Hackerangriffe als Risiko Versicherer machen mit Cyberpolicen erstmals Verluste

2021 war für Unternehmen, die in Deutschland Versicherungen gegen Hackerattacken anbieten, kein gutes Jahr. Laut Verbandsangaben standen in dieser Sparte jedem eingenommenen Euro höhere Ausgaben gegenüber.
Mann vor seinem Rechner: Die Cyberversicherer zahlten für knapp 3700 Schäden rund 137 Millionen Euro

Mann vor seinem Rechner: Die Cyberversicherer zahlten für knapp 3700 Schäden rund 137 Millionen Euro

Foto: Silas Stein / dpa

Die deutschen Versicherer haben mit Cyberpolicen nach Daten ihres Branchenverbandes GDV  im vergangenen Jahr zum ersten Mal rote Zahlen geschrieben. Die Schaden-Kosten-Quote, die die Schadenzahlungen und Verwaltungskosten den Beitragseinnahmen gegenüberstellt, habe sich 2021 angesichts zunehmender Hackerangriffe auf 124 Prozent fast verdoppelt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen. Eine Schaden-Kosten-Quote von mehr als hundert Prozent weist auf operative Verluste hin.

Die Cyberversicherer zahlten den Angaben zufolge für knapp 3700 Schäden rund 137 Millionen Euro, rund dreimal so viel wie 2020. Dazu kamen Schäden aus den Vorjahren, für die zusätzliche Rückstellungen gebildet werden mussten, sowie Abschluss- und Verwaltungskosten. Dem standen Beiträge in Höhe von 178 Millionen Euro gegenüber. »Einzelne Cyberattacken hatten besonders schwerwiegende Folgen und führten jeweils zu Kosten im oberen einstelligen Millionenbereich«, sagte Asmussen.

Die Goldgräberstimmung ist vorbei

Cyberversicherungen galten für viele Unternehmen als Wachstumsmarkt. Angesichts steigender Schäden schrecken einige Versicherer inzwischen aber vor der Zeichnung neuer und großer Risiken zurück oder machen den Versicherten hohe Auflagen.

Die Nachfrage bleibt laut dem GDV aber hoch. Ende 2021 besaßen demnach 243.000 Kunden in Deutschland eine Cyberversicherung, ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr 2022 sei die Zahl der Verträge in ähnlichem Maß gestiegen. Zugleich seien »spürbar weniger Schäden entstanden«, sagte Asmussen. Starke Schwankungen seien für einen jungen Markt nicht ungewöhnlich, Kunden und Versicherer sammelten noch Erfahrungen.

In die GDV-Statistik fließt das inländische Direktgeschäft von derzeit 39 Unternehmen ein, die sich an der Statistik beteiligen. Im Jahr 2020 hatte die Schaden-Kosten-Quote bei etwa 65 Prozent gelegen, damals basierte sie auf den Angaben von 33 Versicherern.

mbö/Reuters
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