Nach digitalem Bankraub Hacker setzt 100.000 Dollar Prämie für Angriffe auf Firmen aus

Der berühmt-berüchtigte Hacker Phineas Fisher hat offenbar Dokumente und Geld von einer Offshorebank erbeutet und geleakt. Anderen bietet er jetzt bis zu 100.000 Dollar für ähnliche Angriffe an.
Foto: Nicolas Armer / DPA

Ein wenig erinnert die Idee an Robin Hood: Ein Hacker, der unter dem Pseudonym Phineas Fisher bekannt ist, hat einem "Motherboard"-  Bericht zufolge eine Offshore-Bank gehackt, deren Kundendaten geleakt und bei seinem digitalen Bankraub auch Geld von der Bank erbeutet - das er an andere Hacker weiterverteilen will.

"Motherboard" zufolge wurden über die Plattform "Distributed Denial of Secrets" mehr als 600.000 interne Dokumente wie E-Mails veröffentlicht, die von der Cayman National Bank and Trust auf der Isle of Man stammen, einer britischen Steueroase.

Phineas Fisher bekennt sich zu dem Leak - und er will andere mit einer Belohnung von bis zu 100.000 Dollar dazu motivieren, ebenfalls Firmen mit fragwürdigen Geschäftspraktiken anzugreifen. Sein "Hacktivist Bug Hunting Program" hatte der Hacker in einem am Freitag veröffentlichten Manifest angekündigt, wie "Motherboard " berichtet.

Normalerweise loben Unternehmen solche Prämien-Programme aus, damit Hacker Sicherheitslücken in Programmen direkt sie melden, anstatt sie etwa teuer auf dem Schwarzmarkt weiterzuverkaufen oder auszunutzen. Phineas Fisher will dagegen politisch motivierte Hacks belohnen - also Hackerangriffe oder Datenleaks, die von öffentlichem Interesse sind.

"Ich versuche nicht, jemanden reich zu machen"

"Zu hacken, um Dokumente von öffentlichem Interesse zu erhalten und zu leaken, ist eine der besten Möglichkeiten für Hacker, ihre Fähigkeiten zum Wohle der Gesellschaft einzusetzen", heißt es in dem Manifest. "Ich versuche nicht, jemanden reich zu machen. Ich versuche nur, genug Geld zur Verfügung zu stellen, damit Hacker ein menschenwürdiges Leben führen können, während sie einen guten Job machen." Die Belohnung für erfolgreiche Angriffe soll in Kryptowährungen wie Bitcoin oder Monero ausgezahlt werden.

Phineas Fisher - wer genau sich hinter dem Pseudonym birgt, ist bislang unklar - ist selbst mit solchen politischen motivierten Angriffen bekannt geworden. 2014 bekannte Phineas Fisher sich zu einem Datenleak rund um die Gamma Group, den Hersteller des umstrittenen Spionageprogramms FinFisher, mit dem Regierungen und Polizeieinheiten unter anderem Journalisten, Aktivisten und Regimekritiker ausspioniert haben.

Informationen wie Kundennamen, Handbücher und Preise wurden veröffentlicht, ergänzt um ein Tutorial, das andere zum "Hackback" anregen sollte. Phineas Fisher soll auch hinter dem Angriff auf den italienischen Spionagesoftwarehersteller Hacking Team stecken und auch gegen die türkische Regierungspartei vorgegangen sein. Der Hack auf die Offshore-Bank erfolgte dem Manifest zufolge bereits 2016, Phineas Fisher will dabei "ein paar Hunderttausend Dollar" erbeutet haben.

Update 19.11.2019:

Die von dem Leak betroffene Bank hat den Hackerangriff nun bestätigt. "Es ist bekannt, dass die Cayman National Bank (Isle of Man) Limited eine von mehreren Banken war, die von derselben Hackeraktivität betroffen war", teilte die Bank "Motherboard " am Montag in einer Stellungnahme mit. Es laufe derzeit eine Ermittlung, die Bank kooperiere mit den Strafverfolgungsbehörden.

sop
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