Handel mit Webadressen Rosenkrieg um zwei Millionen Domains

Die Eigentümer des Domain-Registrars Registerfly liefern sich nach dem Ende ihrer Beziehung eine Schlammschlacht. Folge: Tausende von Kunden haben laut Internet-Verwaltung ICANN ihre Webadressen verloren. Trotzdem kann die Firma noch mindestens bis Ende April weitermachen.

Zehn Jahre lang waren sie ein Liebespaar. Sieben Jahre lang haben sie den amerikanischen Domain-Registrar Registerfly geleitet, etwa zwei Millionen Webadressen für Kunden registriert, einige auch für die thailändische Regierung. Heute sind John Naruszewicz und Kevin Medina geschäftlich und privat geschiedene Leute, kämpfen um die Kontrolle ihrer Firma. Die Folge: "Hunderte, vielleicht Tausende von Domains sind verloren", sagt Jason Keenan, Sprecher der Internet-Verwaltung ICANN zu SPIEGEL ONLINE.

Seit Februar hindert Registerfly seine Kunden mit verschiedenen Tricks daran, Domains an andere Verwalter zu übertragen. Außerdem berichten Kunden in ihren Beschwerden an ICANN, dass Registerfly ihre Domains nicht erneuert, obwohl sie dafür bezahlt haben. Die Folge: Sobald eine Registrierung auslief, schnappten sich Spekulanten binnen Sekunden die Domains. Wegen dieser unsauberen Geschäftsgebaren droht ICANN Registerfly seit Februar mit dem Entzug der Akkreditierung als Domain-Registrar. Doch auf der Internetseite von Registerfly können Kunden noch immer Domains bestellen und noch immer stellt die Firma sich als von ICANN akkreditierter Registrar dar.

ICANN: Wir können Registerfly jetzt nicht stoppen

Registerfly kann so weitermachen, mindestens noch bis Ende dieses Monats. Dann läuft ein von Registerfly beantragtes Schlichtungsverfahren über den Akkreditierungs-Entzug aus. ICANN-Sprecher Keenan dazu: "Das ist ihr Recht gemäß dem Akkreditierungs-Vertrag zwischen Registerfly und uns. Würde ICANN diesen Vertrag nicht einhalten, könnte Registerfly womöglich auf unbestimmte Zeit weiter im Geschäft bleiben."

Dabei sind Unregelmäßigkeiten bei Registerfly ICANN mindestens seit dem vorigen Jahr bekannt. Die Internet-Verwaltung räumt selbst ein, zahlreiche Beschwerden erhalten zu haben. Ein Beispiel: Ein Kunde bemerkte, dass Registerfly bei seinen 220 Domains nicht ihn, sondern Registerfly-Geschäftsführer Kevin Medina als Inhaber eingetragen hatte. ICANN diskutierte diese Vorfälle mit Registerfly. Ergebnis: Das Unternehmen gelobte Besserung.

6000 Dollar aus der Firmenkasse fürs Fettabsaugen

Doch davon spürten Kunden wenig. Wegen wiederholter Beschwerden beendete im Februar das Unternehmen eNom die Zusammenarbeit mit Registerfly, bis dahin hatte eNom die technische Verwaltung der bei Registerfy bestellten Domains übernommen. Seitdem kämpfen John Naruszewicz und Kevin Medina um die Kontrolle bei Registerfly. Jedem von ihnen gehören 50 Prozent. Bisherige Höhepunkte des schmutzigen Rosenkriegs: Medina wirft Naruszewicz vor, seit ihrer Trennung "labil und feindselig" zu sein.

Naruszewicz klagt gegen Medina. Vorwurf: Medina habe Firmengelder veruntreut - fürs Fettabsaugen (6000 Dollar), für einen Chihuahua-Hund (6000 Dollar), ein Apartment in Miami (10000 Dollar Monatsmiete) und die Dienste eines Begleitservices (27000 Dollar). Medina kontert: Sein Ex-Freund habe für 60000 Dollar aus der Firmenkasse marokkanische Möbel gekauft. Amüsant für Außenstehende, erschreckend für Registerfly-Kunden.

Bisher kein vergleichbarer Fall in Deutschland

Einen mit dem Registerfly-Debakel vergleichbaren Fall hat es bei .de-Domains bislang nicht gegeben, sagt Klaus Herzig, Sprecher der zentralen Registrierungsstelle für alle deutschen Internet-Domains DENIC. Natürlich kam es schon vor, dass Unternehmen, die Domains anbieten und von DENIC-Mitgliedern verwalten lassen, Insolvenz anmelden mussten. Doch bei den Pleiten solcher Domain-Reseller greift das Domain-Transit-Verfahren der DENIC: Die Domain-Inhaber werden angeschrieben, informiert und aufgefordert, ihre Domains wieder von einem DENIC-Mitglied oder der DENIC selbst verwalten zu lassen bzw. sie zu löschen.

"Wir haben im Monat mehrere Zehntausend solcher Transit-Verfahren. Insolvenzen sind aber nur selten der Grund, warum eine Domain in den Transit gelangt. Meist liegt es daran, dass die Domain-Verwalter die Inhaber nicht erreichen können, weil diese zum Beispiel bei einem Umzug ihre neue Adresse nicht mitgeteilt haben." Einen Domain-Transit wegen unsauberer Geschäftsgebaren gab es bei der DENIC noch nie. "Denn unsere Mitglieder arbeiten nicht unsauber", so Herzig.

"Millionen von Domains werden verloren sein"

In den Vereinigten Staaten läuft es anders, ein Ende des Rosenkriegs um Registerfy ist nicht so bald abzusehen. Seit dem 8. März kontrolliert Kevin Medina allein die Firma, ein Bezirksgericht hat ihm die Verfügungsgewalt zugesprochen. John Naruszewicz will das Urteil nicht anfechten. Er kommentierte es im Wirtschaftsmagazin Business Week so: "Die Firma wird in wenigen Tagen zusammenbrechen und Millionen von Domains werden verloren sein." Das war vor vier Wochen. Registerfly ist noch immer online.

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