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29. Juli 2017, 16:36 Uhr

Warnung des TÜV

Kaum eine deutsche Firma ausreichend auf Hackerangriffe vorbereitet

Deutsche Unternehmen schützen sich laut einem Medienbericht nicht genug vor Cyberangriffen. Zu diesem Ergebnis kommt der TÜV und beklagt: Die Chefs der Firmen hätten vom Thema zu wenig Ahnung.

Nur drei Prozent aller deutschen Unternehmen sind ausreichend auf Hackerangriffe vorbereitet. Viele Firmen hätten nicht einmal das Nötigste unternommen, um sich zu schützen, sagte Dirk Kretzschmar, Geschäftsführer der TÜV Informationstechnik (TÜViT), der "Welt am Sonntag". TÜViT ist das IT-Sicherheitsunternehmen des TÜV-Nord und testet für Firmen deren digitale Infrastruktur.

Unternehmen sollten laut TÜViT wissen, welche Dienstleistungen und Geschäftsbereiche sie besonders schützen müssten. "Leider haben viele Unternehmen bis heute keine Antwort darauf", sagte Kretzschmar. Bis in die Führungsetagen fehle das Verständnis dafür, welche Gefahren durch die zunehmende Vernetzung drohten.

Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen gibt es tagtäglich. Mehr als jedes zweite Unternehmen ist in den vergangenen zwei Jahren aus dem Internet angegriffen worden, zeigte vor wenigen Tagen eine repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom. Der Schaden ist enorm: rund 55 Milliarden Euro jährlich.

Industrie 4.0 als neue Gefahr

Jede fünfte der befragten Firmen gab demnach an, dass Mitarbeiter beeinflusst worden seien, um an Informationen zu kommen ("social engineering"). 17 Prozent eklärten, dass sensible Daten tatsächlich gestohlen worden seien, 12 Prozent der Firmen erlebten, dass digitale Sabotageakte die Produktion störten.

Der TÜV sieht eine neue Gefahr nun in der vernetzten Industrie, der sogenannten Industrie 4.0. Dabei werden Maschinen in der Produktion an ein Computernetzwerk angeschlossen, um zum Beispiel Informationen zum Zustand der Bauteile weiterzugeben.

Unternehmen gewährten dabei Dienstleistern Fernzugriff zum Firmennetz, damit diese Fertigungsanlagen oder Fahrkartenautomaten warten könnten. "Das ist ein riesiges Einfallstor für Cyberangriffe", sagte TÜViT-Chef Kretzschmar.

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