Handelsstreit mit den USA Welthandelsorganisation erlaubt Karibikinsel das Raubkopieren

Ein Streit um Glücksspiele könnte ein legales Raubkopie-Portal zur Folge haben: Weil die USA gegen virtuelle Casinos des Inselstaats Antigua und Barbuda vorgegangen sind, erlaubt die Welthandelsorganisation nun den Bruch des Copyrights als Wiedergutmachung.
Karibikinsel Antigua: Die erste staatliche betriebene "Piratenseite"?

Karibikinsel Antigua: Die erste staatliche betriebene "Piratenseite"?

Foto: JEWEL SAMAD/ AFP

Ein Download-Portal für Hollywood-Blockbuster, aktuelle Chartsongs und E-Books, sämtliche dieser an sich illegalen Inhalte zum legalen Herunterladen: Dafür hat die Welthandelsorganisation WTO dem karibischen Inselstaat Antigua und Barbuda jetzt die Erlaubnis erteilt. Durch die Aussetzung der amerikanischen Copyright-Ansprüche könnte demnächst vielleicht die erste staatlich betriebene Piratenseite in Betrieb gehen, wie "TorrentFreak" berichtet .

Ein Repräsentant Antiguas erklärte gegenüber der britischen Ausgabe von "Wired" , zum jetzigen Zeitpunkt könnten noch keine Details genannt werden, wann so eine Website ihre Aktivitäten aufnehmen werde. Vorerst wird diese Möglichkeit als Druckmittel eingesetzt: "Wir arbeiten auf jeden Fall daran, wir hoffen, dass die USA fair und anständig verhandeln, so dass wir am Ende nicht zu diesem allerletzten Mittel greifen müssen."

Denn eigentlich geht es um Glücksspiel. Mit Online-Casinos macht der kleine Staat schon seit Jahren gutes Geld, doch in den Augen der US-Behörden sind diese Angebote illegal. Die Bekämpfung des Glückspiels durch das unfaire Gebaren der USA habe die Branche im Lande "verwüstet", beklagte Antiguas Finanzminister Harold Lovell: "Das aggressive Vorgehen gegen Antiguas Online-Glücksspiel hat zum Verlust Tausender gutbezahlter Arbeitsplätze und der Beschlagnahme von Milliarden von Dollar durch die Amerikaner geführt, die den Betreibern und ihren Kunden gehören."

Seit zehn Jahren liegt der Fall der WTO vor, die schließlich zugunsten Antiguas entschieden hatte. Die in solchen Fällen übliche Kompensation der entstandenen Schäden durch Strafzölle ist für den kleinen Inselstaat keine Lösung. Mit gerade einmal 85.000 Einwohnern sind die Importraten viel zu gering, um hier nennenswerte Beträge zu erzielen. Daher gestand die WTO Antigua am Montag die Nutzung von geistigem US-Eigentum in einem Gegenwert von bis zu 21 Millionen Dollar zu. Die könnten zum Beispiel über den Verkauf von Flatrates für ein Downloadportal eingenommen werden.

Um den Schaden für die US-Seite möglichst groß zu halten, könnte Antiguas Regierung ein Portal etablieren, dessen Nutzer jeweils nur einen winzigen, symbolischen Betrag für einen Film oder eine Serienepisode entrichten müssten. So würde wohl die 21-Millionen-Dollar-Grenze erst nach langer Zeit erreicht. Die US-Regierung hätte nach internationalem Recht keinerlei Möglichkeit, eine entsprechende Seite abschalten zu lassen, mutmaßt die "New York Times" . Die Zeitung zitierte Handelsexperten mit dem Hinweis, die USA selbst hätten für den WTO-Mechanismus gesorgt, demzufolge Handelsverstöße in einer Branche mit Strafzöllen gegenüber einer völlig anderen geahndet werden könnten.

Offenbar setzt Antigua darauf, dass die amerikanische Filmindustrie nun Druck auf den Kongress ausübt, damit das Parlament US-Bürgern die Nutzung ausländischer Online-Casinos erlaubt.

meu
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