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17. Mai 2019, 15:15 Uhr

Zum Tod von Grumpy Cat

Die Rolle ihres Lebens

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Grumpy Cat war der Superstar unter den Internetkatzen - und eine Geldmaschine für ihre Besitzerin. Ein Nachruf.

Bis zum Ende musste Grumpy Cat grumpy sein. Manche Sachen bleiben einfach hängen, manchmal ein Katzenleben lang. Die Nachricht vom Tod der Katze wird auf ihrem Twitter-Account eingeleitet mit den Worten: "Some days are grumpier than others".

Im Internet der Nullerjahre setzten sich Katzen sozusagen als eigenes Genre durch. Cat Content war überall, noch bevor irgendjemand daran dachte, Lamas, Alpakas, Flamingos, Capybaras (Wasserschweine), Quokkas oder sonstige Trendtiere der Insta-Ära zu posten.

Bekannte Internetkatzen gibt es viele, verewigt in zahllosen Memes:

Aber Grumpy Cat übertraf sie alle. Grumpy Cat ist der Superstar unter den Internetkatzen - aus einem kleinen Bild von der Internetplattform Reddit wurde perfekt vermarkteter Katzen-Mainstream.

Mit ihr stirbt der weltweit bekannteste Lieferant für Cat Content. Und gleichzeitig die Erinnerung an eine Internetphase, als alles noch nicht so clean war und mit viel Weißraum wie heute. Dafür mit weniger Problemen. Weniger organisierter Hass. Einfach Katzen. Grumpy Cat.

Ironischerweise wurde den Besitzern nach dem Auftauchen des ersten Fotos unterstellt, es gefälscht zu haben. Daraufhin posteten sie ein YouTube-Video, um zu zeigen: Die Katze sieht wirklich so aus.

Das Gesicht, das Grumpy Cat der Welt zeigte, mag immer schlecht gelaunt gewirkt haben. Aber wie es bei vielen Superstars der Fall ist: Das Publikum verkennt sie. Der von ihren Fans und Betrachtern als mürrisch gedeutete Gesichtsausdruck rührt her von einem genetischen Defekt, felinem Kleinwuchs.

Dieser eine Gesichtsausdruck brachte Grumpy Cat ihren Weltruhm ein. Und ihrer Besitzerin viel Geld. Wie viele Millionen Tabatha Bundesen aus Arizona an ihrer Katze verdient hat, weiß man nicht genau. Medien berichteten 2014 von 100 Millionen Dollar. Bundesen dementierte.

Allein von einer Klage gegen die Kaffeefirma Grenade aus dem Jahr 2015 weiß man aber zum Beispiel, dass 150.000 Dollar flossen, um ein Getränk namens "Grumppuccino" verkaufen zu dürfen. Grumpy Cat war da schon längst eine eingetragene Marke. Die Katze hatte auch einen Manager.

Besitzerin Bundesen bemühte sich laut eigener Aussage um Normalität für ihr Haustier und sorgte dafür, dass die Katze "99 Prozent der Zeit eine normale Mieze sein kann". Jede normale Hauskatze hätte ihrem Besitzer trotzdem wohl ordentlich eins gewischt für so viel Herumgezerre. Aber Grumpy Cat schaute weiter, wie sie eben schaut, und ließ alles über sich ergehen.

Nun wurde ihr laut Todesnachricht auf Twitter eine Harnwegsinfektion zum Verhängnis.

Die Katze habe "Millionen von Menschen in aller Welt geholfen zu lächeln, auch in schweren Zeiten." Außerdem steht da: Die tote Katze sei ein geliebtes Familienmitglied gewesen.

Und auch wenn man nur ein stinknormales Exemplar daheim hat, das seine Haare schnurrend auf dem Sofa verstreut: Katzenbesitzer auf der ganzen Welt wissen, was gemeint ist.

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