Werbung im Browser Google verschiebt den Cookie-Bann

Bereits im vergangenen Jahr hat Google eine große Reform seiner Onlinewerbung angekündigt: Werbe-Cookies im Chrome-Browser sollen blockiert werden – bis es so weit ist, wird es aber noch dauern.
Unternehmenszentrale von Google: Hier wird entschieden, wie Werbung im Netz funktioniert

Unternehmenszentrale von Google: Hier wird entschieden, wie Werbung im Netz funktioniert

Foto: xim.gs / Philipp Szyza / picture alliance / xim.gs

Die große Reform der Onlinewerbung muss warten: Wie Google am Donnerstag überraschend bekannt gab, wird das Unternehmen den Bann von Werbe-Cookies in seinem Browser Chrome bis Ende 2023 aufschieben. Damit zieht es die Konsequenz aus dem Widerstand von Konkurrenten und Wettbewerbsbehörden.

Google hatte Anfang 2020 den radikalen Schnitt angekündigt. Innerhalb von zwei Jahren wollte es keine Werbe-Cookies mehr in Chrome unterstützen. Stattdessen entwickelte Google unter dem Projektnamen »Privacy Sandbox« eine Reihe von Techniken, die weiterhin zielgerichtete Werbung erlauben, aber die Privatsphäre der Endnutzer dabei schonen sollten.

Werbeprofile im Browser

Zu den Vorschlägen gehörte, den Browser künftig eigenständig Informationen zu Kauf- und Lesegewohnheiten der Nutzer erfassen zu lassen, statt diese Informationen wie heute in Werbeprofilen im Netz zu sammeln. Doch der Plan stieß auf Kritik von allen Seiten: Konkurrenten fürchteten, von den Nutzerdaten abgeschnitten zu werden, Bürgerrechtler etwa von der Electronic Frontier Foundation (EFF) befürchteten eine noch invasivere Überwachung der Nutzer als im jetzigen Werbesystem. Auch die Wettbewerbshüter schlugen Alarm, weil sie eine potenzielle Bevorzugung von Googles eigenem Werbegeschäft sahen. Schon heute dominiert Google den milliardenschweren Markt für Onlinewerbung weltweit.

In einem Blog-Beitrag  bekräftigte Google-Manager Vinay Goel, dass das Unternehmen an seinen Zielen festhalte. Doch um den Plan umzusetzen und allen Parteien Gelegenheit zu geben, ihre Geschäftsmodelle anzupassen, sei mehr Zeit erforderlich. »Wir wollen weiterhin gemeinsam mit der Web-Community an stärker datenschutzorientierten Konzepten für Schlüsselbereiche arbeiten«, erklärte Goel am Donnerstag.

Damit die Pläne nicht am Einspruch der Behörden scheitern, hat Google eine Zusammenarbeit mit der britischen Competition and Markets Authority vereinbart. Darin sichert das Unternehmen unter anderem zu, die eigenen Werbeprodukte nicht zu bevorzugen und über den eigenen Browser nicht mehr Daten zu sammeln, als es der Konkurrenz möglich ist. Der neue Zeitplan sieht vor, dass Google bis Ende 2022 die Ersatztechniken für Werbe-Cookies weiterentwickelt und dem Markt zur Verfügung stellt. Die Werbe-Cookies sollen dann zwischen Mitte und Ende 2023 aus Chrome verbannt werden.

tmk
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