Foto-App "Pixel+ Camera" Besser ohne Automatik

Mit dem iPhone Fotos machen, die aussehen wie von einer Spiegelreflexkamera? Die Entwickler von "Pixel+ Camera" behaupten, mit ihrer Software sei das möglich. Wir haben es ausprobiert.

SPIEGEL ONLINE

Von


Filter, Farbkorrekturen und künstliche Unschärfe sind für die meisten Handy-Fotografen heute keine schwere Übung mehr. Was mit der Smartphone-Kamera geht, gibt es bereits - sollte man meinen. Dennoch erscheinen immer wieder neue Kamera-Apps. So wie die 1,99-Euro-App "Pixel+ Camera" für iOS.

Es dauert etwas, bis man sich in deren Menüs zurechtfindet. Der voreingestellte Automatikmodus erinnert an Apples Kamera-App, nur der Helligkeitsregler über dem Auslöser fällt als Besonderheit auf. Den gibt es zwar in der vorinstallieren App auch, er ist dort aber nicht so leicht zu finden: Da muss man erst das Fokus- und Belichtungsquadrat festlegen, ehe man durch auf- und abwischen die Helligkeit einstellen kann.

Diese komplizierte Art der Bedienung gibt es bei "Pixel+ Camera" auch, nur wird hier nicht die Helligkeit, sondern die Schärfeebene auf diese Weise festgelegt. Und das erweist sich als ziemlich praktisch: Bei den meisten Kamera-Apps wird der Fokus durch Antippen festgelegt. Ist das Objekt, auf das man fokussieren möchte sehr klein, kann das eine friemeligen Aufgabe sein. Die App bietet also die Möglichkeit, sehr präzise zu fokussieren und alleine dadurch hat sich der Kaufpreis fast schon rentiert.

Dringt man tiefer in die Menüstruktur vor, entdeckt man acht verschiedene Aufnahme-Modi. Darunter solche für Landschaftsaufnahmen, Bilder mit minimaler Schärfentiefe und einen Nacht-Modus. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit "manuell" zu fotografieren. Das heißt beim iPhone, ISO (40 bis 2000) und Verschlusszeit (1/4000s bis 1/5s) können reguliert werden, die Blende ist nicht veränderbar.

Schnell und bequem

Fotoprofis werden diese Funktionen eher nicht beeindrucken, aber für Laien dürfte die App eine einfache Möglichkeit sein, fotografische Effekte für ihre Aufnahmen zu nutzen. Insbesondere, weil man das Ergebnis schon vor dem Druck auf den Auslöser auf dem Display sehen kann. Zusätzlich lassen sich die Aufnahmen mit 30 unterschiedlichen Filtern verfremden.

Mit diesem Funktionsumfang wird "Pixel+ Camera" vermutlich keine der etablierten Apps ersetzen können. Dennoch haben die Entwickler etwas geschaffen, das man bei dem riesigen Angebot an Kamera-Apps fast nicht mehr für möglich gehalten hätte: Eine gute Ergänzung. Vor allem Nutzer, die sich mit den Kniffen der Standard-Foto-App nicht auskennen, kann sie helfen, schnell und bequem zu guten Ergebnissen zu kommen.

"Pixel+ Camera" gibt es nur für iOS. Der Download kostet 1,99 Euro.



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gerdd 03.05.2016
1. Alles gut und schön ...
... aber den Durchbruch für Handykameras könnte man eigentlich nur durch zwei Features erzielen, und die kann man nach heutigem Stand der "Wissenschaft" nicht nur durch Software erzielen, insbesondere, wenn die Kamera anscheinend eine feste Blendeneinstellung hat. Das eine wäre eben eine weit zu öffnende Blende, um die Schärfezone möglichst flach anzulegen - das ist bei den im Handy üblichen extrem kurzen Brennweiten eh' schon praktisch unmöglich. Das andere wäre eine kräftige quasi-optische Zoomfunktion - die würde es eben ermöglichen, ferne Objekte herbeizuvergrößern, ohne dabei die Auflösung zu reduzieren. Wenn man keine Zoom-Optik einbaut, dann muß man wenigstens eine zur Mitte hin progressiv höhere Pixeldichte im Sensor realisieren. Es wäre dann auch schön, wenn das "Herbeizoomen" dann auch - wie in richtigen Fotoapparaten - die Schärfentiefe reduzieren würde. Das wäre aber bei der angeregten Lösung wohl nicht der Fall. Bliebe nur noch eins - und das könnte man eventuell doch mit Software lösen: Eine intelligente Bildanalyse-Funktion, die sich überlegt, welche Bildteile wohl außerhalb der gewünschten Schärfeebene lägen, und diese dann mit einem Unschärfe-Filter belegt. Sonderwunsch des Kreativ-Direktors: Wählbares Bokeh!
mactor2 03.05.2016
2. @gerdd
Verstehe Ihren ersten Einwand nicht. Gute Handykameras haben schon eine weit geöffnete Blende. 1.7 oder 1.8 ist doch schon offener als man eine feste Blende oft braucht. Schärfentiefe lässt sich optisch schon so seit ein, zwei Jahren herstellen. Wahrscheinlich kommen bald welche mit 1.4 raus aber das ist dann schon arg offen. Ihr zweiter Tipp wäre ne gute Idee aber ich denke das Objektiv und Chip muss dann deutlich grösser werden. Man bekommt eben nur bedingt ausreichend Licht durch so ein kleines Miniobjektiv. Gerade wenn man noch mehr Licht gescheid in der Mitte bündeln will. Ansonsten ist dieses vorgestellte App wieder mal nur neu für iOS Leute. So lange ein iPhone auch keine RAW Fotos oder gar Langzeitbelichtungen bis 30 Sekunden macht wie z.B ein LG4 aus dem letzten Jahr ist ein manueller Modus nur vorgetäuscht. Etwas mit Belichtungzeiten spielen für 1,99 Euro. Oder gleich ein Samsung S7 kaufen. Brilliante Fotos wie es wohl auch das neue kleine iPhone nicht können wird. So lange ein Smartphone egal welche Marke keine anständige Optik für entfernte Motive hat wird man auch noch gute Fotoapparate benötigen...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.