Auf der guten Seite Wie Google vom Hacker-Image profitiert

Hacker sind die neuen Popstars - und Google weiß das geschickt zu nutzen: Der Konzern profitiert vom Imagewandel der Programmierer und Bastler.
Parisa Tabriz: Nennt sich bei Google selbst "Security Princess"

Parisa Tabriz: Nennt sich bei Google selbst "Security Princess"

Foto: YouTube/ Google Developers

Die Google-Angestellte Parisa Tabriz wird in diesen Tagen in einer Zeitschrift vorgestellt: "Sie führt eine Truppe von Hacker-Ingenieuren an, sie wird dafür bezahlt, wie ein Kriminelle zu denken, um die Schwächen in Google Chrome aufzuspüren, dem meistbenutzten Browser der Welt." Dieser Satz steht nicht etwa in der Tech-Zeitschrift "Wired", sondern beim Fashion-Magazin "Elle".

Die Frauenzeitschrift widmet der 31-Jährigen gerade ein ausführliches Porträt . Darin geht es darum, dass Tabritz stets schwarz trägt, aber auch um die Frage, ob künftig Verschlüsselungschips in alle Geräte integriert werden. Und es steht drin, dass sich Tabriz auf ihrer Visitenkarte selbst "Security Princess" nennt, Sicherheitsprinzessin.

"Elle" ist nicht das einzige Magazin, das nun freundlich über Hacker schreibt. Der "Rolling Stone" berichtet von den Geeks an der Front , von Hackern, die nun Firmen und Behörden gegen die Angriffe von Cyberkriegern und Kriminellen schützen sollen. Sie sind die "neue Identifikationsfigur der Popkultur", wie eine Dokumentation auf 3sat  gerade verkündet.

Info-Krieger im Rampenlicht

Das Internet bringt seit jeher seine eigenen Helden hervor: Wikileaks-Gründer Julian Assange zählt dazu, Chelsea Manning, die geheime Dokumente des Militärs an die Enthüllungsplattform weitergab. Aaron Swartz, der sich für den freien Zugang zu Wissen einsetzte. Und Edward Snowden, der interne Dokumente der NSA kopierte.

Wie auch immer man zu diesen Info-Kriegern steht, sie haben die öffentliche Debatte verändert und Hacker-Themen in die Abendnachrichten gebracht. Mit Büchern und Videospielen ging es weiter, mit dem Erfolg von Lisbeth Salander in der "Millienium"-Trilogie von Stieg Larsson, mit Aiden Pearce im Videospiel "Watch Dogs". Programmierer sind die Helden und nicht die drolligen Sidekicks.

Auch in der Realität können Hacker jetzt zu Stars werden, deren Namen nicht nur in Foren und Chats bekannt sind. Besonders Google weiß das zu nutzen. Oft tauchen derzeit Hacker in der Öffentlichkeit auf, die bei oder für Google arbeiten.

Morgan Marquis-Boire: Kümmert sich um die IT-Sicherheit von Greenwald und Co.

Morgan Marquis-Boire: Kümmert sich um die IT-Sicherheit von Greenwald und Co.

Foto: re:publica/ CC-Lizenz BY-SA

Einer von ihnen ist Morgan Marquis-Boire, 34, auch bekannt als Morgan Mayhem. Sechs Jahre lang war er bei Google und hat an IT-Sicherheit geforscht. Durch Vorträge auf Hackerkonferenzen ist er in der Szene eine Berühmtheit geworden - und wurde dabei auch zum Werbebotschafter für Google, zum coolen Vorzeige-Hacker des Suchmaschinenkonzerns.

Heute kümmert er sich bei First Look Media darum, dass die Journalisten um Glenn Greenwald sicher arbeiten und kommunizieren können. Obwohl Geheimdienste hinter ihnen und ihrer prominentesten Quelle, Edward Snowden, her sind. "Wired" stellt Marquis-Boire als den Mann vor, der sich mit den Spionen anlegt .

Tabriz und Marquis-Boire sind sogenannte White Hats. Sie nutzen ihre Fähigkeiten und ihr Wissen konstruktiv, nicht für kriminelle Zwecke wie die Black Hats. White Hats werden ohnehin gern von Firmen angestellt. Viele Hacker aber bewegen sich in einem Graubereich - schließlich lassen sich Programme und Programmteile meist für unterschiedliche Zwecke einsetzen. Und nicht immer ist etwas moralisch verwerflich, nur weil es streng nach Gesetz verboten ist.

George Hotz: Von Google beschäftigter Hacker

George Hotz: Von Google beschäftigter Hacker

Foto: George Hotz/ CC-Lizenz BY-SA

Da ist zum Beispiel George Hotz, lange Zeit einer der berühmtesten Grey Hats. Im Alter von 17 Jahren hatte Hotz die Providersperre des ersten iPhones geknackt. Dann machte er sich an Sonys Playstation 3 zu schaffen, um sie von Herstellereinschränkungen zu befreien. Das brachte ihm eine Menge juristischen Ärger ein. Schließlich musste er Sony versprechen, nie wieder ein Gerät der Firma zu hacken. Für Konzerne war Hotz mindestens ein Ärgernis, wenn nicht sogar der Feind.

Wichtig für die Firma, wichtig fürs Image

Doch als er später ein Sicherheitslücke in Googles Chrome-Browser präsentierte, bekam er keine Post von Anwälten - sondern 150.000 Dollar Belohnung. Mittlerweile hat Google den subversiven Hacker ebenfalls in sein Reich gelockt, für das bis jetzt geheime Project Zero. "Wired" berichtet von dem auserwählten Zirkel  von Elite-Hackern, die im Auftrag des Suchmaschinenkonzerns in kritischer Software nach unbekannten Lücken suchen - nicht nur in Google-Software.

Nach der NSA-Affäre will das Unternehmen das Vertrauen von Nutzern zurückgewinnen, die den Zugriff der Geheimdienste auf ihre Privatsphäre fürchten. Wer könnte für so einen Werbefeldzug besser geeignet sein als Hacker. Jetzt, wo sie in der öffentlichen Wahrnehmung nicht länger nur unheimliche Geeks mit Geheimwissen sind - sondern potenziell Freund und Helfer.

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Begriffsfindung: Wer sind eigentlich Hacker?

Foto: dsin.de
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