf ein geteiltes Album zugreifen. Es muss ja gar nicht böser Wille sein: Ein aus Versehen in einem Forum geposteter Link macht ein privates Bilderalbum öffentlich. Daher ist es ratsam, immer mal zu schauen, welche Bilder und Alben man freigegeben hat. Google Fotos zeigt diese unter dem Menüpunkt "Teilen " an (und die Alben, die von anderen für Sie freigegeben wurden). ­Klicken Sie in der Übersicht auf das ­Drei-­Punkte-Menü und dann auf "Album löschen", beendet Google die Freigabe.

Der Dienst löscht dann auch von Dritten hinzugefügte Bilder und Kommentare, das Album selbst mit den eigenen Bildern bleibt privat erhalten. Den gleichen Effekt können Sie innerhalb eines solchen Ordners erzielen, wenn Sie oben links auf das Logo einer der Personen klicken, denen Sie Zugriff auf den Ordner gegeben haben, und im aufpoppenden Dialog "Teilen ­deaktivieren".

Die im Schatten

Da muss man auf der Arbeit schnell mit jemandem aus einer anderen Abteilung ein Dokument aufsetzen; der Firmen-­Sharepoint-Server gibt das nicht ohne ­zusätzliche Freigaben der IT-Abteilung her; dort meldet sich aber niemand. Was machen Mitarbeiter unter Zeitdruck in einer solchen Situation? Sie setzen das Dokument kurzerhand bei Google Docs auf - mit ihren privaten Accounts.

Eine schnelle Recherche bei Google Drive zeigt, ob verflossene Kollegen oder Freunde noch Zugriffsrechte auf Online-Dokumente haben

Eine schnelle Recherche bei Google Drive zeigt, ob verflossene Kollegen oder Freunde noch Zugriffsrechte auf Online-Dokumente haben

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Es entsteht eine vom Unternehmen nicht kontrollierte Zone, die im Zweifelsfall auch nach der Benutzung nicht aufgeräumt wird. So stehen Briefe, Absprachen oder Tabellen dauerhaft im Netz herum. Ehemalige Mitarbeiter behalten ihre Zugriffsmöglichkeit, auch wenn sie das Unternehmen schon lange verlassen haben.

Eine solche Schatten-IT mit vergessenen Berechtigungen kann es auch im privaten Rahmen geben, beispielsweise bei gemeinsam für einen Verein gestalteten Dokumenten. In welchem Rahmen man auch immer solche alten Freigaben vermutet: Sie lassen sich mit der erweiterten Suche von Google Drive finden, die auch Google-Docs-Dokumente erfasst.

Es gibt in der Suche zwar keinen Operator, der Ihnen alle Dokumente mit Freigaben anzeigt. Sie können aber mit "To:<Name>" gezielt nach Freigaben für einzelne Personen fahnden. In der Regel sollte es ja eine überschaubare Anzahl von Personen sein, denen Sie Nutzungsrechte entziehen müssen.

Was bei YouTube wichtig ist

Bei YouTube geht es derweil nicht mehr nur um den reinen Konsum von Videos; Fans und Hater tauschen sich in den Kommentaren ausgiebig darüber aus.

Dabei kann man im Eifer des Gefechts schon mal über das Ziel hinausschießen. Sind Sie sich nicht sicher, ob alle Ihre Kommentare heute noch gelesen werden sollten, können Sie mit dem Kommentar­verlauf  eine Übersicht aller Ihrer Beiträge anzeigen lassen und peinliche Kommentare löschen.

An anderer Stelle, in den Einstellungen, finden Sie unter "Datenschutz " weitere Optionen, die den Datenhunger von YouTube dämpfen. Dort können Sie Ihre Playlists und Abonnements als privat ­markieren.

Daten im Blick behalten

Ganz generell ist es für Nutzer von Google-Diensten und Android eine gute Idee, einen genauen Blick in das Google Dashboard unter myaccount.google.com  zu werfen. Wissen Sie zum Beispiel, welche Geräte für die Nutzung mit Ihrem Google-Account eingerichtet sind - wer also im Zweifelsfall alles auf Ihren Google-­Account zugreifen kann? Unter Sicherheit/Meine Geräte  erhalten Sie einen Überblick und können Geräte gleich entfernen. In den Sicherheitseinstellungen können Sie ebenso sehen, welche Drittanbieter-Apps auf welche Daten zugreifen dürfen, und die Einstellungen anpassen.

Bei Google Takeout können Nutzer ein Archiv ihrer bei Google gespeicherten Inhalte anfertigen lassen.

Bei Google Takeout können Nutzer ein Archiv ihrer bei Google gespeicherten Inhalte anfertigen lassen.

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Die Rubrik "Privatsphärecheck " des Dashboards durchzusehen dürfte bei vielen Nutzern einige Zeit in Anspruch nehmen, weil Google mit ziemlich vielen Anwendungen Daten sammelt. Besonders kritische Einstellungen sind hier (neben dem bereits erwähnten YouTube-Verlauf) der "Standort-Verlauf" und die "Web- und App-Aktivitäten", also die Suchanfragen sowie "weitere Aktivitäten in der Google-Suche, in Google Maps und in anderen Google-Diensten". Alle drei lassen sich "pausieren".

Google hat selbst bemerkt, dass es wenig sinnvoll ist, Informationen ewig zu archivieren. So bietet es für die Web- und App-Aktivitäten die Option an, die gespeicherten Informationen automatisch nach drei oder 18 Monaten zu löschen.

Wer sich einen Überblick über einen Großteil der von ihm bei Google angefallenen Daten verschaffen will, kann sich mit Takeout  eine Sammlung seiner gespeicherten Daten herunterladen - ein guter Überblick.

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