Zoombombing Hacker stören Gerichtsanhörung des mutmaßlichen Twitter-Hackers - mit einem Pornovideo

Eine Anhörung im Fall des 17-Jährigen, der die Twitterkonten von Prominenten gehackt haben soll, wurde per Zoom durchgeführt. Doch das Gericht hatte es versäumt, die Videokonferenz abzusichern.
Zoombombing hat dafür gesorgt, dass eine gerichtliche Anhörung abrupt abgebrochen wurde

Zoombombing hat dafür gesorgt, dass eine gerichtliche Anhörung abrupt abgebrochen wurde

Foto: Albert Gea/ REUTERS

Eine Online-Gerichtsanhörung in den USA zum Fall des groß angelegten Hackerangriffs auf Twitter-Konten von Prominenten ist durch die Einblendung von Rapmusik und Pornografie gestört worden. Die Anhörung am Mittwoch fand über die in der Coronakrise populär gewordene Plattform Zoom statt. Die Störungen waren jedoch so häufig, dass der Richter die Anhörung zeitweise aussetzte und schließlich sogar beendete, wie unter anderem die "Tampa Bay Times" berichtete .

Bei den Störungen handelte es sich um sogenannte Zoombombing-Attacken. Dabei wählen sich Hacker in eine Videokonferenz ein und spielen über ihre Bildschirmfreigabe beliebige Videos ab - in diesem Fall unter anderem eine Oralsexszene aus einem Pornhub-Clip.

Zoom bietet Möglichkeiten, sich gegen Zoombombing-Angriffe zu schützen. Eine davon ist ein Warteraum, in dem neue Meeting-Teilnehmer warten müssen, bis sie vom Organisator des Videoanrufs für die Teilnahme bestätigt wurden. Das Gericht in Florida hatte diese Option offenbar nicht aktiviert. Je nach Kontoeinstellungen müssen Nutzerinnen und Nutzer diese Funktionen allerdings meist selbst aktivieren.

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In dem Termin ging es um die Höhe der Kaution für den 17-jährigen mutmaßlichen Drahtzieher. Diese war auf 725.000 Dollar (630.000 Euro) festgesetzt worden, was die Anwälte des Teenagers für zu hoch hielten. In der Anhörung versuchten sie, eine Reduzierung zu erreichen. Nach der zeitweiligen Unterbrechung entschied der Richter jedoch, dass die Höhe der Kaution nicht verringert wird.

Der 17-Jährige war am Freitag in Tampa im Bundesstaat Florida festgenommen worden. Er wurde von den Ermittlern als der "führende Kopf" hinter dem Hackerangriff bezeichnet, bei dem unter anderem die Twitter-Konten von Ex-US-Präsident Barack Obama, Microsoft-Gründer Bill Gates und Tesla-Chef Elon Musk für einen versuchten Bitcoin-Betrug gekapert worden waren. Auf ihren Twitterfeeds war ein Aufruf erschienen, binnen 30 Minuten Bitcoins zu überweisen. Angeblich sollte dies mit einer Rückzahlung in doppelter Höhe belohnt werden. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Beschuldigten so Kryptowährung im Wert von mehr als 100.000 Dollar erbeutet haben.

Gegen den 17-Jährigen wurden 30 Anklagepunkte eingereicht, unter anderem Betrug in zahlreichen Fällen, Missbrauch persönlicher Daten und unerlaubtes Eindringen in Computersysteme. In einer Anhörung am Dienstag plädierte der junge Mann auf nicht schuldig. Zusammen mit ihm werden auch ein 19-Jähriger aus Großbritannien und ein 22-Jähriger aus Orlando in Florida beschuldigt.

afp/hpp
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