Hamburg Staatsanwaltschaft versteigert Tatwaffen im Internet

Absurd und peinlich: Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat beschlagnahmte Messer und Baseballschläger im Internet versteigert. Justizsenator Lüdemann spricht von einer "gedankenlosen und völlig indiskutablen" Aktion - und wird von der Opposition scharf kritisiert.


Das Angebot war reichhaltig: Messer, Baseballschläger und Spraydosen hat die Staatsanwaltschaft Hamburg im Internet über eine Seite des Zolls versteigert - dabei handelte es sich um von der Polizei sichergestellte Waffen und Gegenstände.

Justizsenator Carsten Lüdemann bestätigte heute entsprechende Presseberichte. In welchem Umfang und über welchen Zeitraum dies geschehen sei, konnte seine Sprecherin auf Anfrage nicht sagen. Lüdemann erklärte jedoch, der Chef der Staatsanwaltschaft habe die "gedankenlose und völlig indiskutable Aktion" inzwischen gestoppt.

Die Opposition kritisierte den CDU-Politiker scharf. Dass die ihm unterstellte Behörde Waffen "wieder unters Volk bringt, die die Polizei in nicht ungefährlichen Einsätzen aus dem Verkehr zieht", sei der "Gipfel an Absurdität", erklärte die GAL-Bürgerschaftsfraktion. Diese "nicht hinnehmbare politische Instinktlosigkeit" belege, dass der Senat "die politische Ächtung von Waffen offenbar nicht ernst" meine, kritisierte die SPD-Fraktion. Seit Mitte Dezember gilt in Hamburg ein Waffentrageverbot rund um die Reeperbahn und im Stadtteil St. Georg.

Lüdemann betonte, auch er halte das Vorgehen der Staatsanwaltschaft für "vollkommen inakzeptabel". Es spreche "sowohl ihrer Rolle als Strafverfolgungsbehörde als auch dem Gedanken des Opferschutzes Hohn". Während sich der Senat für einen besseren Opferschutz und gegen die Gewaltkriminalität einsetze, "hat die Staatsanwaltschaft Tatwaffen verscherbelt".

Die SPD erklärte, offenbar sei Lüdemann "seinem verantwortungsvollen Amte nicht gewachsen". Er war erst einige Tage zuvor wegen falscher Statistiken über die Haftstrafen jugendlicher Gewalttäter in die Kritik geraten. SPD und GAL wollen nun mit Anfragen an den Senat unter anderem herausfinden, wie viele Messer von der Staatsanwaltschaft bereits versteigert, welche Einnahmen damit erzielt wurden und wer von dem Vorgehen wusste.

In der Hansestadt versucht die Polizei zur Zeit, mit einem harten Kurs die Gewaltkriminalität einzudämmen, etwa durch Taschenkontrollen an der Amüsiermeile Reeperbahn. Dort war vor wenigen Wochen nach blutigen Messerstechereien ein Waffenverbot erlassen worden. Die Polizei soll dort Messer und andere Waffen beschlagnahmen.

In Hamburg finden am 24. Februar Bürgerschaftswahlen statt.

hen/AFP/AP



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