Suche nach Verdächtigen US-Strafverfolger verlangen Tausende Standortdaten von Google

Welche Geräte befanden sich zu einem bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Gegend? In den USA können Strafverfolger Google per Gerichtsbeschluss zur Herausgabe dieser Daten zwingen, um mögliche Verdächtige zu erkennen.
San Francisco: Google weiß von sehr vielen Nutzerinnen und Nutzern, wann sie wo waren

San Francisco: Google weiß von sehr vielen Nutzerinnen und Nutzern, wann sie wo waren

Foto: Christoph Dernbach/ dpa

Die im Englischen »geofence warrants« oder auch »reverse location search« genannten Gerichtsbeschlüsse sind ein beliebtes Mittel für US-Strafverfolger, um einzugrenzen, wer sich in der Nähe eines Tatorts befunden hat. Wie sehr die beliebt sind, hat Google am Donnerstag erstmals offengelegt . Demnach hat das Unternehmen im Jahr 2018 nur 982 solcher Beschlüsse erhalten, im Folgejahr schon 8396 und 2020 waren es sogar 11.554.

In jedem dieser Fälle verlangen die Ermittler die Herausgabe von Informationen zum Aufenthaltsort von Google-Nutzerinnen und -Nutzern, die das Unternehmen auf verschiedenen Wegen sammelt und in einer Datenbank namens Sensorvault vereint.

Die Strafverfolger geben dazu einen Zeitraum und Koordinaten vor, Google muss dann zunächst anonymisierte Informationen  zu den dann und dort registrierten Geräten herausgeben. Nachdem der Kreis potenziell verdächtiger Personen auf Basis dieser Angaben eingegrenzt wurde, muss Google gegebenenfalls verraten, welche Googlekonten zu den Geräten gehören, also E-Mail-Adressen und Nutzernamen.

Aus den von Google veröffentlichten Zahlen geht nicht hervor, wie viele dieser Beschlüsse Google erfolgreich angefochten hat, wie viele Menschen sie betrafen oder wie groß die von den Ermittlern vorgegebenen Koordinaten und Zeiträume im Schnitt waren.

Mordverdacht wegen Standortdaten

Google bekommt die entsprechenden Daten über seinen Kartendienst Maps, die Foto-App aber auch Google-Suchanfragen – also über verschiedene Google-Dienste, die über GPS, WLAN-Informationen und IP-Adressen den jeweiligen Standort erheben.

2018 hatte die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass Google selbst dann noch Standortdaten erhebe, wenn Nutzerinnen und Nutzer seiner Apps dies in den Einstellungen deaktivierten. Google widersprach dem konkreten Vorwurf, änderte aber in der Folge die Formulierung auf seiner Hilfeseite, um klarer zu machen, dass die Option »Standortverlauf deaktivieren« allein nicht ausreicht, um die Datensammlung zu unterbinden.

Bürgerrechtsorganisationen kritisieren, dass »geofence warrants« auch Unschuldige zu Verdächtigen machen können. 2019 etwa berichtete die »New York Times«  über einen Mann, der fälschlicherweise des Mordes verdächtigt und sechs Tage lang inhaftiert wurde, weil sich sein Handy laut der Rückwärtssuche in der Nähe des Tatorts befunden haben soll. Er verlor in der Folge seinen Job.

pbe
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