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01. Dezember 2014, 12:03 Uhr

FBI ermittelt

Hacker stellen unveröffentlichte Sony-Filme ins Netz

Hacker haben bei Sony Pictures mindestens fünf neue Filme entwendet und über eine Filesharing-Plattform zugänglich gemacht. Jetzt ermittelt die amerikanische Bundespolizei.

Die Hacker-Gruppe "Guardians of Peace" (GOP) hat ihre Drohung wahr gemacht und bislang geheime Daten aus Sonys Firmencomputern ins Netz gestellt. Darunter sind mindestens fünf neue Filme von Sony Pictures Entertainment (SEP), vier davon bislang unveröffentlicht. Sie sind in den letzten Stunden auf Filesharing-Plattformen aufgetaucht und können damit von allen Internetnutzern heruntergeladen werden. Bei den Dateien handelt es sich offenbar um Kopien sogenannter DVD-Screener: DVDs, die zum Beispiel Prüfkomitees zur Alterseinstufung oder Preisvergabe vorgelegt werden.

Laut "Variety" geht es um die Filme "Annie", "Fury", "Mr. Turner", "Still Alice" und "To Write Love on Her Arms". "Annie" zum Beispiel soll in Deutschland erst am 25. Dezember 2014 anlaufen. Über 200.000 Mal, so die Antipiraterie-Firma Excipio, sei der Film aber mittlerweile schon heruntergeladen worden. Der Kriegsfilm "Fury" ("Herz aus Stahl") sei seit dem Leak sogar schon mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden. Offizieller Filmstart in Deutschland: 1. Januar 2015.

Angeblich eine Datenmenge von 11.000 Gigabyte erbeutet

Der Hacker-Angriff auf das Sony-Studio wurde offenbar spektakulär inszeniert. Ein Screenshot macht derzeit im Netz die Runde, mit einem Bild, das angeblich am 24. November auf den Monitoren des Unternehmens erschien. Darauf ist ein Skelett zu sehen und ein Erpresserbrief in holprigem Englisch: "Gehackt von #GOP / Warnung: Wir haben Euch gewarnt - und das ist erst der Anfang. Wir machen weiter, bis unsere Forderungen erfüllt sind. Wir haben all Eure internen Daten erbeutet, inklusive Eurer Geheimnisse. Wenn Ihr uns nicht gehorcht, werden wir die unten stehenden Daten der Welt zugänglich machen. Entscheidet selbst, was Ihr bis zum 24. November, 23 Uhr, tun werdet."

Wer sich hinter den selbsternannten "Guardians of Peace" verbirgt und was ihre Absichten sind, bleibt weiterhin unklar. Auch, welche Daten tatsächlich abhandengekommen sind: Angeblich erbeutete die Hackergruppe bis zu 11.000 Gigabyte, eine riesige Datenmenge. Bislang haben der oder die Hacker eine Datei mit zwei langen Textlisten veröffentlicht. Man kann in den meisten Fällen nur raten, was sich dahinter verbirgt. "Ars Technica", "Torrentfreak" und einige Nutzer bei "Reddit" haben sich an einer Aufstellung der gestohlenen Dateien versucht.

Derweil hat SEP eine Datenforensik-Firma mit der Analyse des Einbruchs eingeschaltet. Auch das FBI ermittele, heißt es bei "Reuters". Eine Stellungnahme zum Ausmaß des Schadens und der Ermittlungen steht derzeit noch aus. "NBC News" zitiert allerdings eine Sony-Sprecherin, es handele sich um eine Straftat, und man arbeite deshalb in dieser Sache eng mit den Strafverfolgern zusammen.

kno

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