Mashup Das allerletzte Gotye-Cover

Abschluss eines Internet-Hypes: Der Sänger Gotye hat aus mehr als 100 Cover-Versionen seines Hits "Somebody that I used to know" ein neues - und hoffentlich letztes - Video zusammengeschnitten. Das Ergebnis ist verblüffend, für deutsche Nutzer aber nur über Umwege zu sehen.

Gotye-Video Somebodies (Screenshot): Viel mögen es, aber nicht alle dürfen zuschauen
ebaumsworld.com

Gotye-Video Somebodies (Screenshot): Viel mögen es, aber nicht alle dürfen zuschauen


Now and then I think of when we were together. Like when you said you felt so happy you could die.

Noch ein Cover von "Somebody that I used to know"? Das darf doch nicht wahr sein. Seit der australische Künstler sein 2011 aufgenommenes Lied Anfang des Jahres per YouTube verbreitete, dudelte es monatelang durch die Charts und auch sonst über alle Kanäle - vor allem durchs Netz. Das Lied wurde zum Gassenhauer, in unzähligen Videos gecovert und parodiert. Das Musikfilmchen wurde von A-capella-Gruppen geträllert, von Legomännchen und Muppet-Figuren nachgespielt, immer wieder übersetzt und umgedichtet, bis selbst der größte Fan den Song nicht mehr hören konnte. Erst dann ebbte die Welle langsam ab.

But I'll admit that I was glad that it was over.

Jetzt aber legt der Künstler selbst noch einen drauf - mit dem Cover aller Cover: Aus all den Adaptionen im Netz stellte er ein Mash-up zusammen, eine riesige Collage auf knapp sechs Minuten Länge.

Dieses Machwerk stellte er am Montag auf seiner Web-Seite vor nebst einem Blogeintrag, in dem alle Künstler, die im Video vorkommen, penibel mit Zeitangabe aufgelistet sind, mehr als 100 Referenzen führt er an. Sie alle, die sich vorher durch die Videoplattformen und soziale Netze trällerten, sind jetzt in einem Film zu sehen: die Legomännchen, Darth Vader, ein Chor aus den Niederlanden und ein Mann, der das Lied auf Plastikflaschen pfeift. Es fehlen auch nicht Walk off the Earth, die das Stück zu fünft auf einer einzigen Gitarren spielen und damit so bekannt geworden sind, dass ihr Video selbst mittlerweile mehr als 132 Millionen Klicks hat. Sie wurden ebenfalls vielfach gecovert - unter anderem von Joko, Klaas und Co., die auch zu fünft an einer Gitarre spielen und singen - allerdings, nun ja, nicht ganz so professionell.

And that feels so rough.

"Somebodies: A YouTube Orchestra" nennt Gotye den musikalischen Flickenteppich. Der ist verblüffend leicht zu ertragen, weil das neue Stück kaum noch etwas mit der ursprünglichen Version gemein hat. Die Dynamik ist eine ganz andere, gesungen wird kaum, dafür kommen viele verschiedene Instrumente vor.

Es lässt einen staunen, wie viele Menschen sich im Laufe dieses Jahres an einen Flügel gesetzt, eine Gitarre, eine Harfe oder ein Saxophon in die Hand genommen und dieses Lied einstudiert haben. Es lässt einen schmunzeln, wie viele Menschen sich im vergangenen Jahr halbnackt vor eine Leinwand stellten, um das Video nachzuspielen. Und die es dann aller Welt zeigten, für die vielzitierten 15 Minuten vom Ruhm, der mit der stetigen Wiederholung des Ohrwurms immer weiter schwinden musste.

Now you're just somebody that I used to know.

Gotyes neues Video ist eine Hommage des Künstlers an die Fans, hoffentlich ein Abchluss des Hypes und natürlich ordentlich Werbung für ihn selbst; aber es vermittelt auch eine Botschaft. Es zeigt die Macht und Kreativität des Schwarms, die Schönheit der Kunstform des Mashups, der Adaption, Veränderung und Weiterentwicklung. Es ist ein YouTube-Kunstwerk, ein modernes Puzzle. Der "Remixability" des Materials, der vielen Varianten des gleichen Liedes, habe er einfach nicht wiederstehen können, erklärt Gotye auf seiner Seite.

Gleich nach der Veröffentlichung berichteten mehrere englischsprachige Blogs und Medien über das Filmchen, das auch eine virale Erfolggeschichte erzählt - und zeigen es. Deutsche Nutzer derweil können es über YouTube nicht ansehen. Denn auch wenn fast ausnahmslos jedes Video einzeln abrufbar ist, ist die verquirlte Version gesperrt mit der beinahe schon vertrauten Nachricht: "Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden."

I guess that I don't need that though.

Neugierigen bleibt deshalb nichts anderes übrig als sich das Video auf anderen Kanälen anzusehen, so lange zumindest das funktioniert. Eingebettet ist es zum Beispiel hier auf ebaumsworld.com oder hier auf der Seite der "Herald Sun".

juh



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
davidair 13.08.2012
1. genial
gut gemacht, Gotye. Ehrende Würdigung der Nachahmer. Blöd, daß es trotzdem nicht in D über Youtube zu sehen ist, weil....
Arno Nühm 13.08.2012
2. Andere Wege
Zitat von sysopebaumsworld.comAbschluss eines Internet-Hypes: Der Sänger Gotye hat aus mehr als 100 Cover-Versionen seines Hits "Somebody that I used to know" ein neues - und hoffentlich letztes - Video zusammengeschnitten. Das Ergebnis ist verblüffend, aber wegen der Gema für deutsche Nutzer nur über Umwege zu sehen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,849788,00.html
Was übrigens nicht illegal ist, nur um das mal klarzustellen.
spon-facebook-10000078186 13.08.2012
3. Gema ...
einfach mal youtube unblocker googlen, kurz installieren und man muss sich nicht mehr damit herumschlagen.
dkoedo 13.08.2012
4. die GEMA ist ...
offen gesagt einfach zum Kotzen! Gotye hat die Rechte an dem Stück und damit fertig. Aber so ist das in diesem Land. Gut, dass es Alternativen zum deutschen Yt gibt.
John.Wuk 13.08.2012
5. Wow
Da hatte ich jetzt gleich ein paarmal Gänsehaut
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