Grüner Wahlkampf Guerilla-Clips für die Netzgemeinde

In Werbespots kommen die Grünen ähnlich seriös wie andere Parteien daher. Junge Künstler geben den Ex-Fundis nun Nachhilfe. Zum Spaß fertigten sie teilweise radikale Werbespots, mit denen die junge Webgemeinde zurück ins grüne Boot gelockt werden sollen.

Berlin - Umweltsünden können tödlich enden. Gerade hat sich der sorglose Entsorger einen ruhigen Platz auf einem Parkplatz an einem See gesucht, schon mal fleißig Öl abgelassen und Müll aus seinem Wagen geworfen, als es ihn übel erwischt. Von hinten schlägt ihm eine mannshohe Sonnenblume die Kühlerhaube auf den Kopf, bis er leblos über seinem Auto hängt. Die Blume ist mit ihrem Einsatz sichtlich zufrieden. "Die Natur schlägt zurück", lautet die unzweideutige Message des Werbespots.

Würde das kleine Filmchen der Agentur Erste Liebe Film aus Hamburg zur besten Sendezeit im Fernsehen laufen und später auch das Logo der Grünen inklusive der Bitte um die Stimme am 18. September auftauchen, würde es wohl umgehend Proteste hageln. So bemüht jugendlich sich die Partei auch 25 Jahre nach ihrer Gründung noch immer gibt, so sehr angekommen ist sie im eher betulich provokationsfreien Polit-Business. Für die Wahlwerbespots der Grünen heißt das: Ottfried Fischer scherzt mit Joschka Fischer über die Angst vor der Rückkehr der Vergangenheit. Witzig ist das allemal, doch auch etwas vorsichtiger als randalierende Sonnenblumen.

Skurrile Spots für die Ex-Fundis

Mit etwas mehr Provokation für den grünen Wahlkampf wollen junge Künstler, Werber und Filmemacher kurz vor der Wahl in etwas mehr als zwei Wochen einsteigen. Mit sieben kurzen Spots machen Kreative wie Paul Snowden und mehrere Werbeagenturen ihre ganz eigene, etwas skurrilere Wahlwerbung für die Grünen. Diese ist ausschließlich im Netz unter dem Stichwort "X für Grün" zu sehen. Seit dem Mittwoch ist die Seite www.xfuergruen.de  online, die Filme nach kurzer Download-Zeit zum Anschauen bereit. Ganz bewusst fehlt auf der Seite jedes offizielle Logo der Grünen.

Ausgedacht hat sich die Guerilla-Aktion für die Ex-Fundis der Berliner Medienunternehmer Jacob Bilabel. Nach seiner Zeit als Kommunikationschef beim Plattenriesen Universal bastelt der Kreative zurzeit wieder in seiner eigenen Agentur an emotionalen Werbekonzepten und steht auch der grünen Werbeagentur "Zum goldenen Hirschen" persönlich recht nah. "Normale Wahlwerbung muss schlicht etwas langweiliger sein, weil sie alle ansprechen soll", sagt Bilabel, "doch junge Menschen wollen eben nicht die gleichen Spots sehen, wie der Lehrer mit Mitte 50 irgendwo in Baden-Württemberg". Die Filme auf der Website hingegen richten sich ausdrücklich an die Webgemeinde.

Auf der Seite ist nun ein buntes Sammelsurium aus Filmchen und Animationen zu sehen. Wehleidig beschwert sich das Monster Godzilla über sein Leben als Opfer von Atom-Versuchen in einem Spot. In einem anderen verzweifelt ein CDU-Wahlhelfer an den Versprechen der eigenen Partei und holt sich eine blutige Nase. Politische Inhalte lassen die Filme bewusst aus, mehr als in der normalen Wahlwerbung geht es um Stimmungen und schlicht darum, dass der Zuschauer auch mal lachen kann.

Ein bisschen Geld aus der Parteikasse

Ausgesucht wurden die Spots in einem eilig anberaumten Wettbewerb, bei dem der ehemalige Journalist und Werber Bilabel viele Agenturen ansprach und sie um ihre Ideen für einfallsreichere Spots bat. Am Ende steuerte auch die grüne Parteikasse jeweils 3000 oder 5000 Euro für die Realisierung der kleinen Filmchen bei - bei den meisten deckte das gerade mal die Produktionskosten. "Viele der Agenturen haben die Spots aus purer Sympathie verwirklicht", glaubt Bilabel, "da sie mit der normalen Werbung der Grünen nicht viel anfangen konnten".

Für den Organisator der Aktion zählen nach dem Launch der Internetseite nicht so sehr die Massen an Usern als die Reaktionen. "Wenn wir nur einige Hundert Leute direkt ansprechen können, haben wir unser Ziel schon fast erreicht", sagt Bilabel, "die großen Massen müssen halt weiter Fernsehen schauen".