Hautkrebs-Erkennung Liebe Leserin, lieber Leser,

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vergangene Woche veröffentlichten Heidelberger Forscher die Daten einer Studie, in der sie herausgefunden haben, dass eine Software Hautärzte bei der Diagnose von Melanomen aussticht.

Sowohl die Fachärzte von verschiedenen deutschen Universitätskliniken als auch die von den Heidelbergern entwickelte, auf maschinellem Lernen beruhende Software beurteilten 100 Bilder danach, ob es sich um ein harmloses Muttermal oder schwarzen Hautkrebs handelt. Am Ende war die Software meist präziser als die menschliche Diagnostik: Nur sieben der 157 Universitäts-Dermatologen schnitten besser ab als der Algorithmus, 14 erzielten gleich gute Ergebnisse und 136 hatten schlechtere Diagnoseergebnisse .

Nun verkündete ausgerechnet die Uniklinik Heidelberg vor ein paar Wochen eine angebliche Weltsensation auf dem Gebiet der Brustkrebs-Diagnostik, die sich hinterher zu einem PR-Desaster entwickelte . Auch an der Hautkrebs-Software ist das Klinikum über eine Gemeinschaftseinrichtung mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe beteiligt.

Im Fall der Hautkrebs-Formel kann jedoch vorerst Entwarnung gegeben werden: Die Daten wirken nicht übertrieben; vielmehr sind sie nur eine weitere Bestätigung für längst Bekanntes. Gute Software ist Menschen in der Mustererkennung von Hautkrebs oft überlegen.

Schon 2013 gab es Publikationen, wie man Melanome mittels Smartphone-Apps erkennen kann, wenngleich der frühen Software noch viele Fehldiagnosen unterliefen . 2017 gelang der Durchbruch und eine der bisher bedeutendsten Lektionen für die Medizin in Sachen Deep Learning , also der Nutzung von künstlichen neuronalen Netzen: Ein Algorithmus mit dem Namen "GoogleNet Inception v3 CNN" wurde mit 1,28 Millionen nicht medizinischen Bildern trainiert, es folgten knapp 130.000 Fotos von 2032 Hautkrankheiten, die wiederum mit Biopsien abgeglichen worden sind. 20 Hautärzte der Uni Stanford traten gegen das System an - Dr. Software schlug jeden einzelnen.

Auch die Heidelberger Forscher benutzten einen CNN-Algorithmus. Die Abkürzung steht für Convolutional Neural Network, das ist eine bestimmte Architektur künstlicher neuronaler Netze.

Die meisten Hautprobleme werden von Nicht-Dermatologen - etwa Allgemeinmedizinern - befundet, die Fehlerquote wird mit bis zu 50 Prozent angegeben. Melanome haben gute Heilungschancen, wenn sie früh erkannt werden und keine Metastasen in Lymphknoten oder anderswo im Körper gebildet haben. Danach allerdings stehen die Heilungschancen schlecht.

Noch kann Software nicht alles, was Dermatologen diagnostisch auf Lager haben. Dennoch wird Dermatologie neben der Radiologie und Pathologie zu einem der Kernanwendungsfelder von maschinellem Lernen in der Medizin werden.

Seltsame Digitalwelt: Plauderei übers Smartphone

Neulich wartete ich auf jemanden und beobachtete unweit des Charité-Campus in Berlin-Mitte das Gespräch zwischen einem offenbar Wohnsitzlosen und einem Passanten. Der Fußgänger wollte dem kauernden Mann Geld geben, zunächst aber mit ihm sprechen. Das gestaltete sich schwierig, denn der Obdachlose verstand kein Deutsch. Mittels Google Translate auf dem Handy des Passanten versuchten sich die beiden zu verständigen.

Als die Sprache endlich identifiziert war, führten die Männer ein längeres Gespräch über die App - es schien ihnen Spaß zu machen. Nach etwa zehn Minuten ging der Mann, hinterließ seinem Gesprächspartner einige Münzen. Der schaute ihm mit einem Lächeln nach.

App der Woche: "Photographs - Puzzle Stories"
getestet von Tobias Kirchner

Foto: EightyEight Games

"Photographs - Puzzle Stories" ist ein kreatives Rätselspiel, das interessante und emotionale Geschichten erzählt. Verschiedene Fotomotive schalten Rätsel frei, die wiederum bei erfolgreicher Lösung neue Kapitel einer Geschichte preisgeben. Dabei geht es beispielsweise um die Vergangenheit eines Gebäudes, welche Menschen dort gelebt oder gearbeitet haben, und was sich dort zugetragen hat. Dabei kann der Spieler immer wieder Entscheidungen treffen und verschiedene Wege einschlagen. Häufig haben die Geschichten einen melancholischen sowie ernsten Hintergrund und sind alles andere als banal.

Für 4,09 Euro (Android ) oder 4,49 Euro (iOS ), von EightyEight Games, ohne In-App-Käufe.


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen ein angenehme Woche.

Herzlichst,
Martin U. Müller

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