»I'm fired« Google entlässt leitende KI-Forscherin

Mit Margaret Mitchell verlässt innerhalb weniger Monate eine zweite Ethikexpertin für künstliche Intelligenz das Suchmaschinenunternehmen. Google wirft ihr vor, interne Unterlagen nach außen getragen zu haben.
»Forschungszensur«: Google-Campus in Mountain View

»Forschungszensur«: Google-Campus in Mountain View

Foto: Jeff Chiu / AP

»I’m fired«, twitterte Margaret Mitchell  am Freitag nur, mehr nicht. Mitchell ist damit die zweite führende Forscherin im Bereich der KI-Ethik (künstliche Intelligenz), die Google verlassen muss – innerhalb von nicht einmal drei Monaten. Anfang Dezember traf es bereits Timnit Gebru, die das Ethik-Team zusammen mit Mitchell geleitet hatte. Gebru hatte Google daraufhin Rassismus und Respektlosigkeit vorgeworfen .

Google begründet den Rauswurf von Mitchell nach Angaben von »Axios«  mit »mehrfachen Verletzungen unseres Verhaltenskodexes sowie unserer Sicherheitsvorschriften«. Mitchell habe unter anderem vertrauliche Geschäftsunterlagen und private Daten anderer Angestellter nach außen getragen.

Medienberichten zufolge war Mitchell bereits im Januar suspendiert worden. Danach habe Googles Sicherheitssystem angeschlagen, als es Aktivitäten in Mitchells Arbeitskonto registrierte. Mitchell soll mithilfe eines kleinen Programms ihre E-Mails nach Material durchsucht haben , das mit Timnit Gebrus Vorwürfen zu tun hat.

Pseudonym: Shmargaret Shmitchell

Die beiden Forscherinnen hatten an einem Paper gearbeitet, in dem sie zu einem vorsichtigeren Umgang mit textverarbeitenden KI-Modellen raten, weil diese Modelle einigen bisherigen Studien zufolge unter anderem geschlechtsspezifische Voreingenommenheit aus ihrem Trainingsmaterial übernehmen könnten. Auch Google selbst setzt solche KI-Technik ein, wird aber nicht kritisiert. Google hatte die Freigabe des Papers mit der Begründung abgelehnt, dass dieses die Qualitätsanforderungen des Unternehmens nicht erfüllt habe.

Veröffentlicht wurde es dennoch. Gebru steht zwar namentlich, aber nicht als Google-Mitarbeiterin darauf. Margaret Mitchell nennt sich in dem Paper  Shmargaret Shmitchell, was als Protest gegen Googles Blockade zu verstehen sein dürfte.

Im Streit über das Paper verließ Gebru Google. Sie selbst sagt, sie sei gefeuert worden. Das Unternehmen gibt an, sie habe gekündigt. Unterstützung in Form von Unterschriften gegen Googles angebliche »Forschungszensur« bekam Gebru von Tausenden Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern von Google und anderen Techunternehmen  – und von ihrer Kollegin Mitchell, die Google auf Twitter  für den Umgang mit schwarzen Frauen kritisierte. Eine weitere Kollegin aus dem ehemaligen Team von Gebru und Mitchell sprach am Freitag öffentlich von einer »Schmierkampagne« gegen die beiden .

Google kündigte am Donnerstag an , dass Marian Croak  das Thema »verantwortungsvolle KI-Technik« übernehmen werde. Sie ist Vice President of Engineering und wie Gebru eine schwarze Frau. Jeff Dean, Googles KI-Chef, kündigte laut »Wired« zudem intern an, die Freigabeprozesse von Forschungsarbeiten zu verändern und von Führungskräften Fortschritte im Aufbau einer diversen Belegschaft zu verlangen.

Dean schrieb außerdem, er habe verstanden, dass Googles Umgang manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihrer Zukunft im Unternehmen zweifeln lasse und möglicherweise schwarze Fachkräfte von der Branche abgeschreckt habe. »Wir hätten diese Situation sensibler handhaben können und sollen, das tut mir leid«, heißt es demnach in seinem Memo.

pbe